GIF: Vom Internet auf die Leinwand

Eines der ersten digitalen Bildformate erlebt ein Revival: Animated GIF schafft den Sprung vom PC-Monitor der 80er-Jahre in den Kino-Saal des 21. Jahrhunderts. Das Filmfestival «Fantoche» in Baden zeigt diese Woche Kürzest-Filme von internationalen Künstlerinnen und Künstlern.

Animated GIFs erleben ihren zweiten Frühling: Illustratoren, Fotografinnen und Filmemacher nutzen das alte Format für ihre Experimente. «Fantoche möchte dieser Szene ein Gefäss bieten, damit sie am Animations-Festival teilnehmen kann» sagt Pascal Etzensperger, Kurator des Events «GIF is for Geeks», der im Rahmen des internationalen Animations-Film-Festivals in Baden stattfindet. Die Veranstalter haben einerseits bekannte Künstler aus der Internet-Szene eingeladen. Sie haben aber auch über eine Ausschreibung weniger Etablierten die Chance gegeben, ihre Arbeiten zu zeigen.

Eine bewegte Geschichte

GIF ist ein digitales Bildformat aus den Anfängen des Personal Computers. Damit lassen sich nicht nur farbige Bilder speichern, sondern auch Kürzest-Filme, so genannte Animated GIF. Man ist mit dem Format allerdings stark eingeschränkt: Die Dauer ist auf wenige Sekunden begrenzt; eine Ton-Spur gibt es nicht.

Mitte der 90er Jahre erlebte das Format im Internet den ersten Aufschwung: Vom entscheidenden Goal der Heimmannschaft über das drehende Baustellen-Logo bis zu den spielenden Katzen – alles war auf Animated GIF angewiesen, damals der einzige Standard für bewegte Bilder, den jeder Browser beherrschte. Obwolhl es heute technisch bessere Formate gäbe, sind GIFs immer noch beliebt bei Künstlern.

Archaisch und modern

Die Szene ist heute so vielseitig, dass man sie nicht mehr auf wenige Genres reduzieren kann. Von animierten Zeichnungen und Gegenständen über Computer-generierte Linien und Flächen bis zu statischen Fotos, bei denen die Bewegung auf einen Bereich reduziert ist, findet sich alles. Auch ausserhalb der Kunstszene sind die bewegten GIFs im Internet nach wie vor beliebt. Sie vermitteln die entscheidenden Momente bei Pleiten-Pech-und-Pannen, im Sport oder in der Bildung.

Bei den «GIF is for Geeks»-Vorführungen erinnert nicht nur die Tatsache, dass es sich um Stummfilme handelt, an die Anfänge des Filmes. Wie schon vor 100 Jahren werden die Kurz-Filme auch am Festival in Baden von einem Musiker begleitet – doch statt am Klavier wie damals heute mit elektronischer Musik.

Überleben dank Flexibilität

Die Geschichte des GIF-Standards ist lang. Bevor sich das Internet zum Massenphänomen entwickelte, betrieb die amerikanische Firma Compuserve in den 80er Jahren das weltweit grösste Online-Portal. Über eine Telefonleitung konnten sich die Nutzer mit einem Server verbinden und sich dann in Foren mit Gleichgesinnten austauschen über Texte und Bilder – letztere allerdings nur in Schwarz-Weiss.

1987 publizierte Compuserve einen Standard, der neu auch Farbbilder beschreiben konnte, das Graphic Interchange Format – kurz: GIF. Dass die Anzahl der Farben auf lediglich 255 beschränkt war, störte niemanden. Monitore und Grafikkarten der damaligen Rechner konnten grössere Farbpaletten noch gar nicht darstellen.

Der GIF-Standard war von Anfang an flexibel ausgelegt. Von Beginn an konnte man ein Bild aus vielen Teilbildern zusammensetzen. Der Vorteil: Da jedes Fragment über einen eigenen Farbraum verfügt, kann die technische Grenze aus den Urzeiten des PCs von 255 Farben umgangen werden. Man kann Teilbilder auch zeitlich versetzt abspielen – die technische Basis für Animated GIFs. Dank dieser Flexibilität hat das Format schon mehr als ein Vierteljahrhundert überlebt. In der schnelllebigen digitalen Welt ist das eine Ewigkeit.