Basler St. Jakobshalle am 18. Mai 2025, irgendwann nach Mitternacht: Zoë Më schneidet im Televoting schlecht ab, bekommt für ihre Darbietung von «Voyage» vom internationalen TV-Publikum keinen einzigen Punkt.
Dank der starken Bewertung der Jury – Platz 2 hinter dem ESC-Sieger JJ aus Österreich – reicht es immerhin für den zehnten Gesamtrang. «Gesanglich war es vielleicht nicht mein bester Auftritt», sagt sie rückblickend.
«Aber ich habe alles gegeben, hatte ein gutes Gefühl und bin immer noch stolz auf das, was das gesamte Team geleistet hat.» Eine starke Leistung war es allemal. Eine, die Zoë Më und ihr Leben seither stark geprägt hat.
Viel mutiger, viel widerstandsfähiger
Sein Land an einem Eurovision Song Contest zu vertreten, erfordert einiges. «Ich habe dank dieser Erfahrung gemerkt, wie widerstandsfähig ich sein kann», so die Künstlerin. «Mir war auch nicht bewusst, wie viel Mut in mir steckt und wie gut ich mit Stress umgehen kann.»
Sie habe einige Tage vor dem Event nicht mehr schlafen können und sei dadurch zum Meditieren gekommen. «Heute weiss ich, wie ich in stressigen Situationen zu mir zurückfinde.»
Ungesunder Vergleich mit anderen Künstlern
Das grosse Loch, in das viele Künstlerinnen fallen, wenn die grosse Anspannung vom einen auf den anderen Moment wegfällt, war vorerst nicht allzu tief. «Das Tief hat mich erst Monate später eingeholt, als ich feststellte, dass die Reaktionen auf Social Media weniger geworden sind.»
Zoë Më begann sich mit den Zahlen anderer Künstler zu vergleichen. «Dieser Vergleich ist nicht gesund und entspricht eigentlich nicht meinen Werten.» Eine Erfahrung, die sie im Lied «Jamais Été (Cool)» verarbeitet hat. «Es geht darum, sich daran zu erinnern, wer man ist und was wirklich wichtig ist.»
Mehr als nur ein ESC-Artist
Auch wenn es mit dem ESC-Sieg vor einem Jahr nicht geklappt hat: Ihr Auftritt hat Zoë Më Anfang Mai indirekt doch noch zwei Preise beschert. Sie wurde mit dem Newcomer-Prix-Walo ausgezeichnet und bekam einen Swiss Music Award als «Best Breaking Act».
«Mir ist aber auch wichtig, zu zeigen, dass ich mehr bin als nur ein ESC-Artist.» Deshalb habe sie in den Monaten nach dem Finale viel gearbeitet. «Ich habe in der Zwischenzeit eine EP und ein Album herausgebracht», sagt sie. «So können sich die Leute ein noch besseres Bild von mir machen.»
Als Künstlerin und Mensch gewachsen
Das scheint ihr gelungen zu sein. Die Bekanntheit ist gewachsen, das Publikum an den Konzerten kennt die Songs und singt mit. «Es kommen teilweise Leute aus der ganzen Welt. Das ist verrückt.» Erst kürzlich seien Fans aus Polen zu einem Auftritt angereist.
«Ich habe in kurzer Zeit viel über mich, mein Schaffen und das Business gelernt», sagt Zoë Më. «All das ist unbezahlbar und hat dafür gesorgt, dass ich als Künstlerin sowie als Mensch mega gewachsen bin.»