Nach dieser Show möchte man die ganze Welt auf den Mund küssen. CMAT, die 30-jährige Country-Pop-Queen aus Irland, catwalkt am Samstag in Ringelstrümpfen auf die Sitterbühne und macht sich die Welt, wie sie ihr gefällt.
Und diese Welt gefällt auch allen, die den Namen CMAT vorher noch nie gehört haben. Die Abkürzung steht für Ciara Mary-Alice Thompson: Eine Frau, die mit federleichtem Country-Pop, queerer Selbstermächtigung, haufenweise Body Positivity und umwerfend einfachen Songs gerade die grössten Festivals verzaubert.
Die Anti-Heldin, in die man sich sofort verliebt
Auch in St. Gallen wirkt ihr Zauber. Nicht zuletzt wegen ihrer Tanzeinlagen. Noch nie hat Unbeschwertheit so sexy ausgesehen. CMAT bewegt sich, als wäre sie zufällige Hauptfigur in einem sehr seltsamen, aber sehr tollen Musical.
Auch ihre Band passt in diese Szenerie. Ihre Entourage ist heute St.-Gallen-gerecht in grün-weissen Farbtönen gekleidet und wirkt aus der Ferne wie ein Gemälde. Eine bunte Truppe, die diese handgemachten Songs elegant zum Fliegen bringt. So, dass es nach wenigen Takten dem Publikum die Unterarmhaare aufrichtet.
CMAT und ihre «sehr sexy» CMAT-Band liefern grosse Pop-Performance ohne die übliche Popstar-Panzerung.
Ich will ein Cowboy sein, Baby!
Musikalisch zerrt CMAT am Wurzelstock von country-getünchte Americana. Sie singt vom Traum, ein Cowboy zu sein und verdreht damit das Klischee in ihre eigene, wunderbar queere, irische Version davon.
Grosse Refrains, kleine Geschichten, Melodramatik und Humor: Ihre Songs klingen, als wären sie längst da gewesen und hätten nur darauf gewartet, endlich von uns allen unter der Dusche mitgesungen zu werden.
Irgendwann fragt sie schwitzend ins Publikum: «Geht's euch gut?» Und kontert sogleich irisch trocken: «Denn ich bin im Arsch!» Damit wird mitten im kurzweiligen Set eine Sonnenpause eingeläutet. CMAT setzt sich hin und lässt sich von ihren Bandmitgliedern umgarnen und kühl wedeln.
«Ich küsse euch alle auf den Mund!»
CMAT liefert dem Sittertobel das bisher vielleicht schönste Konzert dieses Festivals. Am Schluss steigt die Dublinerin in die Menge und verabschiedet sich mit dem Wunsch, jeden und jede Einzelne auf den Mund zu küssen.
Das Einzige, was dieser Show fehlt, ist genug Publikum. Denn man wünscht diese geballte Wucht an Liebe der ganzen Welt. Die bodenständigen Songs von CMAT haben die Kraft, Hass auszuhebeln und das Leben zu feiern. Was brauchen wir heutzutage mehr?