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Openair Gampel 2018 So ist ein Festival für einen Rollstuhlfahrer

Ein Festival-Besuch ist unter anderem geprägt vom Stolpern über Kabel, Schwanken über unebenen Grund und Fallen über Zelt-Seile. Von A nach B zu gelangen, ist nicht immer einfach. Aber wie sieht es für eine Person aus, die gehbehindert ist? Wir haben Daniel Rolli am Openair Gampel begleitet.

«Ich muss immer schauen, dass ich niemanden überfahre oder dass jemand auf mich drauf fällt», sagt Daniel Rolli lachend. Das ist die grösste Herausforderung für den 47-Jährigen an einem Festival. Daniel ist bereits zum sechsten Mal am Openair Gampel. Im Rollstuhl.

Daniel Rolli (47) am Openair Gampel.
Legende: Daniel Rolli (47) am Openair Gampel SRF/Saskia Widmer

Während wir also am Festival mit losen Kabeln oder Zelt-Seilen zu kämpfen haben, manövriert der gebürtige Aargauer seinen fast 250 Kilogramm schweren Rollstuhl über das Festivalgelände in Gampel. Seit rund acht Jahren ist Daniel Rolli vollständig auf den Rollstuhl angewiesen – er leidet an spinaler Muskelatrophie, Muskelschwund.

Ich habe eine eigene Mini-Rampe.

Daniel ist völlig autonom unterwegs am Festival. Zelten, das liegt für den 47-Jährigen allerdings nicht drin. Er übernachtet in einem nahegelegenen Hotel. Für jegliche Hürden ist Daniel vorbereitet: «Einige der Bars sind nicht rollstuhgängig, deshalb habe ich eine eigene Mini-Rampe», sagt er. Und falls der Zugang auch mit dieser nicht klappe, gäbe es immer hilfsbereite Menschen, die ihn samt Rollstuhl an den gewünschten Ort hieven.

Daniel Rolli ist für alle Eventualitäten vorbereitet.
Legende: Daniel Rolli ist für alle Eventualitäten vorbereitet. SRF/Saskia Widmer

Alle Bars rollstuhlgängig zu machen, sei schlicht unmöglich, sagt Oliver Imboden, Mediensprecher vom Openair Gampel. Teilweise handelt es sich um zweistöckige Bauten. Hinzu komme, dass die Mehrheit der Bars und Party-Locations von Fremdveranstaltern betrieben werden. Für diese seien Rollstuhlfahrer, die schlussendlich keine grosse Masse am Festival ausmachen, nicht erste Priorität.

Gampel
Legende: «Sex On The Beach» kann sich Dani holen, an «Iischii Party» wird er, Treppen sei Dank, wohl eher weniger teilnehmen. SRF/Saskia Widmer

Für Daniel Rolli sei es besonders am Festival sehr schön, wie gross die Sensibilität gegenüber behinderten Menschen sei. «Die Leute helfen immer, egal wie betrunken sie sind.» Vergangenes Jahr blieb Daniel im Schlamm stecken. «Ich war sehr froh, dass mich einige Fremde aus dem Dreck gezogen haben.» Apropos Alkohol: Auch er ist einem Gläschen nicht abgeneigt. Und, das sei der grosse Vorteil an einem Rollstuhl: «Mir merkt man nicht an, wie betrunken ich bin, da ich ja eh schon sitze.»

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