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Sie war fast 40 und hatte noch nie im Leben Sex oder eine Beziehung. Im SRF-Podcast «Input» erzählt eine Betroffene (Symbolbild), warum sie sich für einen «Surrogat-Partner» entschied und was das bedeutet.
Aus Input vom 25.04.2021.
abspielen. Laufzeit 38:06 Minuten.
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Input Liebe lernen mit einem Ersatzpartner auf Zeit

Martina* hat ein soziales Netz, einen Job, den sie mag, und sie geht gerne tanzen. Trotzdem fühlt sie sich nicht «normal». Ihr fehlen Erfahrungen in Beziehungen und im Sex. Martina ist ein «Absolute Beginner». Kurz vor ihrem 40. Geburtstag entscheidet sie: Damit ist nun Schluss.

«Bin ich asexuell?» – das hat sich Martina* in den letzten Jahren immer wieder mal gefragt . Immer dann, wenn sie wieder daran herumstudierte, warum alle anderen Beziehungen hatten, nur sie nicht. «Was funktioniert bei mir nicht, was ist bei mir falsch?», fragte sie sich.

Wie wäre es mit einer Surrogat-Partner-Therapie?

Kurz vor dem 40. Geburtstag entschliesst sich Martina zu handeln. Sie meldet sich bei der Winterthurer Sexualtherapeutin Lucianna Brändle. Gemeinsam kommen sie zum Schluss: Martina ist nicht asexuell, ihr fehlt «nur» die Erfahrung. Und die Sexualtherapeutin macht ihr einen speziellen Vorschlag: Wie wäre es mit einer Surrogat-Partner-Therapie? Das sei gerade bei Singles eine bewährte Methode, erklärt Lucianna Brändle: «Ich komme so viel näher an die Probleme meiner Klienten und Klientinnen, verbal bin ich eingeschränkt.»

«Absolute Beginner»: Menschen ohne Erfahrung

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«Absolute Beginner» ist eine Bezeichnung für erwachsene Männer und Frauen ohne Erfahrung in Liebesbeziehungen. Der Begriff Absolute Beginners stammt vom Begründer des ersten Internetforums zu diesem Thema.

Martina ist ein neugieriger Mensch und sagt nach einer Denkpause zu. «Wenn ich einen Mann kennenlerne und mich in ihn verliebe, dann geht das ganze Kopfkino los.» Sprich, was er erwartet, was sie in ihrem Alter alles bereits kennen und können sollte und wie weit er wohl gehen will. «Wenn ich also nun mit einem Mann das alles ausprobieren kann und kein Kopfkino habe, ist doch das perfekt».

Angelo wird zum Ersatzpartner auf Zeit

Von nun an trifft sich Martina alle zwei Wochen mit ihrer Therapeutin Lucianna Brändle und dazwischen verbringt sie eine Stunde mit Angelo, ihrem Ersatzpartner auf Zeit. Angelo (55) ist einer von acht Männer und Frauen, die Lucianna Brändle im vergangenen Jahr zu Surrogat-Partnerinnen und -Partnern ausgebildet hat. Er führt Martina Schritt für Schritt an die Sexualität heran.

Surrogat-Partner-Therapie: Beziehung auf Zeit

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Das ist eine körper- und erlebnisorientierte Sexualtherapie. Die Therapeutin arbeite dazu mit sogenannten Surrogat-Partnern und -Partnerinnen zusammen. Diese gehen mit Klienten und Klientinnen eine Partnerschaft auf Zeit ein. Die Surrogat-Beziehung dient als Modell-Beziehung, an deren Ende sich der Klient oder die Klientin bereit und im Stande fühlen, in einer «realen» Partnerschaft eine erfüllte und erfüllende Sexualität zu leben. Entstanden ist diese Therapieform in den 1970er-Jahren in den USA. In der Schweiz ist sie kaum bekannt.

Erst mit einfachen Übungen, bei denen es vor allem um Vertrauensaufbau geht. Die Hände voneinander berühren, mit verbundenen Augen spüren, sich streicheln. In einer zweiten Phase sind beide bei diesen Treffen nackt, lernen sich und den anderen Körper kennen. In der letzten Phase wird es frei und intuitiv. «Es geht in Richtung echte Beziehung und was da im Bett stattfinden kann», erklärt Martina.

«Für mich war es sehr befreiden zu erleben, dass ich das kann und mich darauf einlassen kann», sagt Martina.

Und was, wenn sich jemand verliebt?

In der Schweiz ist die Surrogat-Partner-Thearpie kaum verbreitet. Kritische Stimmen monieren die Vermischung von Therapie und gelebter Sexualität. Wichtig sei ein klarer Rahmen, erklärt Sexualtherapeutin Lucianna Brändle. Die Modell-Beziehung finde nur in den abgemachten Stunden statt, Kontakt ausserhalb sei nicht erlaubt. Und was, wenn sich jemand verliebt? Das könne vorkommen, erklärt Brändle, auch in einer Gesprächstherapie. Wichtig sei dann, der richtige Umgang damit.

Ein Jahr lang hat sich Martina mit Angelo getroffen, seit einem Monat ist nun Schluss. Martina bilanziert: «Es war nicht ganz günstig», schliesslich musste sie die Therapie und die Stunden mit Angelo bezahlen. «Aber», fügt sie lachend hinzu «es hat sich gelohnt, was kann ich besseres machen, als in mich selbst investieren.»

Mehr zu «Absolute Beginners», zu Martina* und ihren Erfahrungen in der Surrogat-Partner-Therapie hörst du in der neuen Folge unseres Hintergrundpodcasts «Input».

*Name geändert

Radio SRF 3, 15.4.2021, 20:00

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16 Kommentare

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  • Kommentar von René Lüthi  (Ron)
    "Absolut Beginner", "Surrogat-Partner" - neue Wörter, alte Praktiken.
    Hauptsache es kann Kohle damit gemacht werden.
    Bin fast eingeschlafen beim lesen.
  • Kommentar von Melanie Sardi  (Colomba)
    Wozu erziehen wir unsere Kinder?!?!? ..Lebt einfach nach Lust und Laune? Wenn es keine gesunden und festen Werte mehr gibt, wie sollen sie denn im Leben sich überhaupt noch orientieren können? Kein Halt, keine Sicherheit, Vertrauen... So macht man(n) oder frau sich noch beziehungsunfähiger und das Leben immer mehr kaputt.. wohin das führt ist höchstbedenklich!
  • Kommentar von Melanie Sardi  (Colomba)
    Wo sind wir denn hier gelandet?! Heutzutage kann jede mit jedem und umgekehrt..NICHTS ist mehr falsch, ALLES 'Moderne Gedankengut' wird gutgeheissen. Wohin führt das? Denkt ihr ernsthaft, dass ein Paar auch im fortgeschrittenen Alter nicht fähig wäre, erstmalige geniale Erfahrungen zu erleben? Dann liegt ihr völlig daneben. Der Trieb im Mensch ist zu gross und zu schade, um in solch ungesundem Rahmen an Menschen vergeudet zu werden! Dem sage ich Prostitution. Sex gehört ganz klar in Beziehung!