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Klimaschädliche Fussball-WM Die Klimaziele der Fifa scheitern an der Realität

In puncto Nachhaltigkeit dürfte die aktuelle WM einen Negativrekord aufstellen – ein Kontrast zu den Klimazielen der Fifa.

Wie gross ist der Fussabdruck der WM 2026? Nach Berechnungen der britischen Organisation «Scientists for Global Responsibility» (SGR) dürften rund 9 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente ausgestossen werden. Bei der WM 2022 in Katar war der CO₂-Fussabdruck auf etwa 5,25 Millionen Tonnen geschätzt worden. Laut dem Bericht entspricht die für 2026 prognostizierte Gesamtmenge «fast 6,5 Millionen Mittelklasse-Autos, die ein ganzes Jahr lang gefahren werden».

Mehrere Personen in blauen Trainingsanzügen steigen aus einem Flugzeug.
Legende: Erstes Spiel in Dallas. Zweites Spiel in Boston. Drittes Spiel in New Jersey. Auch die englische Mannschaft fliegt quer durch die USA. Reuters / Jay Biggerstaff

Weshalb ist es die klimaschädlichste WM aller Zeiten? An dieser WM nehmen 48 Länder teil, bisher waren es bloss 32. Das Turnier findet in drei Ländern statt, verteilt über einen ganzen Kontinent. Flüge sind laut Schätzungen für 85 Prozent der klimaschädlichen Emissionen verantwortlich.

Zusätzliche Emissionen durch klimaschädlichen Hauptsponsor: Der weltweite Hauptpartner der Fifa im Energiesektor ist das Unternehmen Aramco. Der saudi-arabische Ölkonzern ist der weltweit grösste CO₂-Emittent. Aramco hat 100 Millionen US-Dollar in die Werbung rund um die WM investiert. Rechnet man die Klimaemissionen der dadurch generierten Geschäfte mit ein, steigt der Fussabdruck dieser WM auf etwa 40 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente, berechnete SGR. Das ist so viel, wie die Schweiz in einem Jahr ausstösst.

Zwei Personen sitzen auf der Ladefläche eines schwarzen Pickup-Trucks vor einem Stadion.
Legende: Ecuador-Fans sitzen auf der Rückbank eines Autos vor dem Stadium in Philadelphia. Imago / Simon Stacpoole

Welche Anstrengungen zeigt die Fifa bezüglich Nachhaltigkeit? Mit Fifa-Geldern werden in allen 16 Austragungsorten Bäume gepflanzt. In und um die Stadien soll der Abfall gesammelt und wenn möglich recyclet werden. Und der öffentliche Verkehr zu den Spielen wird gefördert. SRF Wirtschaftsredaktor Klaus Ammann resümiert: «Schlussendlich sind das ein paar Tropfen auf den sprichwörtlich heissen Stein.»

Wo steht die Fifa bei ihrem Netto-Null-Ziel? Bis 2040 möchte der Weltfussballverband CO₂-neutral sein. Bis 2030 möchte sie die Treibhausgasemissionen halbiert haben. «Die Klimaziele und die aktuell klimaschädlichste WM aller Zeiten, das passt überhaupt nicht zusammen», analysiert Ammann. Die Fifa wurde auch schon gerügt, sie betreibe Greenwashing, unter anderem von der Eidgenössischen Lauterkeitskommission. «Zum aktuellen Zeitpunkt erscheinen die Klimaziele der Fifa total illusorisch», so Ammann.

Mann mit Bart und Sonnenbrille in orangefarbenem Hemd vor blauem Gerät.
Legende: Ein Wachmann steht vor einer Klimaanlage, die vor dem Spiel Brasilien – Marokko kühle Luft auf das Spielfeld in New Jersey bläst. Getty Images / Howard Smith

Werden zukünftige WMs klimaneutral sein? Die nächsten zwei Ausgaben werden es nicht sein. 2030 findet die Endrunde in Spanien, Portugal und Marokko statt. Auch da wird geflogen. Die SGR rechnet mit 6 Millionen Treibhausgasen. Solange die Luftfahrt nicht deutlich klimafreundlicher wird, kann die Fifa die Emissionen schlecht verhindern. Die WM 2034 dürfte wieder ähnlich schädlich sein wie die aktuelle. Gastgeber Saudi-Arabien gehört bei der UNO zu den Blockierern in Klimaverhandlungen. «Die WM kann nicht klimaneutral werden, solange die Fifa an 48 Teams festhält und fürs Sponsoring Unternehmen wählt, die sich offen gegen Klimaschutz wehren.»

Spürt man den Klimawandel auf dem Spielfeld? Zwei Stadien sind zum Teil klimatisiert. In den anderen ist es «zu warm». Die Wissenschaft spricht ab Temperaturen von 28 Grad Celsius von einer Hitze, die die Leistung mindert. Spieler rennen weniger schnell. Das Risiko von Hitzeschlägen steigt. Natürlich war es um diese Jahreszeit in Mexiko schon immer warm, aber wegen des Klimawandels steigt die Wahrscheinlichkeit für Hitze um bis zu 20 Prozent. Die Fifa hat reagiert und für die Abkühlung der Spieler (nicht des Weltklimas) offizielle Trinkpausen eingeführt.

Radio SRF 3, 15.6.2026, 16:10 Uhr ; 

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