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Sie sind alle in den Top 20 der meist geklickten YouTube-Videos: Ed Sheeran, Katy Perry, Taylor Swift und Justin Bieber.
Legende: Sie sind alle in den Top 20 der meistgeklickten YouTube-Videos (von links nach rechts): Ed Sheeran, Katy Perry, Taylor Swift und Justin Bieber. Collage SRF
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15 Jahre YouTube Tschüss, Vlogger: Wie die Musikindustrie YouTube übernahm

YouTube ist die zweitgrösste Suchmaschine der Welt und wächst jede Minute um satte 400 Stunden Videomaterial. Die grossen Klick- und Abonnentensammler sind dabei aber nicht mehr die Video-Blogger und Schlafzimmer-Streamer, sondern die mächtige Musikindustrie, welche über YouTube herrscht.

Ich liebe Kennzahlen. Darum beginne ich gleich mit einer: Unter den 20 meistgeklickten Videos auf YouTube ist gerade eines kein Musikvideo!

Mascha und der Bär (eine russische Kinder-Animations-Serie), Link öffnet in einem neuen Fenster schiebt sich mit 4.2 Milliarden* Aufrufen auf Platz fünf der meistgeklickten YouTube-Videos. Die restlichen 19 der Top 20 gehen an Musikvideos globaler Superstars wie Ed Sheeran, Wiz Khalifa oder Psy. Und wenn wir schon dabei sind: Unter den Top 40 der meistgeglickten Videos sind gerade mal drei Videos nicht Musik!

Die 10 meist geklickten Videos auf YouTube*

Ein neues Kräfteverhältnis

Waren vor 10 Jahren die zehn abonnentenstärksten Channels ausschliesslich Vlogger und individuelle Video-Produzenten, findet sich heute nur noch einer davon in den Top 10: der schwedische Game-Vlogger und Videoproduzent PewDiePie, Link öffnet in einem neuen Fenster mit 108 Millionen Abonnenten.

Über 5 Jahre lang war PewDiePie der Kanal mit den weltweit meisten Abonnenten.
Legende: Über 5 Jahre lang war PewDiePie der Kanal mit den weltweit meisten Abonnenten. Reuters

Und dieser wurde kürzlich vom indischen Musik-Channel T-Series überholt, welcher die Soundtracks zu einem Grossteil aller Bollywood-Filme liefert. Mit 128 Millionen Abonnenten ist er der grösste YouTube-Channel der Welt. Sowieso: Sechs der zehn abonnentenstärksten Channels gehören Musikern oder Musikfirmen., Link öffnet in einem neuen Fenster Wie es dazu kam? Diese Gründe waren ausschlaggebend:

1. YouTube ist die führende Musik-Streaming-Plattform

Laut dem Weltverband der Phonoindustrie (IFPI) wird 47% aller Musik in Videoform konsumiert. Und in dieser Kennzahl ist das YouTube-verrückte Indien, welches auch den aktuell erfolgreichsten YouTube-Channel T-Series stellt, Link öffnet in einem neuen Fenster, nicht mit einberechnet.

Alleine in den USA, dem weltweit grössten Musikmarkt, konsumieren 36% aller Musikfans ihre Musik über YouTube, 21% über den in den USA grossen Streaming-Dienst Pandora und nur gerade 17% über Spotify.

2. Die Jungen geben den Ton an

Die grosse Mehrheit dieser Nutzer machen Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 16 und 24 Jahren aus. Sie sind die musikalischen «Influencer» unserer Zeit. Laut «Business Insider» konsumieren satte 72% der 16- bis 19-Jährigen und 64% der 20- bis 24-Jährigen US-Amerikaner ihre Musik via YouTube.

Und es ist genau diese Altersgruppe, welche die Chart-Hits von heute bestimmt und somit massgeblich mitentscheidet, welche Musikvideos anderen Nutzern vorgeschlagen werden und entsprechend auch in den Charts landen. Da sie ihren Lieblings-Stars treu folgen, verpassen sie kein neues Musikvideo, welches oft bereits früher als auf den restlichen Streaming-Plattformen erscheint. Und das erst noch gratis!

3. Das Zauberwort «Replay Value»

Der Begriff «Replay Value» stammt ursprünglich aus der Videospiel-Branche und beziffert, wie viel Spass ein Computerspiel dem Spieler auch bei mehrmaligem Durchspielen bereitet. Dasselbe lässt sich direkt auf Popmusik und speziell auf Pop-Hits anwenden.

Maximaler «Replay Value» beim Megahit Despacito.

Im Streaming-Zeitalter werden Songs den Hörgewohnheiten angepasst. Der Refrain eines Songs kommt grundsätzlich nach 30 Sekunden, der Song wird kurz gehalten, damit der Hörer nach 3 Minuten denkt: «Das will ich gleich nochmals hören». Dieser maximale Fokus auf den Replay-Button pusht die Klickzahlen in die Millionen. Und wenn wir gerade vom Replay-Button reden...

4. Die Klick-Macht der «Kleinen»

Bis jetzt habe ich eine Zielgruppe noch nicht erwähnt: Kleinkinder und Kinder zwischen zwei und acht Jahren. Jene Altersgruppe, welche bei Lieblingssongs und Videos öfter auf die Wiederholtaste klickt als alle anderen User.

Daher werden wir in den kommenden Jahren vermehrt auch Kinder- und Erziehungs-Channels in den Top-Rängen sehen. Solche wie der US-amerikanische Kinderkanal Cocomelon – Nursery Rhymes, Link öffnet in einem neuen Fenster, der drittmeist- abonnierte Kanal auf YouTube und der meistgeklickte Kanal in den USA.

Satte 2.3 Milliarden Aufrufe für dieses Kinderlied...

Und was bedeutet das jetzt genau?

Die Musikindustrie hat längst begriffen, dass es ohne YouTube nicht mehr geht. Und auch wenn junge User die Videos gratis konsumieren – Geld verdienen lässt sich auch hier: durch Werbung.

Grosse Musikunternehmen monetarisieren ihre Musikvideos und verdienen so Millionen. Dementsprechend ist es auch ihr Anliegen, die Musikvideos ihrer grossen Stars exklusiv als erstes auf YouTube zu veröffentlichen und zu bewerben. Die Rechnung ist einfach: Je mehr Abonnenten und Klicks, desto mehr Geld. Und je früher und prominenter das offizielle Video online ist, desto weniger Kopien werden hochgeladen.

Ganz klar, YouTube ist mehr als Musik. YouTube ist Suchmaschine, ist Entertainment-Gigant und vermehrt auch Live-TV. Die Klickzahlen und Abonnenten aber, die sind aktuell fest in der Hand der Musikindustrie. Und so schnell wird sich das wohl nicht ändern.

(*) alle Zahlen Stand 14. Februar 2020

Autor: Dominique Marcel Iten

Autor: Dominique Marcel Iten

Dominique Marcel Iten ist Online-Redaktor bei Radio SRF 3 und schaut unter und hinter aktuelle Themen der Popkultur und ihre Nebengeräusche.

Twitter: @dominique_iten, Link öffnet in einem neuen Fenster
Instagram: @domi_iten , Link öffnet in einem neuen Fenster

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