Album-Check: Biffy Clyro «Ellipsis»

Biffy Clyro gehörten in den letzten 20 Jahren nicht gerade zu den Bands, die Musik für die breite Masse machten. Zu hart, zu brachial waren ihre Songs. Genau dafür wurde das schottische Trio von den Fans geliebt. Auf dem neuen Album «Ellipsis» wird die Ausnahme zum Konzept: Willkommen im Mainstream.

Das schottische Trio Biffy Clyro: Sänger Simon Neil (in der Mitte) und die Johnson-Zwillinge Ben und James Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Das schottische Trio Biffy Clyro: Sänger Simon Neil (in der Mitte) und die Johnson-Zwillinge Ben und James ZVG

Album-Check: Biffy Clyro «Ellipsis»

Worum geht’s?
Frontmann und Sänger Simon Neil verarbeitet auf dem neuen Album seine Lebenskrise, die von Depressionen und mehreren Todesfällen in seinem engsten Umfeld geprägt ist. Die Songs auf «Ellipsis» handeln von Trauer, Wut, Enttäuschung und Verzweiflung - aber auch von Dankbarkeit seiner Frau gegenüber, die ihm durch die schwere Zeit hindurch geholfen hat. Musikalisch ist auf «Ellipsis» leider wenig von der Heftigkeit all dieser Gefühle zu hören.
Wie klingt denn «Ellipsis»?
Sehr viel zugänglicher, als wir es von Biffy Clyro gewöhnt sind. Die harten Gitarren-Riffs, treibenden Schlagzeugparts und der brachiale Gesang von Simon Neil sind zur Ausnahme geworden. Biffy Clyro haben einen grossen Schritt auf die Popmusik zu gemacht.
Ist das gut oder schlecht?
Fans der ersten Stunde werden von «Ellipsis» enttäuscht sein. Zu wenig ist von der Unverwechselbarkeit der Band übriggeblieben, die Songs lassen eine gewisse Orientierungslosigkeit heraushören. Simon Neils einzigartige Stimme ist der einzige erkennbare rote Faden, der sich durch die Songs zieht und uns Biffy Clyro wiedererkennen lässt.
Wer wird das Album denn mögen?
Jeder, dem Biffy Clyro bisher immer eine Spur zu hart waren. Zu den neuen Songs wippt auch der Fuss deiner Handarbeitslehrerin mit. Ausserdem wird es Fans geben, die der Band die emotionale Talfahrt verzeihen – einschliesslich jener Songs, die daraus entstanden sind.
Wenn das Album ein Tier wäre, welches wäre es?
Ein Wolf im Schafspelz. Der Wolf kommt textlich in mehreren Songs vor («Wolves Of Winter», «Small Wishes», «Howl») – er stellt sich aber als stubenreines, zahmes Haustier heraus, dem die Reisszähne abgeschliffen wurden. Der macht nichts, der will nur spielen.
Beste Songs:
«Wolves of Winter», «Animal Style», «On A Bang». Hier beweisen Biffy Clyro, dass sie immer noch grosse Rock-Songs schreiben können. Ausserdem: «Medicine». Der Song erinnert zwar stark an «God & Satan» aus dem Jahr 2009, zeigt aber auf eine berührende und ehrliche Art die Traurigkeit auf, mit der Sänger Simon Neil in den letzten Jahren zu kämpfen hatte.
Grösster Überraschungsmoment:
«Small Wishes» ist ein Country-Folk-Song über die schottische Unabhängigkeit. Country-Folk!

Biffy Clyro live: 18.08.2016 Open Air Gampel

Deshalb werden wir Biffy Clyro trotzdem immer lieben: Seht hier das Interview mit den sympathischen Jungs vom SRF 3-Showcase von 2013