Seit fünf Jahrzehnten prägt Madonna die Pop-Welt. Alben wie «Like A Virgin» und «True Blue» in den 1980ern oder «Ray of Light» und «Music» in den 1990er-Jahren verkauften sich millionenfach. Zu Beginn der 2000er waren es eher die People-Heftli als Musikmagazine, die über sie berichteten.
Nachdem die Queen of Pop 2003 ihren vorläufigen kommerziellen Tiefpunkt mit «American Life» erreicht hatte, sollte es zwei Jahre später «Confessions on a Dance Floor» richten.
Das Album ging zurück zu ihren musikalischen Wurzeln auf dem Parkett queerer Clubs in New York – und es war ein voller Erfolg. Auch dank einer seltenen Erlaubnis von ABBA, einen ihrer grössten Hits zu zitieren: «Hung Up» lebt vom Sample von «Gimme! Gimme! Gimme! (A Man After Midnight)».
Für das ikonische Flötensample hat sich Madonna ordentlich ins Zeug gelegt: Sie liess einen Brief nach Stockholm verschicken, in dem sie um den Segen des Quartetts flehte. Das Go gab’s erst nach Zögern von Benny und Björn. Der Aufwand hat sich aber gelohnt: Hung Up gehört zu Madonnas erfolgreichsten Songs.
20 Jahre später befindet sich Madonna an einem ähnlichen Punkt: Die letzten Alben zündeten nicht, Madonna landete vermehrt mit Äusserlichkeiten als Musik in den Schlagzeilen und sie legte eine längere Pause ein.
Der Beichtstuhl soll’s erneut richten
Was 2005 funktionierte, soll auch 2026 wieder helfen: Madonna will an den Erfolg von «Confessions on a Dance Floor» anknüpfen. Und die Tanzfläche kommt auch auf der Fortsetzung nicht zu kurz. House-Tracks wie «Good For The Soul» oder Trance-Tracks wie «Everything» gehören nicht nur auf Kopfhörer, sondern in dunkle Clubs.
Wenn’s auf der neuen Madonna-Platte nicht gerade von der Clubdecke tropft, dann trieft es eben vor Kitsch: Beispielsweise wenn Madonna und Tochter Lourdes Lola Leon in «The Test» versuchen, ihre Beziehung zu heilen, oder wenn Erik Saties melancholisches Klavier zu einem Trip-Hop-Beat verdreht wird.
Ein nächstes «Hung Up» sucht man auf «Confessions II» vergebens, aber gerade die erste Hälfte der Platte hat das Zeug dazu, Madonna nicht nur in die Charts, sondern auch in die TikTok-Feeds zu spülen und dürfte ihr eine neue Generation Fans erschliessen.
Zumindest die jungen Pop-Stars konnte Madonna schon begeistern: Sabrina Carpenter singt auf «Bring Your Love» und die britische Rapperin Shygirl ist im Vorabfilm zum Madonna-Album zu sehen:
Kate Moss, Benedict Cumberbatch, Gwendoline Christie: Das Staraufgebot im «Confessions II»-Film kennt keine Grenzen.
Sie spielt weiterhin mit dem Feuer
Die skandalösen Tage sind vorbei. Mit religiös aufgeladenen Anstössigkeiten kann Madonna heute nicht mehr schockieren. Dennoch liefert sie öffentlichkeitswirksame Tabubrüche: als 67-jährige Musikerin, die gerne über Lust und Körper spricht.
Schon vor zehn Jahren wusste sie, dass das Kontroverseste, was sie tun kann, im Rampenlicht zu altern ist. Ihr jüngstes Album zeigt, dass man beim Älterwerden nicht den Puls der Zeit verlieren muss.