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Musik Die grössten Skandalsongs der Musikgeschichte

Der Vorwurf des Antisemitismus gegen die Rapper Kollegah und Farid Bang ist seit einigen Tagen ein grosses Thema. Doch dass Songs für heftige Kontroversen sorgen, ist keinesfalls neu. In der Geschichte der Popkultur sorgten schon einige Texte für Aufruhr.

Farid Bang (links) und Kollegah ernteten bei der Echo-Verleihung Buhrufe und Pfiffe.
Legende: Farid Bang (links) und Kollegah ernteten bei der Echo-Verleihung Buhrufe und Pfiffe. Keystone

Zunächst aber: Worum geht es im aktuellen Fall? Die Rapper Kollegah und Farid Bang haben den deutschen Musikpreis «Echo» gewonnen. Dies, obwohl auf dem Bonus-Song «0815» zu ihrem aktuellen Album eine Zeile lautet «Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen». Ein grosser Aufreger, denn es stellt sich die Frage: Ist der Vergleich eines sportlichen Körpers mit demjenigen eines Holocaust-Opfers bloss geschmacklos, bewusst provokativ oder klar antisemitisch? Und wie weit geht künstlerische Freiheit?

Wer's verpasst hat: Die wichtigsten Fakten und Meinungen zum «Echo»-Skandal haben unsere Kollegen von SRF News zusammengetragen:

Deutliche Worte von Jürg Halter und Michi Beck

Schriftsteller Jürg Halter sagt im Gespräch mit der SRF-Sendung «Echo der Zeit», die beiden umstrittenen Gewinner des Echo-Preises hätten nicht eine derartige Plattform erhalten dürfen. Jürg Halter prägte als «Kutti MC» mehr als zehn Jahre lang die Schweizer Rapszene mit.

Auch Michi Beck von den Fantastischen Vier äussert sich deutlich. Im «Focus», der Gesprächssendung von SRF 3, sagt der deutsche Hip-Hop-Musiker: «Man kann nicht antisemitische Punchlines bringen und behaupten, man sei kein Antisemit».

Provokation gehört zur Musikgeschichte

Die deutschen Rapper sind natürlich nicht die ersten Musiker, welche mit einem Song für Aufregung sorgen. In der Geschichte der Popmusik gab es immer wieder kontroverse Texte. Manche sind offensichtlich ironisch (etwa der Rammstein-Song «Pussy», Link öffnet in einem neuen Fenster mit der Textzeile «Blitzkrieg mit dem Fleischgewehr»), andere wurden völlig falsch verstanden (zum Beispiel «Suicide Solution» von Ozzy Osbourne, siehe weiter unten). Und bei manchen kann man nicht sicher sein, wie ernst sie wirklich gemeint sind – und genau diese Unsicherheit sorgt oft für eine hitzige Diskussion.

Wir haben für dich einige der berühmtesten Songkontroversen der Popkultur herausgepickt. Auf Songs aus eindeutig extremistischen Kreisen verzichten wir dabei bewusst.

The Cure «Killing an Arab»

Cure-Frontmann Robert Smith windet sich bei Fragen zur allerersten The Cure-Single von 1978. Der Song stiess damals bereits grosse Kontroversen los, und war erneut Thema während des Golfkriegs und nach den Anschlägen von 9/11. Trotz der Umbenennung des Songs zu «Kissing an Arab» im Jahr 2005 wird er nach wie vor missverstanden. Dabei war der Song inspiriert von einer spezifischen Textstelle im Roman «Der Fremde» des französischen Schriftstellers Albert Camus.

Nirvana «Rape Me»

Die zweite Single des Albums «In Utero» liess Feministinnen weltweit Sturm laufen. Dabei wollte Sänger Kurt Cobain, selber überzeugter Feminist, einen Anti-Vergewaltigungs-Song schreiben. Die Textzeilen singt er aus der Sicht eines verurteilten Vergewaltigers. Der Song wurde von vielen Radios boykottiert und auch MTV wollte keine Live-Darbietung davon an ihren MTV Music Awards von 1992. Für die CD-Pressungen der Supermarkt-Ketten Wal-Mart und Kmart musste der Song zudem auf «Waif Me» umbenannt werden.

Robin Thicke «Blurred Lines»

Vieler Meinungen nach («The Guardian», «New York Times», «NME») ist Robin Thickes Megahit von 2013 der «Most controversal cong of the decade» – also der kontroverseste Song des Jahrzehnts. Und es ist schlicht unvorstellbar, dass solch ein Song und Videoclip im #metoo-Zeitgeist von 2018 nochmals solch ein Hit werden könnte. Der Aufreger? Der Songtext ist gespickt mit sexistischen Aussagen und unterschwelligen Vergewaltigungsfantasien – und im Video tanzen nackte Models um Robin Thicke herum.

Sex Pistols - God Save The Queen

Die Single «God Save The Queen» wurde 1977 noch vor Veröffentlichung von der Plattenfirma wieder eingestampft und der Plattenvertrag mit den Sex Pistols aufgelöst. Nur durch Glück wurde der Song auf einem anderen Label rechtzeitig zum silbernen Thronjubiläum der Queen veröffentlicht.

God save the queen, the fascist regime. They made you a moron, a potential H bomb.
Autor: Sex PistolsGod Save The Queen

Der Song, welcher von der Wut der Jugend gegen die in ihren Augen «steifen, faschistoiden Monarchie» handelt, landete angeblich gar auf Platz 1 der englischen Charts, wurde aber von allen Verantwortlichen und Radios auf Platz 2 geführt. Auch sonst musste die Band einen regelrechten Shitstorm einstecken und wurde gar von Royalisten, also Fans der Königsfamilie, mehrfach attackiert und überfallen.

Ozzy Osborne «Suicide Solution»

Wine is fine but whiskey's quicker, suicide is slow with liquor
Autor: Ozzy OsbourneSuicide Solution

Schon zum Zeitpunkt der Veröffentlichung (1980) liefen Eltern Sturm gegen den Song. Er verherrliche Selbstmord und sei eine Gefahr für Kinder. Es gab sogar ein Gerichtsverfahren, bei welchem Eltern Ozzy Osborne für den Selbstmord ihres Kindes verantwortlich machten. Der Sänger selber besteht darauf, dass der Song bloss vor den Gefahren des Alkohols warne.

NWA «Fuck Da Police»

Polizeibrutalität und Rassendiskriminierung sind die Themen in diesem aufgeladenen, wütenden Song – veröffentlicht zu einer Zeit, als Rassenspannungen und Brutalität der Polizei gegen Schwarze zum Alltag der Musiker gehörten. 1988 erschienen, ist er nach wie vor einer der kontroverstesten Songs der Rapgeschichte – aber auch einer der wichtigsten.

Body Count «Cop Killer»

Mit der Band Body Count war Rapper Ice-T auch im Rockbereich erfolgreich. Als eine der ersten Bands kombinierten sie Rap und Hardrock. Berühmt wurde die Band aber vor allem wegen ihrer Single «Cop Killer» (1992), welche für einen Aufschrei in der amerikanischen Gesellschaft sorgte.

I'd like to take a pig out into the parking lot and shoot them in the motherfucking face
Autor: Ice-TCop Killer

Manche Journalisten warfen Body Count vor, direkt zu Gewalt aufzurufen – einige erkannten in dem Song auch antisemitische Tendenzen. US-Polizisten fühlten sich bedroht von den Sätzen, in welchen sehr bildhaft damit gedroht wurde, ihnen in den Kopf zu schiessen.

Was findest du?

Die Diskussion um künstlerische Freiheit und Provokation als Stilmittel wird auch nach dem Echo-Skandal andauern. Was hältst du von Kollegah und Farid Bang? Wie gross ist deiner Meinung nach die Gefahr, dass sie das Weltbild junger Menschen negativ prägen? Sag uns deine Meinung und schreibe unten einen Kommentar.

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Andy Heiz (Andy Heiz)
    Hallo Skandal Songs Gibt es Immer Zb in den 80er Gab es Ja Die Tschernobyl Katastrophe da kamm 1987 die EAV mit Burli Oder Falco Jeanny Oder In Den 60er Jans Birkin und Serge Gaisbourg Mit dem Sexgestöne im Lied Je Tame Oder Von Frank Farian,s Gruppe Milly Vanilli die nicht gesungen haben es gibt solche nur etwas noch skandal songs gibt es immer wieder danke und ein lieben gruss von andy heiz
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  • Kommentar von Adrian Sousa-Poza (adriansousapoza)
    Ist nicht genau die Kritik und Diskussion das Ziel, nicht nur der Musik, sondern allgemein das Ziel der Kunst? So hat Kubrick etliche gewagte Filme produziert, nämlich genau um über solche kontroverse Themen zu diskutieren und er ist keineswegs der einzige. Es gibt etliche Journalisten die ihre Karriere, ja zum Teil ihr Leben aufs Spiel gesetzt haben, um Missstände and die Öffentlichkeit zu bringen. Dasselbe gilt in der Welt der Musik und das ist gut so.
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  • Kommentar von Markus Holti (M.A.Holti)
    Die offensichtliche Tatsache, dass in der Musikszene so viel Schrott getextet wird, rechtfertigt weiteren Schrott wie jenen von Kollegah und Farid keineswegs. Was soll diese primitive Rhetorik? Die Geschichte sollte uns eines besseren Überzeugen: "Wehret den Anfängen!" Ob von rechts oder links oder dazwischen – Judenhass, Islamismus, etc. darf man nicht mit Samthandschuhen begegnen, sondern mit klaren Positionen und demokratischen Tagen. Wer dies versäumt, macht sich mitschuldig.
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