Die zehn besten Trennungssongs

Zum Valentinstag gibts bei SRF 3 musikalisch die Antithese, die Trennungssongs. Das reale Leben richtet sich nicht nach dem Kalender: Manchmal ist man auch am Valentinstag frisch getrennt - oder denkt über eine Trennung nach. Hier die zehn besten Breakup-Songs, ausgewählt von unserer Musikredaktion.

Joy Division liefern den wohl traurigsten Trennungssong dieser Liste. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Ian und Deborah Curtis Joy Division liefern den wohl traurigsten Trennungssong dieser Liste. PD

Bill Withers – Ain’t No Sunshine

Eigentlich war es ein Film über ein Alkoholiker-Pärchen, der Bill Withers zu diesem Song inspirierte. «Days of Wine and Roses» aus dem Jahr 1962 erzählt eine komplexe Liebes- und Sucht-Geschichte, die mit einer Trennung endet. «Dieser Film zeigte mir, dass man manchmal etwas oder jemanden vermisst, der einem gar nicht besonders gut tat», sagte Withers später. «Ain’t No Sunshine» erschien 1971, ursprünglich als B-Seite einer Single, aber der Song gefiel den Radio-DJs besser, so dass sie ihn statt der A-Seite spielten. Er wurde Withers erster Hit und wurde 1972 mit dem Grammy für den Besten R&B Song ausgezeichnet.

Die Fantastischen Vier – Sie ist weg

Manchmal glaubt man, ein unabhängiger Einzelgänger zu sein, ein Wolf, der niemanden braucht – bis man tatsächlich allein ist. «Sie ist weg - davor war‘s schöner allein zu sein.» Diese Single der Fantas aus dem Jahr 1995 war in der Schweiz auf Platz 2, in Deutschland auf Platz 1. Genial daran: Der Text ist als Dialog geschrieben und geht hin und her zwischen dem leidenden Getrennten und einem Freund, der ihn nicht nur tröstet, sondern auch kritisiert. Genau das, was man nach einer Trennung braucht – denn wer will von seinen Freunden schon wie ein Komapatient behandelt werden.

Adele – Someone Like You

Auch wenn der Text zum grössten Teil tieftraurig ist – «Someone Like You» ist zugleich ein einzigartig optimistischer Trennungssong. Adele verneint den gängigen Gemeinplatz «so jemanden wie dich finde ich nie mehr» und singt «Es macht nichts, ich werde jemanden wie dich finden.» Mit diesen Worten fasst Adele jene persönliche Geschichte zusammen, um die es auf ihrem ganzen Album 21 aus dem Jahr 2011 geht. Die Trennung von einem Mann, den sie nach eineinhalb gemeinsamen Jahren heiraten wollte. Kurz nach der Trennung war er mit einer anderen verlobt. Der Song war ein Nummer 1 Hit und 88 Wochen in der Schweizer Hitparade. Für Adele ist der Song im Nachhinein einzigartiger als der Ex-Freund. Über den Song sagt sie: «So einen werde ich nie mehr hinkriegen.»

Led Zeppelin - Babe I'm gonna leave you

Dieser Song erweicht selbst Rocker-Herzen: «Babe I’m Gonna Leave You» ist ursprünglich ein Folksong (geschrieben von Anne Bredon) und wurde im Original 1962 von Joan Baez aufgenommen. Die Zeppelin-Männer Robert Plant und Jimmy Page sind Fans der Folk-Ikone, und schon beim ersten Treffen spielte Page Plant den Song vor. Led Zeppelin brachten ihre Version 1969 heraus und machten daraus einen echten Zeppelin-Song. Lauter, experimenteller und zorniger als die Vorlage. Oder, um es amateur-psychologisch auszudrücken: Wie ein intensiv erlebter Trennungsschmerz, der die widersprüchlichsten emotionalen Phasen durchläuft.

Dido – White Flag

Wer sich ergibt, hisst die weisse Flagge. Wer es nicht tut, kämpft weiter – ob im Krieg oder in der Liebe. «Über meiner Tür wird keine weisse Flagge hängen; ich bin verliebt und werde es immer sein», sang Dido in diesem Top Ten Hit aus dem Jahr 2003 (Platz 2 in der Schweiz) – nur um es kurz darauf zu bereuen. Der Song habe die Komplikationen der Trennung, die er beschreibt, noch verschlimmert. Das schafft nur ein so starker Song mit einer so unvergesslichen Melodie. Und mit einem so traurigen Video: Am Ende des Clips betreten die Protagonisten ihre separaten Wohnungen, nur um einander umso näher zu sein: Beider Wände sind mit Portraits des Anderen tapeziert.

Alex Clare - Too Close

Können beste Freunde ein Paar werden? Wer hier skeptisch ist oder sogar aus Erfahrung zweifelt, bekommt von Alex Clare den passenden Soundtrack: «It feels like I am just too close to love you» – ich bin einfach zu nah, um dich zu lieben. Clare sagt selber über den Song, es gehe um eine Liebesbeziehung, die aus einer engen Freundschaft entstanden sei und gerade deshalb nicht funktioniert habe. Für Fans, die wissen, dass Alex Clare 2006 für kurze Zeit mit Amy Winehouse zusammen war, drängen sich Spekulationen auf; Clare dementiert jedoch: Amy sei nicht die Besungene in «Too Close».

Ira May – Let You Go

Als wohl Emotionalstes aller Musikgenres ist der Soul ohnehin der ideale Stil für Trennungssongs. Umso schöner, dass einer der schönsten aktuellen Trennungssongs zugleich aus dem Soul und aus der Schweiz kommt. Mit dieser Ballade lancierte die Newcomerin Ira May aus Sissach ihre Karriere. Das Album stieg auf Platz 1 der Schweizer Charts ein. Das Video zur Single bietet mit seinen Schauplätzen London und Brighton auch gleich noch die perfekte Flucht- und Tapetenwechsel-Fantasie für Frischgetrennte. Den Song hat Ira May auch schon live im SRF 3 Studio zum Besten gegeben.

Joy Division – Love Will Tear Us Apart

Zwischen der Entstehung dieses Songs und dem Selbstmord des Joy Division Sängers Ian Curtis verging nicht einmal ein Jahr. Der Songtext drehte sich um die Schwierigkeiten zwischen Ian und seiner Frau Deborah. «Die Liebe wird uns auseinanderreissen» – am Ende war es aber der Tod, der das Paar am 18. Mai 1980 trennte. Deborah Curtis wählte den Songtitel als Inschrift auf Ians Grabstein. Diese Geschichte ist für die Fans bis heute untrennbar mit dem Song verbunden und macht «Love Will Tear Us Apart» zum wohl traurigsten Trennungssong überhaupt. Zugleich ist er ein Klassiker, der Bands wie The Cure oder Depeche Mode inspirierte. Den Titel wählte Curtis als trostlose Antithese zum amerikanischen Seventies-Hit «Love Will Keep Us Together» von Neil Sedaka.

Icona Pop – I Love It

Beats und Zerstörungslust - der perfekte Song für die Wut-Phase nach der Trennung. Er stammt im Original von der britischen Musikerin Charli XCX und kam für Caroline und Aino von Icona Pop zur rechten Zeit: «Wir machten gerade beide einiges an Love-Drama durch.» Ihr Cover wurde zum internationalen Top Ten Hit. Schon die Gründung von Icona Pop hatte mit einer Trennung zu tun: Aino war gerade von ihrem Freund verlassen worden, liess sich überreden, auf die Party einer Freundin zu gehen und lernte dort Caroline kennen. Am nächsten Tag begannen sie zusammen Musik zu machen - «mit unseren Computern und einer Flasche Wein.»

Züri West - I Verabschiedemimau

Der Trennungssong mit der besten Anekdote. «I Verabschiedemimau» erschien vor 20 Jahren auf dem Album Züri West und brachte Kuno Lauener wenig später in eine ungemütliche Lage: Noch im selben Jahr, 1994, erzählte ihm sein Garagist, als er Kunos Auto für den Service entgegennahm, seine Frau habe sich gerade von ihm verabschiedet. Und zwar nicht irgendwie, sondern mit diesem Song.