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Eine Legende wird 80 Alle lieben Dolly Parton

Country-Queen, Everyone’s Darling und die Verkörperung des American Dream: Dolly Parton hat sehr vieles richtig gemacht in ihrem Leben.

Schon als Dreikäsehoch mochte Dolly Rebecca Parton die grossen Auftritte: Mit zerdrückten Beeren schminkte sie sich die Lippen und mit angebrannten Streichhölzern zog sie die Augenbrauen nach. Teure Kosmetika gab's nicht im Hause Parton, denn Dolly wuchs mit ihren elf Geschwistern in ärmlichen Verhältnissen in einer Ein-Zimmer-Hütte in Tennessee auf – fliessendes Wasser bot nur der Fluss.

In ihrer Familie sei oft gesungen worden, erzählt Dolly 1976 in einem Fernsehauftritt. Noch bevor sie lesen und schreiben konnte, komponierte sie ihren ersten eigenen Song «Little Tiny Tassletop».

Mit gerade mal zehn Jahren folgt der erste Radio- und TV-Auftritt, mit 16 der erste Plattenvertrag und bald auch der Durchbruch. Dolly Parton ist der menschgewordene American Dream. Dass sie dabei ihre Wurzeln in einem Kaff im hintersten Tennessee nie vergass, dürfte zu ihrer Beliebtheit beigetragen haben.

Alle lieben Dolly

Dolly Parton wirkt bei ihren Auftritten immer warmherzig, bescheiden und humorvoll. Sie spendet regelmässig grosse Summen für Bildung, Forschung und Umwelt, gründete Bildungsprogramme und unterstützt Kinder mit kostenlosen Büchern. Kein Wunder also ist ihre Fanbasis enorm breit. Bei ihren Konzerten treffen US-Patrioten, Feministinnen, Südstaatenpastoren und Drag Queens aufeinander – alle lieben Dolly Parton. Sie, die immer zu ihrer Herkunft, ihrem Stil und ihrem Image gestanden ist.

Das breite Lachen, die platinblonden Perücken und die überdimensional grossen Brüste sind zwar immer wieder Anlass für Karikaturen und Spott, doch Kritik scheint an Parton abzuperlen wie Öl an einer Teflonpfanne. Ihr Rezept ist Humor und Selbstironie: «Es kostet sehr viel Geld, so billig auszusehen.»

Projektionsfläche und Feministin wider Willen

Zu Dolly Partons Berühmtheit trägt sicherlich auch bei, dass sie eine perfekte Projektionsfläche bietet. Über ihr Privatleben ist wenig bekannt, Skandale sind nicht ihr Ding. Ihren Mann Carl Thomas Dean heiratete sie mit 20, und die beiden blieben bis Deans Tod 2025 zusammen. Bei der Heirat hatte Parton ihren Nachnamen behalten – eine emanzipierte Entscheidung im Tennessee der 1960er-Jahre.

Parton hat aber immer gezögert, sich als Feministin zu bezeichnen. Und doch lebte sie mit ihrer Karriere Feminismus vor. Zum einen setzte sie sich im männerdominierten Country-Genre durch. Zum anderen bringt sie 1980 im Film «9 to 5» einen sexistischen egomanischen Boss zu Fall und besingt die Ungleichbehandlung von Frauen in der Arbeitswelt.

Dolly, das Arbeitstier

Während andere mit 80 Jahren längst im Ruhestand sind, ist für Dolly Parton an Rasten nicht zu denken. Noch diesen Sommer wird sie das «Dolly’s Life Of Many Colours Museum» eröffnen. Mit «Dollywood» betreibt sie einen der bestbewerteten Freizeitparks der USA, verkauft Accessoires für Tiere («Doggy Parton»), Backmischungen und Tiefkühlmenüs, Perücken, Gusseisenpfannen und Partyzubehör. Sie schreibt Kochbücher mit ihrer Schwester und ist Hotelbesitzerin.

Dolly Parton ist alles: Eine der besten Songwriterinnen unserer Zeit, erfolgreiche Geschäftsfrau und mehrfache Guinness-Weltrekord-Halterin, unter anderem für Chart-Erfolge über sechs Jahrzehnte hinweg. Was Dolly Parton anfasst, wird zu Gold. Oder zumindest mit Glitzersteinchen überzogen. Wir gratulieren herzlich zum 80. Geburtstag, dearest Dolly Parton!

Radio SRF 3, 19.01.2026, 08:15 Uhr

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