Vor Cher waren alle blond. Marlene Dietrich, Marylin Monroe oder Betty Davis – die grossen Stars der 1950er. Dann kommt Cher und stellt als erste Brünette auf dem Cover der Vogue das blonde Hollywoodideal auf den Kopf.
Cher wirkt in den 1960ern wie ein Fehler im System: zu dunkel, zu künstlich, zu futuristisch. Dahinter steckt weniger Kalkül als Überlebensstrategie. Als Kind flickt sie Schuhsohlen mit Klebeband, während die Mutter Gelegenheitsjobs annimmt und der Vater heroinabhängig verschwindet. Früh lernt Cher: Wer stehenbleibt, geht unter.
Fernsehpopstar
Wer heute an Cher denkt, hört Auto-Tune. Am Anfang klang sie aber nach Blumenkind. Mitte der 1960er-Jahre wird aus Cherilyn Sarkisian eine Hälfte von Sonny and Cher – und aus «I Got You Babe» eine globale Hymne der Gegenkultur.
Gehüllt in Fransen, Fell und Firlefanz brechen Sonny & Cher mit Kleidernormen und faszinieren die Popwelt. Schon bald sendet das gefeierte Hippie-Paar Sonny & Cher regelmässig als Moderationsduo der «The Sonny & Cher Comedy Hour» in die Wohnzimmer Amerikas.
Via Fernsehen zum Mainstream. Die gleiche Rampe, die später auf dem Disneykanal auch Britney Spears oder Miley Cyrus zum Sprung verhilft.
Bauchnabelschau
Die Moderatorin Cher eckt in den frühen Siebzigern an, weil sie bauchfrei moderiert. Gleichzeitig etabliert sie sich dabei öffentlich als Künstlerin mit Haltung. Sie verteidigt ihr Recht auf Selbstinszenierung zu einer Zeit, als Frauen im Fernsehen vor allem gefällig sein sollten.
Lange bevor Instagram existiert, weiss Cher, dass Image nicht Beiwerk ist, sondern Teil der Kunst. Cher trägt keine Kleider – sie produziert kulturelle Ereignisse: nackte Haut, Glitzer, Ironie. Gerne auch vor den Kanonenrohren eines US-Navy-Schlachtschiffs.
Cher inspiriert mit ihren Outfits nicht nur eine ganze Generation Drag-Artists, sondern auch das, was später Stars wie Lady Gaga oder Madonna perfektionieren: Pop als visuelles Gesamtkonzept.
Neubeginnerin
Karrieren im Pop waren lange kurz, besonders für Frauen. Cher beweist das Gegenteil und sagt: «Ich mache immer das Gleiche, aber anders!»
Mit über 50 verwandelt sie sich mit «Believe» 1998 in einen Dance-Pop-Superstar. Nicht als Nostalgie-Act, sondern als Zukunft. Auto-Tune wird bei ihr erstmals zum Stilmittel und prägt damit die Popästhetik des 21. Jahrhunderts nachhaltig.
Was heute bei Stars wie Beyoncé als «Reinvention» gefeiert wird, hat mitunter Cher erfunden.
Nacktivistin
Und heute? Mit 80 ist Cher immer noch da, erfindet sich neu und setzt sich ein. Sie baut Schulen für bedürftige Kinder in Kenia oder rettet Tiere aus prekären Situationen. Zum Beispiel Kaavan, den «einsamsten Elefanten der Welt», den sie zusammen mit einem Team aus schlechten Haltungsbedingungen in einem Zoo in Pakistan befreit hat.
Cher macht auch mit 80 noch, was Cher will. Bleibt politisch laut und popkulturell präsent – zuletzt an der MET Gala in New York. 1974 provoziert Cher an diesem Fashion-Anlass mit einem ikonischen Fast-Nackt-Kleid von Modelegende Bob Mackie.
2026 wechselt sie die Seite und entscheidet sich, blond zu sein zwischen all den Brünetten.