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Rapper Tommy Vercetti (links) und die Poprocker von Dada Ante Portas.
Legende: Mit cleveren Strategien auf Platz 1 der Albumcharts: Der Berner Rapper Tommy Vercetti (links) und die Luzerner Poprocker Dada Ante Portas. Bilder PD
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Hitparade Clevere Strategien: Drei Wege an die Spitze der Albumcharts

Diesen Herbst schafften es neue Schweizer Alben von Dada Ante Portas und Tommy Vercetti an die Spitze der Schweizer Albumcharts. Der Erfolg war keineswegs unverdient, aber dass sie Nummer-1-Platzierungen erzielten, war doch überraschend. Wir fragten nach und erhielten Tipps zum Hitparaden-Erfolg.

Hier soll es nicht um Album-Charts-Platzierungen von kommerziellen Überfliegern wie Büetzer Buebe, Stephan Eicher oder Patent Ochsner gehen. Uns interessiert, wie zwar solide, aber nur mittelbekannte Acts in letzter Zeit vermehrt auf den Spitzenplatz stürmen.

Wir untersuchen dies am Beispiel des Berner Rappers Tommy Vercetti und der Luzerner Pop-Rock-Band Dada Ante Portas. Vercetti setzte erfolgreich auf eine Anti-Streaming-Strategie, Dada auf persönlichen Vorverkauf. Und beide Acts landeten auf Platz 1 der Albumcharts. Das macht neugierig. Wie haben sie es genau gemacht? Hier sind drei Strategien zum Charterfolg:

Strategie #1: Die exklusive Vorverkaufsliste

Dass Dada Ante Portas 23 Jahre nach ihrer Gründung auf dem Siegerpodest der Albumcharts landen, haben nicht mal sie selbst erwartet. Ihr Plan ging auf.

«Wir legten an einem grossen Konzert vor dem Albumrelease Karten auf, die man ausfüllen und damit das Album vorbestellen konnte. Daraus machten wir eine Liste und schickten sie dann an den Online-Händler cede.ch, der den Versand für uns erledigte», sagt Sänger Pee Wirz.

So konnten Dada Ante Portas viele Konzertbesucher persönlich abholen beziehungsweise zum Kauf bewegen, die ihr Album sonst vielleicht gar nicht gekauft hätten.

Ein legitimer Weg. «Dieses Vorverkaufssystem hat in den letzten Jahren bestimmt zugenommen, weil es sich auch rumgesprochen hat», sagt Dominik Seelos von cede.ch und fügt an, dass sie auch nicht der einzige Vertrieb seien, die diese Dienstleistung ohne Aufpreis für alle Acts anbieten, die das wünschen.

Fazit: Vorverkauf ankurbeln, Listen erstellen, Vertrieb beauftragen, in die Charts einsteigen.

Dada Ante Portas - Hush

Dada Ante Portas - Hush

Platz 1 der CH-Albumcharts in der Woche vom 20.10.2019

Strategie #2: Das perfekte Timing

«Das funktioniert manchmal gut. Manchmal auch gar nicht. Bei Dada hat das jetzt aber sehr gut funktioniert», sagt Andy Renggli von der GfK, der Organisation, welche die Zahlen für die Schweizer Hitparade erhebt.

Und Renggli unterstreicht weiter, dass es extrem unterschiedlich sei, wie viele Alben man verkaufen müsse, um auf dem Spitzenplatz der Albumcharts zu landen. Deshalb wolle er auch keine Zahlen nennen. Aber «in einer guten Woche sind es tausende Verkäufe, in einer schwachen Woche können auch weniger für den Spitzenplatz reichen.»

Darin liegt die Quintessenz der zweiten Strategie vergraben. Wer weise plant, die Vorankündigungen der grossen Major-Musiklabels durchgeht und seinen eigenen Veröffentlichungstermin dann in einer Woche ansetzt, in der die Konkurrenz so klein wie möglich ist, hat gute oder zumindest bessere Chancen, um in die Ränge zu kommen.

Fazit: Mit etwas Planungsgeschick und Glück die konkurrenzärmste Veröffentlichungswoche wählen.

Tommy Vercetti - No 3 Nächt bis Morn

 Tommy Vercetti - No 3 Nächt bis Morn

Platz 1 der CH-Albumcharts in der Woche vom 06.10.2019

Strategie #3: Sich bewusst gegen Streaming entscheiden

Die spannendste Strategie wählte der Berner Rapper Tommy Vercetti. Er hat sich vor dem Release bewusst gegen Streamingdienste wie Spotify entschieden und auf eine schön gestaltete Vinyl- und CD-Auflage sowie bezahlten Download gesetzt. Vor allem, weil sich Streaming für ihn nicht auszahle – «und klar denkt man mit, dass man ohne Streaming vielleicht auch besser aufgestellt ist für eine Charts-Platzierung», so Vercetti.

Die Strategie hat allerdings einen Haken: Wer das Album nicht kauft, kriegt es auch nicht zu hören. Nicht zuletzt deshalb ist bei diesem Plan Vorsicht geboten. Bei Vercetti ging er auf, weil er eine stabile Fanbase hat. «Hinzu kommt, dass ich seit neun Jahren kein Soloalbum mehr rausgebracht habe. Deshalb konnte ich auch damit rechnen, dass mein Album gekauft wird.»

Dass er damit aber auf dem Spitzenplatz landete, habe ihn doch überrascht. Nicht aber, dass er den Lausanner Rapper Stress in den Albumcharts abhängte. «Dass er hinter mir war, liegt daran, dass sein Album auf Spotify ist und meins nicht», ist sich Vercetti sicher.

Fazit: Wenn die Fanbase stimmt, eher auf physischen Verkauf setzen als auf Streaming.

Die offiziellen Schweizer Single-Charts hörst du jeden Sonntag von 12 bis 16 Uhr auf SRF 3. Michel Birri präsentiert dir die Top 50 in der SRF 3 Hitparade.

2 Kommentare

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  • Kommentar von Egon Egici  (egiciegon)
    Bemerkenswert wäre auch noch die Strategie von Faber, die ihn immerhin auf Platz 2 der CH Charts und auf Platz 3 in Deutschland (!) gebracht hat: für eine Release Tour in kleinen Lokalen in +/- 20 Städten gab es nur Tickets, wenn man das Album vorbestellte (Package, Vinyl, CD u. Ticket). Tour ausverkauft, Charterfolg sicher gestellt.
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    1. Antwort von Claudio Landolt, SRF 3 (SRF)
      @Egon Egici Lieber Egon. Danke für Deinen Kommentar. Stimmt, auch Faber hätte man erwähnen können. Ich habe aus zwei Gründen darauf verzichtet: Zum Einen ging es mir in dem Artikel explizit um Nummer-1-Platzierungen. Zum Anderen interpretiere ich Fabers Strategie in Bezug auf das Schweizer Hitparaden-Reglement als mögliches Bundle (siehe Hitparaden-Reglement, Ausführungsbestimmung 3b). Bundles werden gemäss Hitparaden-Reglement nicht berücksichtigt. Dies nur, um meine Entscheidung offenzulegen, weshalb ich Faber da nicht reingenommen habe. Aber jetzt ist er ja trotzdem irgendwie drin :-). Herzlich, Claudio
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