Mando Diao auf dem Weg in eine ungewisse Zukunft

In den 00er-Jahren waren sie eine der erfolgreichsten Rockbands Europas. Nach ihren grössten Erfolgen im Jahr 2009 ging es mit den Schweden aber stetig bergab. Dennoch steht ab heute mit «Good Times» das mittlerweile siebte Mando-Diao-Album in den Regalen. Und wir werden nicht ganz schlau daraus.

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Mando Diao «Money» – SRF 3 Live Session

2:48 min, vom 11.5.2017

Nach ihrem kommerziell erfolgreichsten Song «Dance With Somebody» und ihrem Nummer-eins-Album «Give Me Fire» schienen Mando Diao die Kurve nicht mehr zu kriegen. Es folgten Ausflüge der Masterminds Björn Dixgård und Gustaf Norén zu Nebenprojekten (Caligola). Mit «Infruset» ein schwedisches Album, das kaum Beachtung fand. Und mit «Ælita» ein Synthpop-Album, das bei Fans mässig ankam. Kontinuierlich verliessen langjährige Mitglieder die Band. Mit Gustaf Norén im Juni 2015 das Gewichtigste.

Böse Zungen prophezeiten der Band damals das Ende. Denn: Mando Diao, das sind Björn Dixgård und Gustaf Norén. Sie haben die grossen Songs geschrieben und gesungen. Wenn eine Hälfte dieses Duos fehlt, ist die Chemie nicht mehr dieselbe und es fehlen Ideen.

Neues Album auch ohne Gustaf

Drei Jahre nach «Ælita» steht mit «Good Times» nun doch ein neues Mando-Diao-Album ins Haus. Songs wie «Dancing All The Way To Hell», «Watch Me Now» oder die Single «Shake» zeigen, dass sie immer noch wissen, was bei den Leuten ankommt.

Doch sind diese Songs lange nicht mehr so eingängig und mitreissend, wie zu ihren besten Zeiten. Gerade Songs wie der Opener «Break Us» und «Hit Me With A Bottle» wissen zu gefallen. Die Stücke bestehen jedoch nur aus Gitarre und Gesang.

Und da kratzt man sich schon ein wenig am Kopf, wenn genau die Lagerfeuersongs auf einem Mando-Album herausstechen. Denn: Mando Diao stehen vor allem für tanzbare, wuchtige Gitarrenmusik. Es sind allerdings diese beiden Stücke, in denen Björn Dixgårds nach wie vor grandioser und leidenschaftlicher Gesang am besten zur Geltung kommt.

Gentlemen, wohin des Weges?

Von einem gescheiterten Neuanfang zu reden wäre falsch. «Good Times» ist eine solide Platte, die den Fans wieder mehr gefallen wird, als der Synthpop-Ausflug von 2014.

Aber: Die grösste Schwäche dieses Albums sind die vielen musikalischen Einflüsse: Indierock, Disco, Folk, Soul, Dreampop, Chanson, Funk, Elektro etc. Da fragt man sich schon irgendwann: Jungs, was wollt ihr genau?
Und diese musikalische Unentschlossenheit kann man auf zwei Arten interpretieren:

  1. Mando Diao sind gerade auf der Suche nach einer neuen Identität bzw. nach einem neuen Sound. «Good Times» ist ein Teil dieses Findungsprozesses und damit ein Schritt in eine «Mando-Diao-Zukunft».
  2. Die Luft ist wirklich bald draussen und die Band musste, ungeachtet jeglicher Genregrenzen, jede halbwegs brauchbare Songidee zusammenkratzen, um noch ein letztes Album hinzubiegen.

«Good Times» ist ab dem 12. Mai 2017 erhältlich. Zudem sind Mando Diao diesen Sommer live zu sehen am 25. August am «Sounds Of Glarus» und am 26. August am «Pilatus on the Rocks».