Am Greenfield sind die Männer die Diven

Wer denkt ein schwarzes Shirt und eine abgetragene Hose reiche dem Greenfield-Besucher als Festival-Look, irrt sich gewaltig. Männer führen ihre Metal-Garderoben beinahe divenhaft spazieren und plustern sich genüsslich auf.

Fast fühlt man sich im Tierreich beim Gang übers Gelände des Greenfield-Festivals in Interlaken. Ich denke zurück an ornithologische Familienausflüge aus meiner Kindheit. So wie wir damals männlichen Federschmuck bewundert haben, staune ich hier über die zur Schau gestellte Eitelkeit der Metal-Erpel. Wahre Kerle? Oh ja. Denn es braucht doch nett Platz in der Hose, um als Mann für sein Aussehen und Auftreten so viel Aufwand zu betreiben.

Mehr als Metal-Karneval

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Autor: Gregi Sigrist

Autor: Gregi Sigrist

Gregi Sigrist ist Musikjournalist der Fachredaktion Musik Pop/Rock von Schweizer Radio und Fernsehen. Im Musik-Blog schaut er auf, unter und hinter aktuelle Musikthemen und ihre Nebengeräusche.

Es ist mehr als «Verkleiderlis» spielen, wenn sich Männer für das lauteste Festival der Schweiz aufbrezeln. Sie spielen keine fremden Rollen. Sie leben ihre Rollen. Rocker eben. Vielleicht bietet ein solches Festival ganz einfach den perfekten Rahmen, um dies ein bisschen konsequenter oder gar explizit zu tun. Auf alle Fälle gehört der Laufsteg am Greenfield eher den Männern als den Frauen.

Und ja, natürlich gibt es auch den Typen im rosa Hasenkostüm oder mit Plüsch-Henne auf dem Kopf. Da sind wir dann schon eher in der Region der klassischen «Verkleiderlis-Kiste». Das nehme ich zumindest an.

Individualität ist alles

Wer sich für sein Styling richtig ins Zeug wirft, legt grossen Wert auf Einzigartigkeit. Es geht darum eine Facette von sich ausführlich darzustellen und dabei durchaus ins Extreme zu gehen. Vielleicht möchten sie sich von der Masse abheben. Vielleicht geniessen sie aber auch einfach den Moment, an einem Ort zu sein, an welchem alle anderen auch ein bisschen anders gleich (oder gleich anders?) sind, wie sie selbst.