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Musik-Blog Der Rock’n’Roll wohnt in Basel

1000 Kilometer weit fahren, um vor ein paar Nasen für eine miese Gage ein Konzert zu spielen, erfordert Leidenschaft. Der Dok-Film «Tony, You Rock» porträtiert den 63-jährigen Frontmann der Lombego Surfers, der seit 30 Jahren ein Leben führt, welchem rational denkende Menschen lieber ausweichen.

Was für Anthony Thomas Tour-Alltag ist, sind genau die Szenen, welche viele dazu bewegten, den Musikertraum an den Nagel zu hängen. Sein bedingungsloses Festhalten an dem für ihn offenbar einzig möglichen Lebensweg verdient daher grössten Respekt.

Richtiger Film

Meine Freude war gross, als ich den Trailer zum Film «Tony, You Rock» sah. Es ist unglaublich richtig und gut, dass solche Filme gemacht werden. Genau das brauchen Bands wie die Basler Garagen-Rocker Lombego Surfers. Sie brauchen Leute wie den Basler Fotografen und Filmemacher Matthias Willi. Sie brauchen Leute, die die Geschichten von Bands verbreiten, die sonst unerzählt bleiben.

Wichtiger Film

Ein Film wie «Tony, You Rock» entsteht, wenn der Leidensdruck einer Band wächst und dies erkannt wird. Es sind Fans, die solche Filme drehen. Fans, die der Überzeugung sind, dass sie den Bands eine Plattform bieten können. So wie das der Regisseur Sacha Gervasi mit dem Film «Anvil! The Story Of Anvil» getan hat. Schonungslos und mit viel Gespür portraitierte Gervasi 2008 die chronisch erfolglose Metal-Band Anvil. Resultat: Ein rührender Film über das Scheitern und das unverhandelbare Träumen und Streben nach einem unerreichten Lebensziel.

Nichtiger Film

Leider schafft es «Tony, You Rock» nicht, uns eine richtig gute Geschichte einer richtig guten Band zu erzählen. Um ein grösseres Publikum anzusprechen, fehlt dem Werk der Bogen und die Dynamik. Zudem geizt er förmlich mit biographischen Details und Einblicken ins Privatleben des Protagonisten. Wie gewollt man sich hier in Zurückhaltung übte, beantworteten Anthony Thomas und Matthias Willi am 9. November im Rock Special auf SRF 3.

Mit oder ohne «Tony, You Rock» bleibt aber gewiss: Dieser Mann lebt den Rock’n’Roll. Dabei geht er keine Kompromisse ein. Ihm scheint keine Bühne und kein Publikum zu klein, um alles, was er an Energie zur Verfügung hat, in seine Songs zu stecken. Daher endet dieser Text mit sieben hochverdienten Buchstaben: R.E.S.P.E.K.T!

Autor: Gregi Sigrist

Autor: Gregi Sigrist

Gregi Sigrist ist Musikjournalist der Fachredaktion Musik Pop/Rock von Schweizer Radio und Fernsehen. Im Musik-Blog schaut er auf, unter und hinter aktuelle Musikthemen und ihre Nebengeräusche.