Albumkritk
«Miss Adele Adkins. For services to music.» Diese Worte sagte der Sprecher, als Prince Charles Adele den königlichen Verdienstorden verlieh und sie zum «Member of the Order of the British Empire» machte.
Kraft und Schönheit
For services to music. Für Dienste an der Musik. Das ist äusserst zutreffend: Adele erweist der Musik beträchtliche Dienste. Musikalische zum Einen - hervorragende Songs und Gesangs-Performances, die an Kraft und Schönheit ihresgleichen suchen - aber zum Anderen auch ideelle: Mit ihrer Persönlichkeit und ihrem öffentlichen Auftreten setzt sie Massstäbe, was die Selbstinszenierung von Musikerinnen und Musikern betrifft.
Kaum ein Popstar geht so stilvoll mit dem Ruhm um wie Adele. Skandalfrei. Vollständig bekleidet. Mit Worten statt mit Fotos.
Es geht um die Musik
Man kann das langweilig finden – oder auch reif. Man kann sie brav finden - oder anerkennen, dass sie nie aus den Augen verliert, worum es auch im Popzirkus eigentlich geht oder gehen sollte: Um die Musik. Um den Song, nicht den Sänger oder die Sängerin. Um das Gefühl, den Ausdruck, den man in eine Performance legt, nicht um Bühneneffekte. Daran erinnert Adele jeden, der ihr zuhört oder zusieht. Das ist ihr Dienst an der Musik.
Ergreifend und glaubwürdig
Sie erreicht mit ihren Songs auch Leute, die sich sonst kaum für Musik interessieren, ohne den Respekt der Musikfanatiker und der Kritiker zu verlieren.Gerade weil sie ihre Inhalte so schlicht herüberbringt: Persönliche, emotionale Worte, verpackt in ergreifende Strophen und Refrains. Glaubwürdig verarbeitete Erfahrungen, die zu Kunst werden. Zu Kunst, die jeder versteht. Ohne künstlich emporgeschraubten Anspruch oder forcierte Originalität. Ohne Snobbismus, aber mit jeder Menge Klasse.
Stark und zerbrechlich
Wenn Adele auf der Bühne steht, ist sie souverän gerade durch ihre Verletzlichkeit: Als sie 2012 auf der Bühne in der Royal Albert Hall weinte , am Ende ihres grossen Trennungs-Songs «Someone Like You», zeigte sie sich zerbrechlich und zugleich stark. Stark genug, um diese Verletzlichkeit zuzulassen. Souverän genug, um ihre Gefühle preiszugeben. Und leidenschaftlich genug als Musikerin, um sich kompromisslos in ihrem Song zu offenbaren statt ihn mit einer sicheren inneren Distanz darzubieten.
Sie liefert sich ihrer Musik aus, statt sie nur zu bewirtschaften. Das ist Adeles Dienst an der Musik, und das macht sie – im wahrsten Sinne des Wortes – adelig.
Am 17. Mai 2016 gibt Adele ihr erstes Konzert in der Deutschschweiz. Die Tickets für das Zürcher Hallenstadion waren nach 3 Minuten weg – und trotz des Zusatztermins am 18.5. gehen immer noch viele, viele Fans leer aus.
Für alle, die Adele live verpassen, haben wir hier ein paar Video-Highlights des Superstars rausgesucht.