Zum Inhalt springen

Header

Sophie Hunger spielte ihr Album "Halluzinationen" im Studio live ein.
Legende: Sophie Hunger spielte ihr Album "Halluzinationen" im Studio live ein. Sophie Hunger
Inhalt

Musik-Blog Das ist Sophie Hungers bestes Album

Mit «Halluzinationen» veröffentlicht Sophie Hunger das siebte Solo-Album. Ihr bisher bestes. Nie zuvor war die Musikerin so gelöst und dringlich zugleich. Das Risiko, welches sie mit ihrer neusten Produktion eingegangen ist, ist mitverantwortlich für das packende Resultat.

Als «volles Risiko» bezeichnet Sophie Hunger die Produktion ihres neuen Albums. Damit spricht sie die Bedingungen an, welche sie für die Aufnahmen von «Halluzinationen» gewählt hat.

Gregi Sigrist

Gregi Sigrist

Musikjournalist für Pop/Rock von Schweizer Radio und Fernsehen

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Im Musik-Blog schaut er auf, unter und hinter aktuelle Musikthemen und ihre Nebengeräusche.

Zu seinen Musik-Blogs

Nicht irgendwie und nicht irgendwo

An zwei aufeinanderfolgenden Tagen spielte Sophie Hunger mit ihrer Band das neue Album ein. Die ganze Band zusammen. Nicht Spur für Spur. Nicht Song für Song. «Halluzinationen» wurde als ganzes Album am Stück eingespielt. Insgesamt sechsmal. Dreimal pro Studiotag.

Dies tat sie in den legendären Abbey Road Studios in London. «Wenn schon sterben, dann in Schönheit», gibt Hunger zu Protokoll und unterstreicht damit, dass sie sich hier einen Musikerinnen-Traum erfüllt hat. Schliesslich sprechen wir von den Aufnahme-Räumen, in welchen u.a. die Beatles Pop-Geschichte auf Band brachten.

Was ist daran so gut?

Es geht um Energie. Die Songs auf «Halluzinationen» sind wie unverhoffte Dates, bei denen nicht alles perfekt läuft und die gerade deswegen unendlich viel Charme versprühen. Hier wurde nicht konstruiert und optimiert. Hier wurde Musik gemacht. Hier wurde auf dem Seil getanzt. Ohne Fallnetz. Das hört und fühlt man.

Für Suppenhaar-Sucher mag «Halluzinationen» eine Weide sein. Um an dieser Disziplin Spass zu haben, muss man sich allerdings jegliche Liebe für kraftvolle Pop-Songs operativ entfernen lassen. Hungers Band spielt auf allerhöchstem Niveau und erzeugt auf diesen Aufnahmen eine Nähe, welche man sonst nur vom erstklassigen Live-Betrieb einer brillanten Band kennt.

Und die Songs?

«Halluzinationen» ist ein Grossstadt-Album. Entstanden in Hungers Berliner Wohnung. Es strotzt vor Urbanität und illustriert verschiedenste Krautrock- und Electro-Pop-Kapitel der letzten gut 50 Jahre. Immer wieder suchen die Songs das Zusammenspiel von akustischen und elektronischen Tonquellen, welche im besten Fall zu einem warmen Klangbild verschmelzen.

Textlich bleibt Sophie Hunger irgendwo zwischen der Geschichtenerzählerin in klassischer Singer-Songwriter-Manier und abstrakten Gedankenspielen, mit welchen sie durch Perspektivenwechsel andere Welten erschafft.

Ein Album für die Schlaufe

Für mich ist «Halluzinationen» das bisher beste Sophie Hunger-Album. Ganz sicher ist es ihr reifstes. Und ein unglaublich verspieltes Werk. Wer auf komplett durchgestylte und bis ans Limit geschliffene Pop-Produktionen steht, wird mit diesem Album nicht glücklich. «Halluzinationen» ist ein organisches Popmusik-Abenteuer, auf welches man sich gerne mehrfach einlässt, weil es mit jedem Mal hören wächst.

«Halluzinationen» erscheint am 4. September 2020

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

1 Kommentar

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Wir haben Ihren Kommentar erhalten und werden ihn nach Prüfung freischalten.

Einen Kommentar schreiben

verfügbar sind noch 500 Zeichen

Mit dem Absenden dieses Kommentars stimme ich der Netiquette von srf.ch zu.

Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.

  • Kommentar von Adrian Zuckermann  (azu)
    Eeeeeendlich... "DAW-Grid" freie Musik! Ahh, tut das meinen Ohren gut! Schön ist es endlich in der CH-Musik angekommen. Nichts gegen DAW`s: Ich behaupte ja, das die Kälte in der heutigen Musik nicht per se mit Analog-Digital zu tun hat, sonder genau damit das jeder Fehler korrigiert, jede Tempo Schwankung ausgebügelt... und von Autotune... würg! Im Englischen haben wir ja den Begriff "Music ruined by the Grid". Danke an Frau Hunger! Wäre schön wen das Schule machen würde. Toll!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten