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Der zurzeit angesagteste und erfolgreichste deutsche Rapper Capital Bra.
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Musik-Blog Ich hasse Capital Bra nicht!

In letzter Zeit musste ich mich sehr viel erklären. Dabei ging es um zwei meiner Texte und um eine Person: Capital Bra. Darauf hörte ich Sätze wie: «Danke für diesen Blog – ich hasse den Typen auch». Und immer wieder war der Anfang meiner Reaktion: «Ich hasse Capital Bra nicht ...».

Wer Fragen zur Wirkung oder Auswirkung, zum Umgang und der Relevanz des aktuellen deutschen Strassenraps hat – und diese auch stellt – kann sich seiner Feinde sicher sein. Die Szene mag keine Fragen. Sie besteht aus Antworten. Das lustvolle und selbstironische Spiel des Angebertums, welches wir aus anderen Rap-Subgenres kennen, greift beim Strassenrap kaum noch. Das grosse Business, das hier dahinter steckt, hat seinen Protagonisten das zuckende Lächeln in den Mundwinkeln rabiat entfernt.

Gregi Sigrist

Gregi Sigrist

Musikjournalist für Pop/Rock von Schweizer Radio und Fernsehen

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Im Musik-Blog schaut er auf, unter und hinter aktuelle Musikthemen und ihre Nebengeräusche.

Zu seinen Musik-Blogs

Reflektiert wie Bush und Trump

Wer sich kritisch über Battle- oder Strassen-Rap äussert, wird im Normalfall schnell zurechtgewiesen. Mehr als Floskeln und Angriffe wie «Du hast einfach keine Ahnung» oder «Du bist eben ein Bünzli» oder «Du checkst den Sarkasmus einfach nicht» kriegt man selten zu hören. Kein Wunder. Das Genre scheint mir etwa so verunsichert, wie George W. Bush damals oder Donald Trump heute und schreit deshalb ähnlichen Quatsch in die Gegend wie «Du bist entweder für oder gegen uns», oder man zieht das selbstgemalte Poker-Ass auf welchem «Lügenpresse» steht.

Kritik ist unerwünscht

Nach dem unglücklichen Auftritt von Capital Bra am Openair Gampel spielten sich absurde Szenen ab. Aufgrund meines Blogs entzog uns das Management des Rappers die Übertragungsrechte und drohte SRF mit rechtlichen Schritten, sollte es zu weiteren «negativen Äusserungen» in Bezug auf Capital Bra kommen.

Eine solche Reaktion zeigt eindrücklich, wie in diesen Kreisen gearbeitet wird. Leicht totalitär. Was irgendwie auch verständlich ist. Denn: Reflektierte Debatten über Capital Bra und seine Kunst helfen der Durchlauferhitzer-Technik dieses Pop-Phänomens natürlich nicht.

Capital Bra kann man nicht ignorieren

Trotzdem interessiert mich Capital Bra. Nicht weil ich das Gefühl erleben will, welches Millionen von Kindern, Teenagern und jungen Erwachsenen durch die Musik von Capital Bra erleben. Ich möchte aber gerne wissen, wieso ihnen diese Musik und dieser Künstler dermassen viel bedeutet. Und wieso möchte ich das? Weil Popstars wie Capital Bra einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf unsere Gesellschaft haben.

Es ist der gesellschaftliche Aspekt, der mich Sätze sagen lässt wie: «Capital Bra ist relevant. Verteufelt ihn nicht. Befasst euch damit. Der hat etwas und es sollte uns interessieren, was es ist».

Der begehrte Schokoriegel

Schliesslich ist Capital Bra momentan einer der meistkonsumierten Schokoriegel der kommerziellen Pop-Welt. Ed Sheeran ist das auch. Doch da stellen sich weniger Fragen. Sheeran ist harmlos. In jeglicher Hinsicht. Ausserdem hat er Humor, Selbstironie und kein Problem damit, wenn sich jemand mit ihm und seiner Kunst kritisch auseinandersetzt. Der Typ besitzt nicht einmal ein Handy und weiss, dass der Kern seines Schaffens auf organischen Werten beruht.

Capital Bras Karriere ist auf einem ganz anderen Fundament aufgebaut. Eine aus meiner Sicht eher unsichere Grundlage. Bestehend aus Social-Media-Penetration, Provokation und dem Trittbrett des Zeitgeistes. Aber das ist nur meine, ganz sicher eingeschränkte, Sicht des Phänomens Capital Bra.

Was bleibt sind die Fragen

Das ist mein dritter Blog zum Thema Capital Bra. Er ist entstanden, weil ich es verheerend finde, was sich nach meinen ersten beiden Texten in den Kommentarspalten abgespielt hat. Das Schwarz-Weiss-Denken, welches dieser Name auslöst, stimmt mich nachdenklich.

Wieso kann man über Capital Bra nicht schreiben, ohne ziemlich übel angegriffen zu werden – oder ohne, dass Capital Bra pauschal verurteilt wird? Wo sind bei dieser Debatte die Zwischentöne? Wo sind die Fans, die sich kritisch mit dem Werk dieses Künstlers auseinandersetzen? Wo sind die Kritiker, die akzeptieren, dass dieser Künstler relevanter ist, als sie es gerne hätten?

Wenn ein 20-Jähriger schreibt, es sei ihm egal, was ich denke, dann ist das für mich völlig in Ordnung. Wenn aber ältere Semester schreiben, dass die heutige Jugend einfach vertrottelt sei, bringt mich das einigermassen in Rage. Schliesslich war, ist und bleibt Jugendkultur immer eine Reaktion auf die Welt, die vorangegangene Generationen aufgebaut und kultiviert haben.

Und deshalb sollte es uns brennend interessieren, wieso und wie eine ganze Reihe apolitisch scheinende Figuren eine nächste Generation partiell sozialisieren.

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Lilian Albis  (...)
    So. Gregi, du hast es geschafft. Auch ich werde nach dem dritten Blog zum Thema, doch tatsächlich mal Capital Bra hören. Ehrlich gesagt, hätte ich nicht mal gewusst, dass er der zurzeit grösste deutsche "Gangsta-Rapper" ist...
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    1. Antwort von Gregi Sigrist (SRF)
      Das klingt fast, als ob ich mich dafür entschuldigen müsste. Falls dem so ist: SORRY! ;-) Und sonst: Es tut wahrscheinlich nur ein bisschen weh ... - Ok. Ernsthaft: Ich bin immer wieder erstaunt, wie etwas so gross sein kann - und doch an vielen Leuten vorbeigeht. Es kommt sehr auf die Bubble an - und ja - ich glaube ab einem gewissen Alter begegnet man Capital Bra nicht automatisch. Da "muss" man hin und sich das aktiv anhören. Wie viele Tracks hast du geschafft? ;-) lg Gregi
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  • Kommentar von Jardi Nain  (Zwergli13)
    Ich habe mir die Capital Bra nach deinem ersten Blogbeitrag angehört und auch ich versteh den Hype nicht wirklich und die Humorlosigkeit des Millieus finde ich ehrlich gesagt etwas verstörend.
    Loredana geht für mich ins gleiche Kapitel.
    Aber hey ich wurde in der Primarschule (!) vor die Tür gestellt weil ich im Handarbeitsunterricht lauthals „Skandal im Sperrbezirk“ gesungen hatte. Heute lockt das keinen mehr hinterm Ofen hervor, irgendwie muss die Jugend sich ja abgrenzen.
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  • Kommentar von Neo Stu  (Loe25)
    Ig ha au dini biiträg gläsä.näbscht däm das du super schriebsch hets mi agreggt dä herr mau z lose.es isch nid mi gschmack u ha äuä mitem eint u angere mühe.verstah de hyp nid ganz muessi aber ou nid.ig frag mi eh wiemer öper cha hasse womer gahr nid kennt. aber de missgunscht isch e wiet verbreitet.. genau so isches ja nüd nöis das fan gmeinschaft sech gegesitig fertig mache... vilicht bini z aut das i das eh nid begriffe... evt wiu ig no nie vo öbiswm mega fan gsi bi..merci für dini blogs...
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    1. Antwort von Gregi Sigrist (SRF)
      Lieber Neo. DANKE! Wenn ich einen solchen Kommentar lese, ist das ist etwas vom Schönsten, was ich mir als Reaktion auf meine Arbeit vorstellen kann. Da hat sich jemand Zeit genommen für das Thema und sich dazu ein paar Gedanken gemacht. lg Gregi
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