Was macht die Briten in den USA so erfolgreich?

Den US-Markt knacken - das ist das erklärte Ziel von Musikern mit internationalen Ambitionen. Am Schluss sind es aber immer wieder die Briten, die das schaffen. Für den momentanen Erfolg stehen Namen wie Adele oder Ed Sheeran. Die ganze Erfolgsgeschichte hat aber viel mit den Beatles zu tun.

Mitschuldig am Grosserfolg von britischen Künstlern in den USA: Adele (Grammy Awards 2017) Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Mitschuldig am Grosserfolg von britischen Künstlern in den USA: Adele, hier an den Grammy Awards 2017. Keystone

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Autor: Gregi Sigrist

Autor: Gregi Sigrist

Gregi Sigrist ist Musikjournalist der Fachredaktion Musik Pop/Rock von Schweizer Radio und Fernsehen. Im Musik-Blog schaut er auf, unter und hinter aktuelle Musikthemen und ihre Nebengeräusche.

In den USA werden pro Jahr noch rund 200 Millionen Alben verkauft. Davon kommt fast jedes sechste Album von britischen Künstlerinnen und Künstlern. Britische Musik ist in Amerika erfolgreicher denn je.

Dies unterstrich Adele kürzlich an den Grammy-Awards, als sie mit sagenhaften fünf Grammys ausgezeichnet wurde. Ebenfalls fünfmal wurde der verstorbene David Bowie, ebenfalls Brite, ausgezeichnet.

Die Beatles und die «British Invasion»

Bevor die Beatles 1964 Amerika in Ekstase versetzten und die sogenannte «British Invasion» einläuteten, spielten Bands aus England keine grosse Rolle in den US-Charts.

Nach den Beatles kamen die Stones, The Kinks und The Who und forderten Elvis, Dylan und Cash heraus. Nach anfänglicher Verunsicherung auf amerikanischer Seite entstand ein reger Austausch der Kulturen.

Immer diese Briten

Der Grundstein, den die Beatles im amerikanischen Musikmarkt setzten, war wichtig für die späteren Erfolge von Bands wie den Bee Gees, Cream oder Pink Floyd. In den 80ern profitierten unter anderem Human League, Duran Duran oder Tears for Fears vom selbstverständlich gewordenen Selbstvertrauen der Briten auf dem US-Markt. Heute heissen die Gallionsfiguren Adele, Ed Sheeran oder One Direction.

Immer dieser Ehrgeiz

Amerika gibt es nicht umsonst. Bei den Beatles war die Eroberung des amerikanischen Markts zwar eher eine Mischung aus Glück und dem sogenannten «zur richtigen Zeit am richtigen Ort» sein.

Ihr Auftritt in der Ed Sullivan-Show wurde von mehr als 70 Millionen Amerikanern verfolgt. Andere hatten mehr zu beissen. Pink Floyd z.B. mussten zuerst herausfinden, dass man amerikanische Radiostationen bestechen musste (Payola), um gespielt zu werden.

Die Ambition von britischen Bands war ausserdem stets, «es zu schaffen» und nicht «es zu versuchen». Die USA sind bis heute der grösste Musikmarkt der Welt. England, eine der wichtigsten Pop-Nationen, wird stets den Anspruch haben, ein Stück dieses Kuchens zu kriegen. Schliesslich haben sie sich von der amerikanischen Musik nicht nur beeinflussen lassen. Sie haben die amerikanische Pop-Musik auch stark mitgeprägt und sind somit eigentlich ein Teil davon.

Immer dieses ABER

Eine definitive Rezeptur, wie eine britische Band zu klingen, auszusehen und zu sein hat, um auf dem amerikanischen Markt zu bestehen, gibt es nicht. Theorien, die besagen, dass eine britische Band nicht zu britisch sein darf, um in den USA erfolgreich zu sein, betrachte ich als Unfug.

Während Coldplay als eher wenig typische Briten in Amerika durchstarteten, schafften das Oasis, als fast schon klischiert britische Band, ebenso. Robbie Williams wiederum hat den Durchbruch in den USA nie geschafft. «Viel zu anstrengend» gab er vor ein paar Jahren zu Protokoll.

Ja. Amerika lässt sich nicht einfach erobern. Internet und Social Media bieten Musikerinnen und Musikern zwar neue Vermarktungsmöglichkeiten, machen die Arbeit aber nicht unbedingt einfacher. Wer ein Stück vom Kuchen will, muss mehr machen, als sich hinten anstellen und hoffen, dass ein Krümel übrig bleibt.

Die Briten, eigentlich sehr gut im Schlange stehen, stellen sich in diesem Fall nicht hinten an. Sie haben seit den 60er-Jahren nie mehr damit aufgehört, diesen Kuchen mitzubacken.