Woran starb Prince und wer kriegt die Millionen? EGAL!

Prince ist tot. Die Fans ohnmächtig. Die Presse stellt Fragen. Die Welt fordert Antworten. Zwei Fragen scheinen dabei zentral: Woran starb der amerikanische Superstar? Und: Wer kriegt das ganze Geld? Mir egal.

Prince Rogers Nelson (1958 – 2016) Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Prince Rogers Nelson (1958 – 2016) prince.org

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Autor: Gregi Sigrist

Autor: Gregi Sigrist

Gregi Sigrist ist Musikjournalist der Fachredaktion Musik Pop/Rock von Schweizer Radio und Fernsehen. Im Musik-Blog schaut er auf, unter und hinter aktuelle Musikthemen und ihre Nebengeräusche.

Nelken

Wie verarbeitet man den Tod eines grossen Popstars? Man hört seine Musik. Klar. Man liest Nachrufe, schaut sich alte Interviews an und verfolgt die aktuelle Meldungslage.

Im Fall des am 21. April verstorbenen Prince Rogers Nelson läuft die aktuelle Berichterstattung auf Hochtouren. Waren Drogen im Spiel? Die eigentliche Trauer wich, bereits kurz nach seinem Tod, immer mehr dem Trauerspiel um die Drogenfrage.

Welken

Was mich daran stört, ist das angeblich unbedingte öffentliche Interesse jeglicher Spekulationen und Fakten über Prince' Todesursache. Man scheint die Entlarvung des Superstars sichtlich zu geniessen. «Prince, der Junkie» schreit mir das Internet entgegen.

Natürlich haben die Fans, hat die Welt ein Recht darauf zu erfahren, woran Prince letztendlich gestorben ist. Mit der Verbreitung eines jeden Details der laufenden Untersuchungen wird die verstorbene Ikone jedoch respektlos ausgeleuchtet und durch den Dreck gezogen.

Prince hatte keine Sexsklavinnen im Keller. Er hat in seiner Freizeit nicht mit Panzerfäusten auf junge Kätzchen geschossen und hatte auch kein geheimes Atomwaffenlabor. Eventuell nahm er ein paar Substanzen zu sich, die nicht im Supermarkt erhältlich sind. Ich weiss nicht, was mich das angehen soll.

Umso mehr nervt mich, dass solche Meldungen grösser gefahren werden, als Berichte über sein musikalisches Werk. Auch wenn diese Titel und Artikel nicht die Macht besitzen, Prince’ Bühnenfigur im Nachhinein zum Welken zu bringen, finde ich die üppige Ausschlachtung eventueller Drogengeschichten äusserst fragwürdig.

Melken

Wo kein letzter Wille ist, ist eine Verwandtschaft. Prince’ Vermögen geht höchstwahrscheinlich an seine leibliche Schwester Tyka Nelson. Wir werden in den nächsten Tagen, Wochen, vielleicht Monaten noch genau darüber lesen können, ob das vollumfänglich so ist und was dieses Erbe alles beinhaltet und abwerfen kann. Ich weiss nicht, was mir egaler sein könnte.

Die für mich wirklich zentrale Frage ist: Was passiert mit den unzähligen Songs und Videos, die Prince produziert und bewusst nicht veröffentlicht hat? Die Gefahr ist gross, dass diese Tresortür geöffnet und der Welt zugänglich gemacht wird. Dabei verstehe ich natürlich den Wunsch eines jeden, diese Produktionen hören und sehen zu wollen. Aber ob dieses Material posthum Teil des öffentlichen Prince werden soll oder nicht – das weiss keiner. Und wenn, dann höchstens einer. Einer, der offenbar kein Testament hinterlassen hat.