Ode an die Langeweile

Wenn die Welt irgendwann untergeht, dann an der Langeweile. Kein Höllenfeuer, keine Flutwelle. Nein, wir gähnen uns zu Tode und lösen uns dabei irgendwann einfach auf. Gäähn! Puff! Und weg! Na und? Solange Father John Misty mit «Bored In The USA» den Soundtrack dazu liefert, lässt sich damit leben.

Father John Misty Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Father John Misty, der Vater der Langeweile. PD

Es passiert nicht das erste Mal: Irgendwann wird jedes Thema langweilig, scheint jedes Motiv ausgelutscht und platt, ist jede Melodie zu Tode gesungen, jeder Song gecovert und schlecht neu interpretiert.

Spätestens und meistens auch erst dann, wenn die grosse Seuche der Langeweile in der Popmusik umgeht, wird alles wieder etwas spannender. Denn, wenn sich Musiker nicht mehr nur mit eigenen Nöten, ihren gebrochenen Herzen, Helden- und Liebesgeschichten beschäftigen, sondern sich dem vielleicht wichtigsten Motiv der Neuzeit widmen: Der Langeweile.

Jüngster Täter: Der Amerikanische Musiker und Songwriter Father John Misty. Er besingt den Ennui in seinem Song «Bored in the USA». Sein zweites Album erscheint am Dienstag, 10.02.2015, trägt den Titel «I Love You Honeybear» und wird deshalb auch ausgiebig im Sounds! besprochen.

All dies ist Anlass genug für eine gemeinsame musiktherapeutische Reise ins Nirwana der Langeweile. Kopfhörer aufsetzen und bei Gelegenheit hinlegen.

Stufe 1: Bored in the USA von Father John Misty

Die Virologie unterscheidet zwischen Infektionen durch Viren, Bakterien, Pilzen und Parasiten. Alles Pipifax verglichen mit der viralen Langeweile, der Mutter aller Krankheiten. Sie nistet sich fiesestens in unserem Körper ein und versetzt in einen dürren Zustand des Halbschlafs. Wer sich mit Wirkungen und Nebenwirkungen von Drogen und einhergehenden «Cold Turkeys» auskennt, ist für einmal im Vorteil. Zeit für die nächste klingende Pille, verabreicht vom selbsternannten «Chairman of the Board».

Stufe 2: I’m Bored – Iggy Pop

Ziel dieser Therapie ist es, die Langeweile mit ihren eigenen Mitteln zu besiegen. Wir wollen uns so derb langweilen, bis die Langeweile ihrem Selbst weicht. An dieser Stelle sei auf Grundsätze aus dem alten Ägypten verwiesen: Ouroboros, die Schlange, die sich selbst in den Schwanz beisst. Lassen wir uns für die bevorstehende Stufe völlig gehen, wir verdrängen allen Handlungswillen und vergessen jegliche irdischen Dringlichkeiten.

Stufe 3: Stressin‘ – King Gizzard and the Wizard Lizard

Fühlen wir uns schon angenehm gelangweilt? Alles schön schlaff und müde? Dann sind wir schon fast geheilt. Das Credo dieser (zweitletzten) Stufe: Langweilen wir uns noch ein bisschen mehr und fallen schliesslich in einen schlafähnlichen Zustand. Auf Koffein- oder Kokaingenuss bitte verzichten und falls vorhanden, nehmen wir ein Fläschchen Baldriantropfen ein.

Stufe 4: The Beatles – I’m only Sleeping

Wir sind nun nur noch einen letzten Schritt vom Elysium der Langeweile entfernt. In wenigen Augenblicken sind wir bereit in die letzte Phase überzutreten. Dafür bedienen wir uns einem äusserlich total langweiligen Tongefüge. So langweilig, dass es im besten Fall die schlaffen Sinne aufrüttelt, die Langeweile unerträglich macht und sie vor sich selbst flüchtet.

Stufe 5: Brian Eno: Music for Airports

Herzlichen Glückwunsch. Wir sind nun am Ende der Therapie angelangt, haben uns im besten Fall dermassen gelangweilt, dass wir mit Freuden etwas Gutes dagegen tun müssen. Sollte das Gegenteil eingetreten sein, beginnen wir erneut mit der Therapiestufe 1 – Da capo.