«Nach meinem letzten Konzert in Zürich habe ich nur geweint»

Vier Jahre lang steckte der schwedische Songwriter Jens Lekman in einem tiefen Loch – sowohl musikalisch, als auch menschlich. Wie er den Weg aus diesem Loch gefunden hat, erzählt er im Interview bei «Sounds!».

Jens Lekman Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Deep Thinker Jens Lekman Carlos Molina

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Sounds!

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Wir spielen euch die Indie-Neuheiten und treffen Künstler zum Interview. Jeden Montag bis Freitag, 22-24 Uhr. Hier geht's zum «Sounds!»-Podcast. (Keine Angst, wir lachen auch ab und zu.)

Jens Lekmans letztes Album «I Know What Love Isn't» aus dem Jahr 2012 ist kein gutes Album – zumindest wenn es nach dem schwedischen Disco-Folker selbst geht.

Als wir ihn nämlich vor seinem Konzert im Zürcher Club Zukunft zum Interview treffen, erzählt uns Lekman gleich als erstes, was für negative Erinnerungen er an sein letztes Album und den dazugehörigen Zürich-Gig hat: «Ich habe mir die Setlist vom letzten Konzert angeschaut, das ich in Zürich gespielt habe – was gleichzeitig auch die letzte Show der damaligen Tour war. Nach diesem Konzert musste ich damals einfach nur weinen», erzählt uns der Schwede.

«  In mir herrschte das Gefühl der totalen Hoffnungslosigkeit. »

«In mir herrschte das Gefühl der totalen Hoffnungslosigkeit. Ich habe fünf Jahre lang an etwas gearbeitet, das sich als totales Fiasko herausgestellt hat», so Lekman weiter. «Alle haben das Album gehasst – und ich habe eine lange Tour gespielt, die absolut wertlos war.»

Die Zeit nach diesem Album gestaltete sich als schwierig. «Jedes Mal wenn ich einen neuen Song schreiben wollte, hörte ich diese Stimmen im Hinterkopf: Stimmen, die mir sagten, dass ich jetzt den besten Song aller Zeiten schreiben muss.»

«  Ich hatte Panikattacken beim Songs schreiben. »

Der mittlerweile 36-Jährige war psychisch am Ende: «Ich hatte Panikattacken beim Songs schreiben. Ich musste irgendwie einen Weg finden, um wieder Spass an der Musik zu finden.»

Die Lust am Musik machen wieder entdeckt

Den Spass an der Musik wiedergefunden hat Jens Lekman unter anderem dank einem ungewöhnlichen Projekt: Das ganze Jahr 2015 durch veröffentlichte er jede Woche eine sogenannte «Postcard». So nannte Lekman ganz simple Songs, arrangiert höchstens mit Gitarre oder Keyboard, in denen Lekman das Erlebte der vergangenen sieben Tagen in Songform Revue passieren liess.

Zwar kamen diese 52 Songs meistens ohne Refrains daher, trotzdem scheint diese «Back-to-Basics»-Herangehensweise den Schweden von sämtlichem Druck befreit zu haben. Sein Anfang dieses Jahres erschienene Album «Life Will See You Now» strotzt nämlich nur so vor Lebensfreude und Zuversicht.

«Ich glaube alle meine besten Songs fangen als Witz an. Sobald ich mir nämlich Gedanken darüber mache, wieso einige dieser Witze und deren Pointen in meinem Kopf hängen bleiben, weiss ich, dass an diesen Songs etwas dran sein muss», erklärt uns der Schwede seine Philosophie.

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