Sina legte mit dieser Schweizerdeutschen Interpretation des Liedes einen wichtigen Grundstein für ihre musikalische Karriere.
Der Sohn vom Pfarrer aus dem originalen englischen Liedtext kommt eigentlich aus Alabama und heisst Billy Ray. In Sinas schweizerdeutschen Coverversion «Där Sohn vom Pfarrär» hat Polo Hofer «Billy Ray» ganz schweizgetreu in «David» umgetextet.
Eine Schnapsidee von Polo Hofer
Aber von vorne: Sinas damaliger Produzent – und späterer Ehemann Markus Kühne – hörte im Jahr 1994 das englische Original am Radio und dachte: Der passt zur jungen Walliserin.
Ganz anders sah das Polo Hofer im ersten Moment, der für und mit Sina das Lied ins Walliserdeutsche übersetzte: Es sei künstlerischer Selbstmord, wenn Sina vor dem ersten eigenen Song oder Album so ein Lied veröffentlicht.
«Der Baptisten-Prediger hat Kinder, der katholische Pfarrer hat keine. Was so natürlich nicht stimmt. Aber im Normalfall zumindest», sagt die Sängerin im Interview. Der Skandal fürs katholische Wallis war vorprogrammiert.
Bei einem weinseligen Abend willigte Polo Hofer dann doch ein und übersetzte seine berndeutsche Version mit Sina in «ihre Sprache».
Heute ist das Lied für die Walliser Sängerin «ein Geschenk».
«Die Menschen sind aus der Kirche gelaufen»
Mit dem rebellischen Song machte sich die junge Sängerin in ihrer schwarzkatholischen Heimat am Anfang nicht nur beliebt: «Wir hatten ein Konzert in einer Kirche und die Menschen sind aus der Kirche gelaufen.»
Der Pfarrer in der vordersten Reihe sei aufgestanden und habe erzürnt gemeint: «Das ist des Teufels!» Für die junge Musikerin war schnell klar, dass diese Aktion «einer too much» war.
So hätten Radiostationen im Wallis zugewartet, bis SRF 3 den Song zuerst gespielt hatte. «Ich war happy, als der Song dann letztlich in meiner Heimat auch über den Äther ging», sagt Sina.
Der Reiz des Verbotenen
Sinas Version mutet eher rockig an und möchte, so die Sängerin, «eine Geschichte erzählen».
Musiker Crimer interpretiert den Song für die SRF 3 Coversession abermals neu. Für den Rheintaler geht es «um das Verbotene – und nicht die Liebschaft».
Crimers Version vom Pfarrerssohn hat einen eigenen Touch: «Klar, habe ich einige Synthesizer reingeworfen, sonst wäre es ja kein Cover von mir.»
«Hier metzget jemand grad mein Lied»
Crimer blieb der Schweizerdeutschen Version von Sina treu, obwohl er eigentlich primär auf Englisch singt. Das Walliserdeutsch in Rheintaler-Dialekt zu übersetzen, war für ihn am schwierigsten. Im Cover entstand dann letztlich ein Mix aus beiden Dialekten.
Vor der Radiopremiere seiner Adaption vom «Sohn vom Pfarrär» war er nervös: «Das ist nicht einfach ein Song, den man so schnell covert.»
Denn einen «Sting-Blick», der sagt, «hier metzget jemand grad mein Lied», wollte Crimer von Sina nicht bekommen.
Das Feedback der Walliser Sängerin zum Coversong war positiv: «Wenn man den Song so nochmals herausbringen würde, hätte er noch eine ganz andere Sprengkraft.» Man stelle sich vor, dass dieser junge Mann mit dem David auf einer Alp liegt. «Das toppt fast schon den Pfarrerssohn aus meiner Variante», meint Sina und ergänzt, «er darf also gerne noch mehr Songs von mir covern».
Video: Nuria Spycher