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«Your Favorite Toy» Neues Foo-Fighters-Album: Schmerzen weggerockt

Das zwölfte Album der Foo Fighters, «Your Favorite Toy», ist ein rohes, mitreissendes Werk, das für Fans ihres hymnischen Rockstils keine grossen Überraschungen bereithält. Die grösste Überraschung ist, wie kraftvoll sich die Band nach 30 Jahren im Musikgeschäft anfühlt. Aber es gibt auch Abstriche.

2011 war die Welt noch in Ordnung, die Foo Fighters veröffentlichten mit «Wasting Light» ihr «komplettestes» Album: Das Bandgefüge war intakt und die Männer um Dave Grohl waren zielstrebig unterwegs, die Stadien der Musikwelt zu erobern. Kurz: Die Foo Fighters waren die angesagteste Rockband überhaupt.

Risse im Image von «Everybody's Darling» Dave Grohl

15 Jahre später haben sie den Tod ihres Schlagzeugers Taylor Hawkins betrauert, einen Ausnahmeschlagzeuger (Josh Freese) in die Band geholt, gleich wieder durch einen anderen (Ilan Rubin) ersetzt und dazu drei mittelmässige Alben veröffentlicht.

Sechs Männer in einem Raum mit dunklem Hintergrund.
Legende: Die Foo Fighters mit Dave Grohl (3.v.l.) und dem neuen Schlagzeuger Ilan Rubin (2.v.r.) Elisabeth Miranda

Währenddessen bekam das Image von Frontmann und «Everybody's Darling» Dave Grohl Risse, als bekannt wurde, dass er eine aussereheliche Tochter gezeugt hatte. So konnte es nicht weitergehen und eine Zeit lang war wohl der Band selbst nicht ganz klar, ob es überhaupt weitergehen wird.

Trauern und Zweifeln

Das zwölfte Album der Band des ehemaligen Nirvana Schlagzeugers musste eine klare Antwort auf diese Fragen geben und tut es auch. «Your Favourite Toy» klingt nach jemandem, der jahrelang in verschiedenen Phasen der Trauer und des Zweifelns verbracht hat und sich nun aus seinem Tief herausspielt.

Das gelingt Dave Grohl in den besten Momenten des Albums. Der Titelsong ist ein roher Foo Fighters Brecher im alten Stil. «Spit Shine» ist harter Punkrock mit melodischem Refrain. «Caught in the Echo» ist eine klassische Foo Fighters Arena-Hymne.

Die Falschen sterben zu früh

Die Texte sind für Dave Grohl-Verhältnisse gar nicht mal so nett. Insbesondere der zynische Wutausbruch «Of All People», bei dem Grohl eine Begegnung mit einem früheren Heroindealer von Seattle schildert, der die halbe Grunge-Szene ins frühe Grab trieb und heute selbst ein angenehmes Leben führt. «You know you should be dead/But you’re alive instead», singt Grohl hier. Warum sterben die Falschen zu früh? Der Schmerz wird weggerockt.

Leicht sentimental und bitter

Beim Songwriting haben die Foo Fighters ebenfalls durchgelüftet. Die zehn Songs dauern im Schnitt dreieinhalb Minuten und kommen schnell auf den Punkt. Abstriche gibt es auch. Wenn die Foo Fighters klingen wie Pearl Jam ohne Refrain («Window») oder wie ein Mashup aus Lenny Kravitz und Oasis («If you only knew»).

Insgesamt ist «My Favourite Toy» ein Album einer der letzten grossen Rockbands der 90er-Jahre, die sich in einer immer digitaler werdenden Welt leicht sentimental und zuweilen bitter an die Freuden der analogen Ära erinnert. Dass Dave Grohl und seine Männer alle auf die 60 zugehen und dabei ein klein wenig in die Jahre gekommen sind, versteht sich von selbst.

SRF 3, 27.4.2026, 18:15 Uhr

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