Globi-Stimme, Kabarettist und Kultfigur in «Fascht e Familie»: Walter Andreas Müller alias WAM hat das Schweizer Publikum über Jahrzehnte begeistert. Eine seiner persönlichen Lieblingssendungen ist das Wunschkonzert, das er mit Leidenschaft über viele Jahre moderierte. Bereits seit den 90er-Jahren war er am Mikrofon und blieb der traditionsreichen Radiosendung bis 2017 treu. Jetzt wird die Sendung 80 Jahre alt.
SRF: Wie war es damals beim Wunschkonzert, haben die Hörerinnen und Hörer angerufen oder gab es Briefe?
Walter Andreas Müller: Wir machten beides. Primär haben die Leute aber angerufen. Später gab es E-Mails. Moderiert haben wir als Duo. Einer hat am Mikrofon die Wünsche durchgegeben, der andere hat mit einem Bleistift Wünsche entgegengenommen und auf einem Zettel notiert. Ein «Sprinter» rannte dann mit dem Zettel in die Phonothek und holte dort die Single.
Ich habe eigentlich die gesamte technische Entwicklung des Radios mitgemacht.
Man musste immer schauen, dass man genügend Platten bereit hatte, damit man nicht in ein Loch gerät. Gefahren wurde die Sendung von einem Techniker und der Opératrice. Die haben dann geschrien ‹Achtung, ich habe nur noch einen Titel, kommt bitte mit einem Neuen.› Damals konnten wir selbst keine Platten auflegen. Es war ein Tohuwabohu sondergleichen, aber irrsinnig spannend.
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Bild 1 von 3. WAM war ab 1975 für Radio SRF tätig und moderierte zahlreiche Sendungen. Hier ist der Zürcher 2015 im Aufnahmestudio zu sehen. Bildquelle: SRF.
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Bild 2 von 3. Immer mit viel Leidenschaft bei der Arbeit: WAM 2006 vor dem Radiomikrofon. Bildquelle: SRF.
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Bild 3 von 3. Zusammen mit Birgit Steinegger machte WAM die Sendung «Zweierleier». Von 1984 bis 2012 standen sie praktisch jeden zweiten Samstag auf der satirischen Radiobühne. Hier 1994 im Aufnahmestudio. Bildquelle: SRF.
Ein richtiges Teamwork – heute sitzt man am Montagabend alleine im Studio.
Ja, damals war das Wunschkonzert ein Highlight für mich. Ich habe mich jeden Montag gefreut, ins Studio zu gehen und mich einen Abend lang auszutoben.
Wer gerade öffentlich im Gespräch war, wurde als Gast ins Studio eingeladen. Wir haben mitgeholfen, diese Leute zu supporten. Ich war immer schon ein Schlagerfan und wenn dann eine Juliane Werding oder eine Katja Ebstein bei uns ins Studio kamen und einen Kuchen oder eine Flasche Wein mitbrachten, war das ein Fest.
Später wurde dann alles anders. Du hast auch die Zeit erlebt, in der man alles selbst machen musste.
Ich habe eigentlich die gesamte technische Entwicklung des Radios mitgemacht. Von Anfang an, als man wie ein Baby im Studio sass, nur sprach, nichts machen und anfassen durfte. Die Ton-Opératrice hat die Platten aufgelegt und der Techniker hat alles gefahren. Das heisst, er hat die Musik gestartet und öffnete mein Mikrofon. Ich durfte selbst nichts machen.
Er sagte ‹Hören Sie mich nicht?› – und ich habe einfach aufgelegt.
Als man plötzlich Moderator wurde und die Regler selbst auf- und zumachen durfte, führte das bei den Technikern teilweise zu etwas Ärger. Man hat dem Techniker etwas weggenommen. Später machten wir dann noch mehr selbst. Der Beruf wurde immer technischer.
Wir sprechen jeweils von der Wunschkonzert-Familie. Hast Du die auch gespürt?
Das war extrem. Damals war diese Wunschkonzert-Familie eine eingefleischte Runde von Hörerinnen und Hörern, die sich gegenseitig besucht haben. Wir mussten manchmal ein bisschen bremsen, damit nicht nur noch die Familie «Sowieso» die Familie «Sowieso» aus Bümpliz grüsste.
Mit der Zeit kannte ich diese Familien. Man wusste: Jetzt rufen wieder diese oder jene an. Da habe ich manchmal ein bisschen geflunkert: Ich nahm das Telefon ab und sagte: ‹Guten Abend, Wunschkonzert Walter Andres Müller.› Auf der anderen Seite hiess es dann: ‹Da ist Karli Huber von der Wunschkonzert-Familie.› Ich antwortete: ‹Hallo, hallo …? Ich höre Sie gerade nicht.› Er fragte dann immer: ‹Hören Sie mich nicht?› Und dann habe ich einfach aufgelegt.
Das Gespräch führte Fränzi Haller.