In der Schweiz gibt es zahlreiche Angebote für Menschen, die sich einsam fühlen. Für die rund 600’000 Menschen, die häufig oder sehr häufig unter Einsamkeit leiden (Obsan, 2022), bieten diese Angebote die Möglichkeit, wieder Kontakte zu knüpfen und Menschen mit gleichen Interessen zum Austausch zu finden.
1. Kontaktelefon – ein offenes Ohr für Menschen, die sich einsam fühlen
«Mein Ohr für dich. Mein Name ist Christoph.» So beginnt für den ehrenamtlichen Mitarbeiter der Dienst am Telefon. Die Organisation bietet «Alltagsgespräche» für Menschen an, die jemanden zum Reden brauchen. Wer anruft, ist meist einsam und will einfach nur plaudern, erklärt Christoph, der gerade Dienst hat.
Die Freiwilligen hören den Anrufenden zu. Sie sind auf diese Aufgabe vorbereitet, aber keine professionellen Therapeuten. Sie erhalten Schulungen und regelmässige Supervision. So können sie auf verschiedene Situationen reagieren.
Trotz der teils herausfordernden Gespräche fühlt sich Christoph in seiner Telefonarbeit erfüllt. Die Freiwilligenarbeit passt zu ihm, da er sich gut abgrenzen kann. Nur so kann er langfristig ein offenes Ohr für jene haben, die es dringend benötigen.
2. Tischgemeinschaft – Begegnungen ohne Etikett
Füreinander kochen, miteinander essen und sich austauschen: Tavolata ist ein schweizweites Netzwerk, das mit lokalen, selbstorganisierten Tischgemeinschaften junge und ältere Menschen zusammenbringt.
Bei Tavolata gibt es keine verpflichtenden Programme, Gesprächsrunden oder Moderation. Wer kommt, bringt etwas mit oder beteiligt sich auf andere Weise. Es entsteht ein einfacher sozialer Raum: Man kocht, isst und geniesst gemeinsam.
Das Besondere daran: Bei Tavolata geht es nicht darum, Einsamkeit zu thematisieren, sondern darum, Alltägliches zu teilen. Gespräche entstehen nebenbei, Beziehungen wachsen langsam, oft über Monate.
3. Plauderkasse – ein Modell, das Schule machen könnte
Menschen, die sich in der Region Basel einsam fühlen, können den Einkauf nutzen, um sich auszutauschen. Ein Schwatz an einer speziell gekennzeichneten Kasse ist in drei Filialen des Grossverteilers Migros- und in zwei Apotheken während ein paar Stunden pro Woche möglich.
An der Plauderkasse darf man sich Zeit lassen und mit geschultem Personal einen Schwatz halten. An diesen Kassen gibt es ausserdem Freiwillige, die beim Einpacken der Einkäufe helfen und auch Zeit haben, sich mit Menschen zu unterhalten, die sich einsam fühlen und Gespräche vermissen.
Die Plauderkasse in Basel wurde vor dreieinhalb Jahren als Pilotprojekt lanciert. Da sie einem Bedürfnis zu entsprechen scheint, gibt es eine Verlängerung und könnte schweizweit als Inspiration dienen.
4. Stadtparcours Rapperswil – zwei Fliegen auf einen Streich
In der Schweiz gibt es viele Angebote für Menschen, die sich einsam fühlen. Eine nationale Strategie gebe es jedoch nicht, sagt Thomas Pfluger vom Verein «Connect». Das möchte der Verein für die Schweiz anstossen. Im Netzwerk des Vereins ist auch die Stadt Rapperswil-Jona. Dort hat man den Stadtparcours ins Leben gerufen. Was als Sturzprävention für ältere Menschen gedacht war, entwickelte sich rasch zum sozialen Treffpunkt für Menschen, die Anschluss suchen.
Jeden Dienstag treffen sich Seniorinnen und Senioren auf dem Parcours. Gemeinsam laufen sie durch die Stadt. Auf neuen Wegen entdecken sie, wie sie das Treppengeländer, die Parkbank oder den Randstein nutzen können, um ihre Gangsicherheit zu fördern. Dabei schliessen die Teilnehmenden auch neue Kontakte.