Wenn die Familie Tomaschett in Trun am Küchentisch sitzt, dauert es meist nicht lange, bis das Gespräch beim Schiessen landet. Das überrascht kaum: Der Schiesssport prägt die Bündner Familie seit Generationen.
«Ich kann mich nicht an ein Leben ohne Schiessen erinnern – es war schon immer da», sagt Annina Arpagaus-Tomaschett. Die 25-Jährige ist Sportschützin im Schweizer Schiesssportverband und holte vor vier Jahren den Titel als Schweizer Meisterin im 10-Meter-Luftgewehr.
Annina ist in einer Schützenfamilie aufgewachsen: Ihr Vater ist Jäger, und auch die Verwandtschaft geht regelmässig auf die Jagd. Das Flair für Waffen liegt der 25-Jährigen sozusagen im Blut.
Annina fand ihren eigenen Weg – mit Erfolg
Den Einstieg in den Schiesssport fand Annina über ihren älteren Bruder Andri. Er schiesst, seit er neun Jahre jung ist, und war für Annina lange ein Vorbild: «Ich habe Andri immer nachgeeifert.»
Erst mit etwa 16 Jahren habe sie gemerkt, dass sie einen anderen Weg gehen möchte: Nach einer Ausbildung als Malerin und als Rekrutin im Militär widmete sich die Bündnerin voll und ganz dem Profisport.
Ich habe fast zwei Monate nicht geschossen – so eine lange Pause hatte ich noch nie.
Mittlerweile gehen beide Geschwister ihren eigenen Weg – das zeigt sich an diesem Nachmittag im Schiessstand in Trun. Während Annina sich auf ihr Training vorbereitet, begutachtet Andri Ausrüstung und Gewehre.
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Bild 1 von 3. Dort hat alles angefangen: Im Schiessstand in Trun entdeckten Andri und Annina ihre Leidenschaft fürs Schiessen. Bildquelle: Fränzi Haller.
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Bild 2 von 3. Die 25-jährige Sportschützin hat mit Andri ihren persönlichen Büchsenmacher. Bildquelle: Fränzi Haller.
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Bild 3 von 3. Die Geschwister trainieren auch manchmal zusammen: Andri als Coach, Annina als Schützin. Bildquelle: Fränzi Haller.
Der 29-Jährige ist gelernter Büchsenmacher und hat eine Jugend+Sport-Ausbildung als Schiesscoach absolviert. «Ich habe einmal pro Woche ein Training, in dem ich Junioren begleite. Und Annina trainiere ich auch ab und zu.»
Schwangerschaft zwingt sie zur Pause
Routiniert zieht Annina die steife Schiessjacke an, bringt sich in Position und konzentriert sich auf die Scheibe. Nachdem sie ihre Schüsse abgefeuert hat, legt sie das Luftgewehr wieder ab, sichert es und meint: «Schiessen ist meine Passion. Es ist das, was ich am liebsten mache.»
In den letzten Monaten blieb Anninas Gewehr allerdings fast zwei Monate im Schrank wegen ihrer Schwangerschaft. «So eine lange Pause hatte ich noch nie.»
Unserem Sohn wird das Schiessen recht in die Wiege gelegt: Mein Mann ist Jäger, ich bin Schützin.
Bis zum siebten Monat absolvierte Annina noch Wettkämpfe, dann wurden die Beschwerden zu stark. «Wenn das Baby sich im Bauch bewegte, hat sich das aufs Gewehr ausgewirkt. Das hat man schon gemerkt», sagt sie und lacht.
Inzwischen ist der Sohn auf der Welt – und Annina steht wieder im Schiessstand in Trun. Sie hat am Eidgenössischen Schützenfest in Chur teilgenommen und möchte schon bald wieder an nationalen Wettkämpfen teilnehmen, später auch an einem Weltcup.
Die nächste Generation wäre da
Bis dahin benötigt die 25-jährige Sportschützin Geduld. Mit Blick zur Zielscheibe sagt sie: «Das Körpergefühl ist anders, es ist noch nicht so stabil.»
Ob ihr Sohn später denselben Weg gehen wird? Die Voraussetzungen dafür wären jedenfalls da: «Ihm wird es recht in die Wiege gelegt: Sein Papa ist Jäger, ich bin Schützin. Wenn er einmal will, darf er es gerne probieren.»
Bis dahin dürfte am Küchentisch der Familie Tomaschett weiterhin vor allem über eines gesprochen werden: den Schiesssport.