In den nächsten Tagen und Wochen heisst es für Zehntausende Schützinnen und Schützen: kühlen Kopf bewahren, fokussieren – und ins Schwarze treffen. Die Fans des Schiesssports messen sich bis Anfang Juli am Eidgenössischen Schützenfest in Chur. Unter ihnen auch viele Nachwuchstalente. Etwa aus Uri.
Besuch im Schiessstand Erstfeld. Die letzten Trainingsschüsse fallen. «Ich finde es spannend, verschiedene Sachen auszuprobieren», sagt Germara Renggli, eine 17-jährige Sportschützin aus Unterschächen. «Es gibt immer irgendwo eine Schraube, an der man drehen kann, um noch besser zu werden.»
Ein passionierter Schütze ist auch Carlo Wipfli. Drei- bis viermal pro Woche ist Training angesagt – am Wochenende folgen Wettkämpfe oder ein Zusatztraining. Er habe einen Schlüssel und könne jederzeit üben, sagt der 17-Jährige aus Erstfeld. «Das bringt mich weiter.»
Gecoacht werden die beiden von Adi Arnold. Für die Jungen habe das Eidgenössische Schützenfest – ein Anlass, der nur alle fünf Jahre stattfindet – schon einen besonderen Stellenwert, sagt er. «Die meisten Nachwuchsschützen nehmen ein-, vielleicht zweimal an einem solchen teil und möchten dementsprechend gute Resultate abliefern.»
Fokussieren, abschalten und abfeuern
Die jungen Urnerinnen und Urner sind am Samstag und am Sonntag am Start. Ihnen winkt eine frühe Tagwache: Bereits um 4.45 Uhr treffen sie sich beim Kleinkaliberstand zur Abfahrt nach Graubünden. Für ihre Leidenschaft nehmen die Schützinnen und Schützen die kurze Nacht gerne in Kauf.
Was begeistert sie am Schiesssport? «Für mich ist die Faszination am Schiessen, dass ich total vom Alltag abschalten kann», sagt Marion Imholz, eine 20-jährige Sportschützin aus Unterschächen.
Der klare Fokus macht es auch für Nik Herger aus. Im Gegensatz zu anderen Sportarten gehe es beim Schiessen nicht um Kraft, sondern um Ruhe und Konzentration, sagt der 15-Jährige aus Bürglen. «Das gefällt mir.»
Yvonne Arnold wiederum betont, dass man beim Schiessen – gerade im mentalen Bereich – auch viel über sich selbst lernt.
«Ich finde es extrem interessant, wie Körper und Geist zusammenarbeiten müssen, um die Zehn zu treffen», so die 20-Jährige aus Bürglen.
Gemeinschaftsgefühl trifft auf Wettkampfgeist
Für die jungen Urnerinnen und Urner ist das Eidgenössische Schützenfest auch ein Gemeinschaftserlebnis. «Auch Spass gehört dazu», sagt Yvonne Arnold.
Und doch: Allesamt reisen sie mit Ambitionen ins Bündnerland. «Ein gesunder Konkurrenzdruck untereinander ist etwas Gutes», sagt Nachwuchstrainer Adi Arnold. «Im Nachwuchsbereich kennt man die Vereine, die sich an der Spitze etabliert haben.»
«Ich möchte mein Bestes geben», sagt Marion Imholz. «Was ich im Training schaffe, möchte ich nun auch im Wettkampf umsetzen.» Carlo Wipfli pflichtet ihr bei: «Wenn es aufgeht und man einen Erfolg feiern kann, ist das schon ein tolles Gefühl.»