Zum Inhalt springen

Header

Zur Übersicht von Play SRF Audio-Übersicht

Eidgenössisches Schützenfest Von Erstfeld nach Chur: Was Junge ans Schützenfest lockt

In Graubünden läuft einer der grössten Sportanlässe der Schweiz. Urner Nachwuchs misst sich mit tausenden Teilnehmenden.

In den nächsten Tagen und Wochen heisst es für Zehntausende Schützinnen und Schützen: kühlen Kopf bewahren, fokussieren – und ins Schwarze treffen. Die Fans des Schiesssports messen sich bis Anfang Juli am Eidgenössischen Schützenfest in Chur. Unter ihnen auch viele Nachwuchstalente. Etwa aus Uri.

36'000 Schützinnen und Schützen am Start

Box aufklappen Box zuklappen

Das 59. Eidgenössische Schützenfest Chur dauert vom Freitag, 5. Juni, bis Sonntag, 5. Juli 2026. Erwartet werden rund 36'000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie insgesamt rund 100'000 Besucherinnen und Besucher. Im Einsatz stehen rund 5000 Helferinnen und Helfer.

Beim traditionellen Absenden vom Samstag, 3. Oktober 2026, wird der Festsieger bekannt gegeben. Im Gabentempel warten insgesamt 1113 Gaben auf die erfolgreichsten Schützinnen und Schützen.

Zum vierten Mal in Graubünden

Das grosse nationale Schützentreffen findet nur alle fünf Jahre statt. Das Budget beläuft sich auf rund 14 Millionen Franken. Das ESF2026 steht unter dem viersprachigen Motto – «Tradition und Passion», «tradition et passion», «traditione e passione», «tradiziun e passiun».

Nach 1842, 1949 und 1985 ist es das vierte Mal, dass Graubünden den sportlichen Grossanlass organisiert. Das letzte Eidgenössische Schützenfest fand in Luzern statt. Geplant im Jahr 2020, musste es wegen der Corona-Pandemie auf 2021 verschoben werden. Die Durchführung erfolgte auf den Heimständen der Vereine.

Besuch im Schiessstand Erstfeld. Die letzten Trainingsschüsse fallen. «Ich finde es spannend, verschiedene Sachen auszuprobieren», sagt Germara Renggli, eine 17-jährige Sportschützin aus Unterschächen. «Es gibt immer irgendwo eine Schraube, an der man drehen kann, um noch besser zu werden.»

Person mit rotem Visier hält ein Gewehr in einem Schiessstand.
Legende: Schätzt die ungezwungene Atmosphäre im Schiessstand: Germara Renggli. SRF/Raphael Prinz

Ein passionierter Schütze ist auch Carlo Wipfli. Drei- bis viermal pro Woche ist Training angesagt – am Wochenende folgen Wettkämpfe oder ein Zusatztraining. Er habe einen Schlüssel und könne jederzeit üben, sagt der 17-Jährige aus Erstfeld. «Das bringt mich weiter.»

Person in Sportkleidung hält ein Gewehr.
Legende: Aus dem Mentaltraining lernt er fürs Leben: Carlo Wipfli. SRF/Raphael Prinz

Gecoacht werden die beiden von Adi Arnold. Für die Jungen habe das Eidgenössische Schützenfest – ein Anlass, der nur alle fünf Jahre stattfindet – schon einen besonderen Stellenwert, sagt er. «Die meisten Nachwuchsschützen nehmen ein-, vielleicht zweimal an einem solchen teil und möchten dementsprechend gute Resultate abliefern.»

Fokussieren, abschalten und abfeuern

Die jungen Urnerinnen und Urner sind am Samstag und am Sonntag am Start. Ihnen winkt eine frühe Tagwache: Bereits um 4.45 Uhr treffen sie sich beim Kleinkaliberstand zur Abfahrt nach Graubünden. Für ihre Leidenschaft nehmen die Schützinnen und Schützen die kurze Nacht gerne in Kauf.

Was begeistert sie am Schiesssport? «Für mich ist die Faszination am Schiessen, dass ich total vom Alltag abschalten kann», sagt Marion Imholz, eine 20-jährige Sportschützin aus Unterschächen.

Frau in rot-schwarzer Sportausrüstung hält ein blaues Gewehr.
Legende: Beim Schiessen sind ihre Gedanken wie weggeblasen: Marion Imholz. SRF/Raphael Prinz

Der klare Fokus macht es auch für Nik Herger aus. Im Gegensatz zu anderen Sportarten gehe es beim Schiessen nicht um Kraft, sondern um Ruhe und Konzentration, sagt der 15-Jährige aus Bürglen. «Das gefällt mir.»

Person im dunklen Sportanzug hält ein Gewehr auf einem Schiessstand.
Legende: Beim Gedanken ans Eidgenössische Schützenfest steigt der Puls: Nik Herger. SRF/Raphael Prinz

Yvonne Arnold wiederum betont, dass man beim Schiessen – gerade im mentalen Bereich – auch viel über sich selbst lernt.

Person in Wettkampfausrüstung mit Gewehr in Innenraum.
Legende: Kam über ihre Brüder zum Schiesssport: Yvonne Arnold. SRF/Raphael Prinz

«Ich finde es extrem interessant, wie Körper und Geist zusammenarbeiten müssen, um die Zehn zu treffen», so die 20-Jährige aus Bürglen.

Gemeinschaftsgefühl trifft auf Wettkampfgeist

Für die jungen Urnerinnen und Urner ist das Eidgenössische Schützenfest auch ein Gemeinschaftserlebnis. «Auch Spass gehört dazu», sagt Yvonne Arnold.

Und doch: Allesamt reisen sie mit Ambitionen ins Bündnerland. «Ein gesunder Konkurrenzdruck untereinander ist etwas Gutes», sagt Nachwuchstrainer Adi Arnold. «Im Nachwuchsbereich kennt man die Vereine, die sich an der Spitze etabliert haben.»

Person liegt auf einer Matratze und zielt mit einem Gewehr auf eine Zielscheibe.
Legende: Beim Schiessen ist das Zusammenspiel von Geist und Körper das A und O. SRF/Raphael Prinz

«Ich möchte mein Bestes geben», sagt Marion Imholz. «Was ich im Training schaffe, möchte ich nun auch im Wettkampf umsetzen.» Carlo Wipfli pflichtet ihr bei: «Wenn es aufgeht und man einen Erfolg feiern kann, ist das schon ein tolles Gefühl.»

Erste dezentrale Austragung

Box aufklappen Box zuklappen

Das ESF2026 ist das erste Eidgenössische Schützenfest, an dem dezentral geschossen wird. Die Durchführung erfolgt auf dem Hauptschiessplatz Rossboden in Chur und auf 19 Aussenschiessplätzen, die maximal 45 Fahrminuten von Chur entfernt liegen. Durch die dezentrale Ausrichtung müssen keine oder nur sehr wenige temporäre Bauten errichtet und zurückgebaut werden.

Regionaljournal Zentralschweiz, 05.06.2026, 12:03 Uhr ; 

Meistgelesene Artikel