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«Es muss was Wunderbares sein» von Peter Alexander im «Schlagermosaik»
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Peter Alexander Zoff und Zensur im Weissen Rössl

«Im Weissen Rössl am Wolfgangsee» gilt einerseits als eines der beliebtesten deutschsprachigen Singspiele überhaupt, andererseits brachte der beliebte Schwank sowohl die Komponisten als auch die Nazis auf die Palme.

«Im Weissen Rössl» entstand ursprünglich 1896 als reines Theaterstück. Die beiden Autoren Blumenthal und Kadelburg platzierten den Handlungsort irgendwo im österreichischen Salzkammergut. Ihr Theaterstück galt als Vorlage für den Stummfilm «Im Weissen Rössl» (1929), der bereits am Wolfgangsee gedreht wurde.

Leidige Auftragsarbeit

Der Komponist Ralph Benatzky wurde 1930 damit beauftragt, aus dem Theaterstück ein Singspiel zu kreieren. Dies tat er nur widerwillig. Dennoch stammen aus seiner Feder so geniale Titel wie «Es muss was Wunderbares sein» oder «Im Salzkammergut, da kann man gut lustig sein». Mit seinem Titellied «Im Weissen Rössl am Wolfgangsee» versetzte er die Handlung dann definitiv an den idyllischen Wolfgangsee im Salzkammergut.

Verschenktes Urheberrecht

Benatzky war entsprechend sauer. In der Folge entwickelte sich ein grosser Streit um die Urheberrechte. Robert Stolz gab seine Werke letztlich wutentbrannt ab und verkaufte sie an den Regisseur. Diese Handlung sollte er später bitter bereuen, denn das Stück mauserte sich zum lukrativen Gassenhauer. Leider konnte Stolz sein Urheberrecht auch gerichtlich nicht mehr geltend machen.

Robert Stolz als alter Mann 1970 auf Schwarzweissfoto.
Legende: Robert Stolz (1880-1975) komponierte zahlreiche beliebte Operetten wie «Zwei Herzen im Dreivierteltakt». Daraus stammen wiederum bekannte Lieder wie «Im Prater blüh’n wieder die Bäume», «Auf der Heide blüh’n die letzten Rosen», oder «Adieu, mein kleiner Gardeoffizier». Wiki/Schiphol Dutch National Archives, The Hague, Fotocollectie Algemeen Nederlands Persbureau (ANeFo), 1945-1989,

Abgesetzt und zensuriert

Ein paar Jahre später waren es die Nazis, denen das beliebte Volksstück die Zornesröte ins Gesicht trieb. Die satirischen und teils schlüpfrigen Zwischentöne, die sich über österreichische und deutsche Eigenarten lustig machten, brachten sie auf die Palme. Im Sinne der Arisierung versuchten sie deshalb Benatzky eine jüdische Herkunft anzukreiden, obschon dies nicht den Tatsachen entsprach. «Im Weissen Rössl» geriet dennoch auf den Index und durfte nicht mehr aufgeführt werden.

Flucht in die Schweiz und nach Hollywood

Benatzky und dessen Frau, die tatsächlich Jüdin war, flohen vorsichtshalber zuerst in die Schweiz. Am Thunersee besass Benatzky ein Haus, das er sich dank Einnahmen durch «Im Weissen Rössl» leisten konnte. Weil ihn die Schweiz aber nicht einbürgern wollte, zog er nach Hollywood weiter. 1948 kehrte er dann wieder in die Schweiz zurück und wohnte bis zu seinem Lebensende in Zürich.

Ralph Benatzky und Leander auf Schwarzweissfoto.
Legende: Benatzky an der Seite von Zarah Leander, der er mit seiner Operette «Axel an der Himmelstür» (1936) zum internationalen Durchbruch verhalf. zvg

Später Stolz

Obwohl «Im Weissen Rössl» für Benatzky ursprünglich nur eine leidige Auftragsarbeit war, konnte er den grossen Erfolg nicht mehr wiederholen. Erst später begann er sein Weisses Rössl zu schätzen – ja regelrecht zelebrieren.

In den 1950er- Jahren reiste Benatzky immer wieder nach St. Wolfgang, checkte dort im Hotel «Weisses Rössl» ein und schwärmte für Zeitungen und Radio von der Entstehungsgeschichte und der unbeschreiblichen Schönheit des Wolfgangsees. In St. Wolfgang ist es denn auch, wo Benatzky auf eigenen Wunsch 1957 seine letzte Ruhestätte fand. Die Filmpremiere der wohl berühmtesten Version von «Im Weissen Rössl am Wolfgangsee» von 1960, mit Peter Alexander und Waltraud Haas in den Hauptrollen, konnte er somit leider nicht mehr miterleben.

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