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Legende: Audio «Lili Marleen» von Lale Andersen im «Schlagermosaik». abspielen. Laufzeit 07:52 Minuten.
Aus Audio MW vom 07.03.2019.
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Schlager als Zeitzeuge Lili Marleen verstaubte in den Regalen

Während des zweiten Weltkriegs, am 2. August 1939, erschien die Originalversion von «Lili Marleen» auf Schallplatte. Allerdings blieb der Erfolg vorerst aus. Erst später entwickelte sich das Lied zum Liebling der deutschen Soldaten und wurde sogar ein Welthit.

Soldat umarmt seine Geliebte.
Legende: Das Schicksal von «Lili Marleen» berührt bist heute. Die «Lili Marleen»-Skulptur des Bremer Künstlers Klaus Homfeld in Munster, grösster Standort der deutschen Bundeswehr, entstand 1987. wikipedia/Huebi

Der Text zu «Lili Marleen» entstand bereits 1915 während des Ersten Weltkriegs. Der 21-jährige Soldat Hans Leip hatte zwei Geliebte. Beiden widmete er sein Gedicht im Wissen, dass er am nächsten Tag an die russische Front einberufen würde. Leip veröffentlichte seine Zeilen zwanzig Jahre später als «Lied eines jungen Wachpostens» in der Sammlung «Die kleine Hafenorgel». Was wenige wissen: Er hatte dazu bereits eine eigene Melodie komponiert.

Diese Sammlung war dem Pianisten Rudolf Zink aufgefallen. Vor allem die Geschichte über Lili Marleen faszinierte ihn. Deshalb komponierte er 1937 zum Text von Leip eine sehr melancholische Chanson-Version. Diese übergab er seiner Freundin und Kabarett-Sängerin Lale Andersen.

Originaltext «Lili Marleen» aus «Die kleine Hafenorgel» (1915)

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Originaltext «Lili Marleen» aus «Die kleine Hafenorgel» (1915)

Vor der Kaserne bei dem großen Tor
Stand eine Laterne und steht sie noch davor
So wollen wir uns da wieder seh´n
Bei der Laterne wollen wir steh´n
Wie einst, Lili Marleen.

Unsere beiden Schatten sah’n wie einer aus
Daß wir so lieb uns hatten, daß sah man gleich daraus
Und alle Leute soll’n es seh’n
Wenn wir bei der Laterne steh’n
Wie einst, Lili Marleen.

Schon rief der Posten, sie blasen Zapfenstreich
Es kann drei Tage kosten, Kamerad, ich komm ja gleich
Da sagten wir auf Wiedersehen
Wie gerne wollt ich mit dir geh’n
Mit dir, Lili Marleen

Deine Schritte kennt sie, deinen zieren Gang
Alle abend brennt sie, doch mich vergaß sie lang
Und sollte mir ein Leid gescheh’n
Wer wird bei der Laterne stehen
Mit dir, Lili Marleen?

Aus dem stillen Raume, aus der Erden Grund
Küßt mich wie im Traume, dein verliebter Mund
Wenn sich die späten Nebel drehn
Werd’ ich bei der Laterne steh’n
Wie einst Lili Marleen
Wie einst Lili Marleen

Als dritter kam der bekannte Komponist Norbert Schultze mit ins Spiel. Er hatte den Auftrag, einige Lieder aus der Sammlung «Die kleine Hafenorgel» neu zu vertonen; darunter auch «Lili Marleen». Wenig ambitioniert machte er sich ans Werk und recycelte dafür eine alte Melodie, die er einst für eine Werbeschallplatte verwendet hatte.

Aufgepeppt aber dennoch ein Ladenhüter

Als Sängerin kam Lale Andersen zum Einsatz, die schon die Vorgängerversion gesungen hatte. Schultzes Komposition wurde zusätzlich durch einen zackigen Marschrhythmus, einen Männerchor und einen preussischen Zapfenstreich aufgepeppt. Andersen konnte damit wenig anfangen. In der Nacht auf den ersten August 1939 nahm sie den Titel dennoch auf. Am Tag darauf wurde die Single fertig abgemischt und ausgekoppelt. Lediglich 700 Exemplare wurden davon verkauft. Die Platten verstaubten regelrecht im Regal.

Sängerin vor Show Bühne. Im Hintergrund ein Hakenkreuz.
Legende: Der Film «Lili Marleen» (1981) von Rainer Werner Fassbinder mit Hanna Schygulla in der Hauptrolle, spielt auf das Leben von Lale Andersen und ihren Evergreen an. Keystone

Bekannt durch Mangel an Schallplatten

Um die Moral der deutschen Soldaten aufrecht zu erhalten, entstand der Radiosender Belgrad. Dessen Auftrag war es, Musik aus der Heimat zu spielen. Allerdings besassen die Radiomacher nur 54 serbische Volksmusikplatten. Es musste also Nachschub an deutschem Liedgut her. 1941 besorgte man sich mehrere Kartons voller Occasions-Schallplatten aus Wien. Darunter befand sich auch ein Exemplar von «Lili Marleen». Das Lied wurde fortan mehrmals täglich gespielt und mauserte sich zum Ohrwurm.

Die Originalversion bestach noch durch ihren militärisch-heroischen Marschrhythmus. Lale Andersens mittlerweile populäre Aufnahme von «Lili Marleen» hingegen kommt etwas gemächlicher und schlagerhafter daher. Sie entstand erst 1956, als der Krieg zwar noch in den Köpfen präsent, aber nicht mehr so bedrohlich nahe war.

Zensur missglückt

«Lili Marleen» wurde zur Schlussmelodie der Sendung «Wir grüssen unsere Hörer» des Soldatensenders Belgrad. Die Sendung war äusserst beliebt, weil darin Briefe für Soldaten und für die Daheimgebliebenen verlesen wurden. Den Nazis war die «Schnulze» ein Dorn im Auge, förderte sie doch vielmehr Heimweh anstatt den notwendigen Durchhaltewillen. Als der Interpretin Lale Andersen Beziehungen zu Juden nachgesagt wurden, zensierte man alle ihre Platten. Beim «Laternenlied» machten die Nazis dennoch eine Ausnahme, da sie einen Aufruhr unter den Soldaten befürchteten.

Von Norwegen bis Nordafrika

Entsprechend schnell stieg die Popularität von «Lili Marleen» – und zwar überall dort, wo deutsche Soldaten stationiert waren. Von Norwegen bis Nordafrika machte «Lili Marleen» demnach die Runde. Die Faszination der Deutschen für den sehnsuchtsvollen Titel blieb auch den Truppen der ausländischen Soldaten nicht verborgen. Also entstanden zahlreiche Versionen in diversen Sprachen und von diversen Interpretinnen und Interpreten gesungen. Vor allem Marlene Dietrichs Interpretation gilt heute global gesehen als die wohl berühmteste.

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