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Hornussen gestern und heute Als Hornusser-Stecken noch in Gülle getunkt wurden

Heute fällt im bernischen Walkringen der Startschuss zum Eidgenössischen Hornusserfest. Einer der bezüglich Nouss, Träf, Stecken oder Ries bestens Bescheid weiss, ist der Emmentaler Hans-Rudolf Rauch. Der 75-Jährige ist seit 60 Jahren aktiver Hornusser und hat viele Veränderungen miterlebt.

Jemand hält ein rundes Teil aus Kunststoff in der Hand.
Legende: Beim Hornussen muss der kleine Nouss mit einem kräftigen Schlag so weit wie möglich ins Feld befördert werden. Keystone

Der 75-jährige Hans-Rudolf Rauch spielt in der 5. Liga der Hornusser-Gesellschaft Wasen-Lugenbach. Die urtypische Schweizer Sportart betreibt er inzwischen seit 60 Jahren. Er erinnert sich an früher, als die Hornusser für Training und Spiele zuerst ein passendes Stück Land suchen mussten.

Verändert hat sich mit den Jahren auch das Material. Die Stecken seien früher komplett aus Holz gewesen, erinnert sich Hans-Rudolf Rauch. «Damit der Stecken gut zieht, hat man ihn bei einem Bauern in Gülle eingelegt.»

Abschlagen und abtun

Im Vereinslokal der Hornusser-Gesellschaft Wasen-Lugenbach sind rund 200 Stecken fein säuberlich in einem Rechen aufgereiht. Hans-Rudolf Rauch nimmt sich einen und geht damit zum Bock, zwei im Boden fixierten Schienen. Den Nouss befestigt er mit einem kleinen Stück Lehm zuvorderst auf dem Bock. Er holt mit dem Stecken aus und befördert das kleine schwarze Wurfgeschoss aus Kunststoff mit einem satten Schlag ins Ries.

200 Meter weit fliegt der Nouss, bevor er von den Männern im Ries mittels einer Schindel vom Himmel geholt wird. «Abtun» heisst das im Hornusser-Latein. «Für mein Alter sind 200 Meter sehr gut», zeigt sich Hans-Rudolf Rauch nach diesem Trainingsschlag zufrieden und ergänzt: «Die starken Hornusser schaffen heute eine Weite von rund 400 Metern.»