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Game-Streaming Gamen übers Internet: Google Stadia kommt in die Schweiz

Es ist der Traum vom grenzenlosen Gamen. Überall, wo es Internet gibt, sollen Videospiele gespielt werden können. Egal ob auf dem Smartphone, dem Tablet oder dem Fernseher. Ob das wirklich klappt? Wir haben es getestet.

Es könnte alles so schön sein: Nie mehr auf Updates, Installationen oder Downloads warten. Dafür jederzeit seine liebsten Spiele auf diversen Geräten spielen. Google verspricht mit seiner cloudbasierten Gaming-Plattform Stadia, Spiele unkompliziert aus dem Internet auf so gut wie allen Geräten zu spielen. Doch ganz so unkompliziert läuft das dann leider doch nicht.

Aller Anfang ist schwer

Bereits im November 2019 ging Google mit Stadia in 14 Ländern online, darunter die USA, Deutschland, Frankreich und Italien. Der Start war ziemlich holprig: Neben den Kinderkrankheiten des neuen Produkts bemängelten die Spielerinnen und Spieler auch, dass viele der versprochenen Funktionen noch fehlten. Und auch die Spieleauswahl liess zu wünschen übrig.

Ein gutes Jahr später kommt Stadia auch in die Schweiz. Doch ist die Plattform in der Zwischenzeit zu einem fertigen Produkt gereift?

Ohne Chromecast geht's am TV nicht

Eins vorneweg: Google Stadia ist immer nur so gut wie deine Internetverbindung. Das sollte in der Schweiz eigentlich kein Problem sein, da Herr und Frau Schweizer in der Regel über genug Bandbreite verfügen.

Bandbreitenanforderungen für Google Stadia

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Für Stadia wird eine Internetverbindung von mindestens 10 Mbit/s empfohlen. Hier , Link öffnet in einem neuen Fensterkannst du deine Verbindung überprüfen.

Auch 4K Gaming soll via Google Stadia möglich sein. Dafür brauchst du allerdings ein Stadia-Pro-Abo und eine Internetverbindung von mindestens 35 Mbit/s.

Doch mein Praxistest zeigt, dass Stadia noch mit vielen Verbindungs-Problemen zu kämpfen hat – und das trotz Glasfaseranschluss mitten in Zürich. Google legt jedoch wert darauf, zu betonen, dass von den über 40 Testkits, die sie verschickt haben, nur bei unserem Versuch solche Verbindungs-Probleme aufgetreten sind.

Probleme können auch die Geräte machen, die mit Google Stadia verbunden werden. Wer am Fernseher spielen will, braucht eine Chromecast-Ultra-Streaming-Box und einen Stadia Controller (so viel zum Versprechen, dass man keine Hardware kaufen muss). Wer am Smartphone, Tablet oder PC spielen will, muss darauf hoffen, dass sein Gerät auch von Stadia unterstützt wird.

Kompatible Bildschirme und Controller für Google Stadia

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Kompatible Bildschirme und Controller für Google Stadia
Legende:Google Stadia ControllerKeystone

Stadia kann mit verschiedenen Controllern auf Computern, Fernsehern oder Mobilgeräten genutzt werden.

Für die Nutzung am Fernseher braucht man eine Chromecast-Ultra-Streaming-Box und einen Stadia Controller.

Für die Nutzung am Smartphone wird die Verwendung eines kompatiblen Gerätes, Link öffnet in einem neuen Fenster empfohlen.

Ein Testwochenende und eintausend Probleme

Ein ganzes Wochenende lang konnte ich mit einem Vorabzugang von Google die Game-Streaming-Plattform auf Herz und Nieren testen. Um Stadia am PC oder Handy laufen zu kriegen ist sehr einfach, man muss sich nämlich schlichtweg auf der Plattform einloggen.

Und auch die Installation am Fernseher funktioniert ganz gut, auch wenn das Setup eher umständlich ist. Für die Installation am TV braucht es den erwähnten Chromecast und einen Stadia Controller, anschliessend muss man beide im WLAN einwählen, dazu wiederum wird eine Smartphone-App verwendet. Man hantiert also stets mit diversen Geräten gleichzeitig, nicht unbedingt benutzerfreundlich.

Ist das System einmal eingerichtet, sucht man die Games – vergeblich. Denn eine Suchfunktion hat «Google Stadia» bisher nicht implementiert. Über das eben installierte Chromecast-Gerät kann man sich ebenfalls keine Spiele besorgen. Diese kaufen kann man aktuell nur in der App oder am PC. Getreu dem Stadia-Motto: Warum bloss ein Gerät nutzen, wenn es doch so viele gibt?

Pro mit 4K oder kostenlos

Doch nun zu den guten Nachrichten: Seit März gibt es ein kostenloses Stadia-Abo. Damit erhält man Zugang zur Plattform und den Gratis-Spielen, die gerade im Angebot sind. Aktuell wären dies «Super Bomberman», «Destiny 2» und eine Demoversion von «Immortals Fenyx Rising». Alle anderen Spiele der Plattform kann man sich jederzeit dazukaufen. So kann jeder kostenlos zu Hause oder auch unterwegs überprüfen, ob seine Internetverbindung stabil genug für Stadia ist.

Auch das kostenpflichtige Abo kann man aktuell 30 Tage gratis testen. Anschliessend bezahlt man mit Stadia Pro rund 11 Franken im Monat und erhält dafür (Stand November 2020) 31 Spiele gratis. Das ist keine Flatrate, andere Titel müssen zusätzlich gekauft werden. Ausserdem verspricht das Stadia-Pro-Abo 4K-Gaming bei 60fps.

Der nächste Verbindungsfehler wartet schon

Kommen wir zu dem Punkt, der mir vor meinem Testwochenende am meisten Sorgen gemacht hat: Wie hübsch und flüssig läuft ein Game, das ich bloss online streame?

Die Antwort auf diese Frage war mir bald gar nicht mehr so wichtig. Denn meistens war ich einfach nur froh, wenn ein Spiel überhaupt lief. Bei gut der Hälfte aller Spielstarts kam eine Fehlermeldung und ich durfte wieder von vorne beginnen, egal auf welchem Gerät ich es versucht habe.

Und selbst wenn alles einmal wie versprochen lief, fühlte sich das Spielen nicht wie 4K-Gaming an – unschöne Farbübergänge und hin und wieder ruckelt es. Spielen kann man allerdings ohne Probleme oder Einschränkung, zumindest bis zum nächsten Verbindungsfehler, der eigentlich immer nur eine Frage der Zeit war.

Fazit: Viel Potenzial, wenig handfestes

Streaming ist die Zukunft, das haben Netflix und Co. längst bewiesen. Doch ein Videospiel zu streamen ist um ein Vielfaches komplizierter als eine TV-Serie oder ein Musikstück.

Google Stadia mag vieles sein und es ist sicher zukunftsträchtig, ambitioniert und visionär, ein solches Projekt zu lancieren. Aber eins ist Google Stadia heute leider noch nicht: Fertig entwickelt, unkompliziert oder bereit, den Gaming-Markt im Sturm zu erobern.

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