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Let's Plays «Bowser's Fury»: Wenn das Dessert besser als der Hauptgang ist

«Super Mario 3D World» ist ein Switch-Port des 7-jährigen Wii-U-Games. Obendrauf gibt es das bessere «Bowser's Fury».

Video: Guido spielt «Bowser's Fury» (Let’s Play)

«Super Mario 3D World» erschien vor etwas mehr als sieben Jahren, für die Wii U. Weil diese Vorgänger-Konsole ein ziemlicher Flop war, scheint Nintendo nun den Besitzern der Switch zeigen zu wollen, was sie verpasst haben, und bringt das Game erneut heraus, leicht angepasst für die neuere Konsole.

Ich habe «Super Mario 3D World» damals schon gespielt. Und bei aller Bewunderung für die unzähligen tollen Levels, vollgepackt mit Ideen und Witz, hat mich das Game damals recht kaltgelassen. Denn es war neben aller strukturell unheimlich konservativ.

«Super Mario 64» (1996) führte den allseits beliebten Klempner in die dritte Dimension, «Super Mario Galaxy» (2007) setzte uns statt in eine flache Welt auf runde, kleine Mini-Planeten und «Super Mario Odyssey» (2017) liess uns frei durch eine offene Welt hüpfen. Ich mag es, wenn Nintendo seine Games radikal neu erfindet.

«Super Mario 3D World» tat das nicht. Es griff auf die gleiche Struktur zurück, die das 3DS-Game «Super Mario 3D Land» zwei Jahre zuvor schon verwendet hatte – und die bereits lediglich eine Weiterentwicklung derjenigen der «New Super Mario Bros.»-Reihe war.

Deshalb mein Fazit damals: zwar grossartige Handwerkskunst, aber halt ein Derivat eines Derivates – Nintendo spielte mir zu sehr auf sicher.

So hatte ich den kaum Lust auf diesen «neuen» Port. Doch die schlauen Japaner gaben mir einen Grund, das Game nicht zu ignorieren – sie packten nämlich als Dessert ein völlig neues, vom Hauptgang unabhängiges Game dazu: «Bowser's Fury».

Und «Bowser's Fury» ist genau das, was ich von Nintendo spielen möchte: Ein Game, das die eigene Formel laufend überdenkt und mutig modernisiert.

Wie «Odyssey» bewegen wir uns hier auch in einer offenen Welt – aus einem See erheben sich viele kleine Inseln. Auf jeder der Inseln steht ein Leuchtturm und sind fünf goldene Katzen-Insignien versteckt, die es alle zu finden gilt. In welcher Reihenfolge wir das tun, ist uns oft selbst überlassen.

Statt also wie in einem älteren Mario-Game durch einen klar abgesteckten Hindernis-Parcours zu hüpfen, sind wir hier auf einem Abenteuer-Spielplatz und bestimmen unseren Weg selbst. Diese Freiheit haben wir im grossartigen «Super Mario Odyssey» erstmals gekostet – und sie schmeckte so gut, dass ein Game wie «Super Mario 3D World» nun eben altbacken wirkt. «Bowser's Fury» dagegen ist modern und frisch.

Das ist aber noch nicht alles, denn es kommt noch der titelgebende Bowser dazu. Wir kennen den Bösewicht aus allen anderen Mario-Games. Hier ist ihm aber etwas Schreckliches widerfahren: Er ist von einer Art Ölpest überzogen, die ihn offenbar besonders stinkig macht. Sein Sohn, Bowser Jr., bittet uns um Hilfe, seinen Papa zu heilen.

Der fällt nun alle paar Minuten über unseren Inselspielplatz her. Es beginnt zu regnen, zu stürmen, Bowser taucht aus dem Wasser auf, wie sein Vorbild Godzilla, und wirft mit Lava nach uns. Wir können uns entweder verstecken, bis er sich nach ein paar Minuten etwas beruhigt und wieder abtaucht. Oder wir können ihn gezielt an Stellen locken, wo er uns mit seinen Lava-Geschossen unabsichtlich den Weg zu vorher unzugänglichen Stellen frei sprengt. Oder wir können uns Super-Saiyan-mässig in einen riesigen Mario-Löwen verwandeln und Ölpest-Bowser direkt bekämpfen.

Dieser regelmässige Tag-/Nacht- bzw. Sonnenschein-/Gewittersturm-Wechsel ist grossartig. Er bringt Drama in das sonst vielleicht etwas gar harmlose Inselparadies. Er erzeugt zusätzlichen Druck, denn Bowser taucht natürlich oft gerade dann auf, wenn wir uns ohnehin gerade mit einer kniffligen Hüpfpartie abmühen. Und gross ist die Erleichterung, wenn Bowser ab- und die Sonne wieder auftaucht.

Ebenso toll ist der kleine Bowser Jr., der uns hilft, so gut er kann. Entweder ist der automatisch gesteuert, sammelt für uns Münzen auf und haut auch mal einem Goomba eins auf die Mütze. Oder wir holen uns Freund oder Geschwister aufs Sofa und lassen diese zweite Person Bowser Jr. steuern.

Während Mario die Hauptarbeit erledigt, hilft Bowser Jr. einfach ein bisschen aus. Er eignet sich deshalb besonders gut für eine Person, die weniger gut spielen kann oder möchte. Also beispielsweise in jüngeres Kind oder ein Partner, der Games sonst nicht so mag. Ich mag solche asymmetrischen Systeme sehr, denn sie ermöglichen Spieler-Kombinationen auf dem Sofa, die eher selten sind.

Und schliesslich vertraut uns «Bowser's Fury» – denn es präsentiert uns laufend Systeme, ohne sie uns sofort zu erklären. Es verlässt sich stattdessen darauf, dass wir sie selber entdecken und macht uns so zu mündigen Gamern.

Das Paket kann ich also sehr wohl empfehlen – den Hauptgang «Super Mario 3D World» für die handwerkliche Qualität und die vielen tollen Ideen. Und das Dessert «Bowser's Fury», weil es aufregend modern und frei ist.

«Super Mario 3D World + Bowser's Fury» ist für die Nintendo Switch.

Radio SRF 3, 16.02.2021, 16:50

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