Sind Tierkommunikatoren die Mike Shivas unserer Haustiere?

Was, wenn das Büsi immer wieder wegläuft oder der Hund wiederholt Angst vor etwas hat? Hier können Tierkommunikatoren zum Zug kommen: sie kommunizieren telepathisch mit unseren tierischen Freunden und vermitteln zwischen Mensch und Tier. Humbug oder echte Hilfe?

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Sind Tierkommunikatoren die Mike Shivas unserer Haustiere?

Tierkommunikatoren sind gefragt. Menschen suchen Hilfe bei ihnen, wenn es dem Haustier nicht gut geht – oder auch einfach, wenn sie wissen möchten, wie es um den Gemütszustand von Büsi und co. steht. Und trotzdem: sie werden oft als Esoteriker abgetan und nicht immer ernst genommen. Zurecht?

Telepathie wohnt in jedem inne

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Christa

Christa

Christa ist Tierkommunikatorin und vermittelt zwischen Mensch und Tier. Bereits im Kindsalter merkte sie, dass sie mit Tieren kommunizieren kann.

Christa ist seit vielen Jahren Tierkommunikatorin. Auf die Frage hin, ob sie denn nicht eine Art Mike Shiva für Tiere sei, entgegnet sie lachend: «Nein, Mike Shiva ist auf einem ganz anderen Trip. Er fährt die Esoterikerschiene, ich kommuniziere telepathisch und bin somit mit beiden Beinen am Boden.»

Christa sagt, dass telepathische Kommunikation überhaupt nichts mit Esoterik zu tun hat, sondern eine Art der Kommunikation ist, die in jedem innewohnt – wenn auch nicht gleich stark ausgeprägt. «Ich denke jedem ist es schon passiert, dass man an einen Freund oder eine Freundin gedacht hat und diesem/dieser just dann begegnet ist», sagt sie.

Dem kann auch Prof. Dr. Andreas Pospischik, emeritierter Tierpathologe der Vetsuisse-Fakultät der Universität Zürich, zustimmen:

«  Telepathie ist nonverbale Kommunikation. Diese funktioniert zu einem gewissen Grad auch bei Blinden. »

Prof. Dr. Andreas Pospischil

«Telepathie ist nonverbale Kommunikation. Diese funktioniert zu einem gewissen Grad auch bei Blinden. Ich möchte nicht ausschliessen, dass Telepathie funktioniert. Jeder kennt es: man möchte Kontakt mit jemandem aufnehmen und zwei Minuten später meldet sich diese Person selbst. Was genau dort abläuft, ist schwierig zu erklären.»

Was genau macht eine Tierkommunikatorin?

Christa spürte schon als Kind, dass sie mit Tieren kommunizieren konnte. Ihr Schulweg führte am Basler Zolli vorbei, wo sie vor allem mit einem frei herumfliegenden Papagei im Affenhaus Freundschaft schloss. Als sie Zuhause von ihren Gesprächen mit dem Papagei erzählte, war ihre Mutter entgeistert.

«  Meine Mutter habe ich mit meiner Begabung fast zur Verzweiflung gebracht. Sie dachte, ihr Kind sei nicht ganz normal. »

Christa

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Kompass

Nadine Nikkles und Ranja Kamal

In der Sendung «Kompass» beantworten Ranja Kamal und Nadine Nikles die grossen und kleinen Fragen rund um Job, Ausbildung und sonstige Lebensfragen.

«Meine Mutter habe ich mit meiner Begabung fast zur Verzweiflung gebracht. Sie dachte, ihr Kind sei nicht ganz normal», erzählt Christa. Sie habe ihre Begabung dann lange unterdrückt, doch irgendwann packte sie es wieder. Seitdem hilft sie verzweifelten Menschen und ihren Tieren weiter.

Um eine erfolgreiche Tierkommunikation durchzuführen, braucht Christa ein Foto, Angaben zu Alter, Geschlecht und Rasse, einen kurzen Lebenslauf in zwei, drei Sätzen sowie die Fragen, die man dem Tier stellen möchte. Dann meditiert sie:

«  Nach dem Meditieren spüre ich, dass ich ruhig bin und nichts mehr in meinem Kopf ist. Das ist wichtig, ich darf nicht an andere Dinge denken. »

Christa

«Nach dem Meditieren spüre ich, dass ich ruhig bin und nichts mehr in meinem Kopf ist. Das ist wichtig, ich darf nicht an andere Dinge denken. Dann schaue ich mir das Foto des Tiers an und versuche es mir vorzustellen», erzählt Christa. Dann beginnt sie ihre Fragen zu stellen und die Tiere antworten ihr. Zudem spürt Christina auch körperliche Schmerzen der Tiere.

Ein Foto des Tieres reicht laut Christa für eine gelingende Tierkommunikation: «Ich verbinde mich sozusagen auf Distanz. Ich denke, das könnte jeder, wenn er möchte, man müsste sich einfach öffnen. Und logischerweise sind nicht alle gleich talentiert.»

«  Die Menschen müssen zum Tierarzt gehen! »

Christa

Kann man sich also mit dem Gang zum Tierkommunikator die teure Tierarztrechnung sparen? «Auf gar keinen Fall, die Menschen müssen zum Tierarzt gehen!», sagt Christa und fügt gleich an: «Es wäre fahrlässig, wenn eine Tierkommunikatorin Diagnosen stellen würde. Das darf man wirklich nicht.» Vielmehr empfiehlt Christa ihren Kunden den Gang zum Tierarzt, wenn sie das Gefühl hat, etwas sei wirklich falsch mit dem Tier.

Alles nur Humbug oder doch wahre Hilfe?

Prof. Dr. Andreas Pospischil möchte nicht pauschalisieren: «Ich würde Tierkommunikation nicht gleich als Humbug abstempeln. Das kommt sehr auf die einzelne Person an. Wenn Christa das kann und es funktioniert, dann muss man das so akzeptieren. Ich bin skeptisch, klar, aber wenn mir das jemand zeigt und es funktioniert, dann glaube ich sehr wohl daran.» Und obwohl es wissenschaftlich kaum messbar ist, betont er:

«  Es gibt vieles jenseits der Rationalität, das man irgendwie einfach akzeptieren muss. »

Prof. Dr. Andreas Pospischil

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Prof. Dr. Andreas Pospischil

Prof. Dr. Andreas Pospischil

Prof. Dr. Andreas Pospischil ist Veterinär, studierte in München und hat 30 Jahre an der Universität Zürich als Tierpathologe gearbeitet.

«Es gibt vieles jenseits der Rationalität, das man irgendwie einfach akzeptieren muss.» Er persönlich würde die Dienste eines Tierkommunikators jedoch nur in äussersten Extremsituationen in Betracht ziehen – und zwar nicht aus Skepsis, sondern vielmehr aufgrund seines Wissens: «In meiner Ausbildung habe ich gelernt, einen Patienten sehr genau zu beobachten. Wenn er hinkt – gut, das sieht wohl jeder –, einen aufgezogenen Bauch hat oder nicht so lebhaft ist, dann schaue ich mir das selbst an.»

Christa selbst hat immer wieder an sich gezweifelt: «Ich habe immer wieder gedacht, ich könnte mir das ja alles aus den Fingern saugen. Ganz oft konnte ich es selbst nicht glauben. Aber dann ist immer wieder etwas Extremes passiert.»

Beispiel gefällig? Eines Nachts bekam Christa einen Anruf von einer Freundin, die ihr sagte, ihr Pferd drehe in seiner Box durch. Christa kommunizierte mit dem Pferd, welches ihr wiederum sagte, es hätte ein Loch in seine Box, durch das kleine Katzen ein- und ausgehen würden. Ihre Freundin machte sich daraufhin auf die Suche und fand sowohl die kleinen Katzen, sowie das Loch in der Box.

Und was rät sie Zweiflern? «Probiert es doch selbst einmal aus und dann schauen wir, ob ich dich dann doch überzeugen kann, dass Tierkommunikation, die nichts mit Esoterik am Hut hat, sondern nur mit Telepathie, doch etwas Gutes ist.»