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Kompass Was suchen junge Menschen in der Freikirche?

Eine alte Industriehalle dient als Kirche. Statt farbiger Fenster gibt's eine bunte Lasershow, statt einem Kirchenchor spielt eine Band. Im Gottesdienst sitzen junge Leute, vom Hipster bis zum Normalo. Wir haben die Freikirche «ICF Basel» besucht und über Glaube, Musik und Sex gesprochen.

ICF-Pastor Ralf Dörpfeld auf der Bühne
Legende: Jeans statt Kutte: ICF-Pastor Ralf Dörpfeld SRF

Sieht aus wie im Club, ist aber ein Gottesdienst

Der reformierten Kirche laufen die Mitglieder davon oder sie sterben weg. Beim ICF in Basel sitze ich in einer Halle voller junger Menschen. Junge Frauen und Männer, vom Hipster bis zum Normalo.

Es ist Sonntagabend um halb acht. Der Gottesdienst (oder Celebration, wie es der ICF nennt) wird vom Musikerkollektiv Gottpop eröffnet. In modernen Popsongs wird Jesus besungen, das Publikum singt mit.

Danach geht Pastor Ralf Dörpfeld auf die Bühne. In seiner Predigt geht es um den Heiligen Geist. Seine Sprache ist locker und verständlich. Er spricht sein Publikum mit «hey Leute» an und spricht von «Typen wie Jesus».

Was suchen junge Menschen in der Freikirche? Timon Sommerhalder (24) erklärt es so: «Es gibt mir Kraft für die kommende Woche. Ich habe viele Freundschaften geschlossen. Es ist eine Bereicherung, ein Teil davon sein zu können.»

Gott hat vieles in meinem Leben zum Besseren gewendet.
Autor: Timon SommerhalderMitarbeiter ICF Basel

Nachricht von Gott

Timon erzählt weiter, dass er von Gott konkrete Ratschläge erfahren hat: «Wenn ich früher Hass auf Leute hatte, hat Gott mein Gefühl verändert. Ich habe mich bei vielen Leuten entschuldigt, denen ich Schlechtes getan habe, über die ich schlecht gesprochen habe. Gott hat vieles in meinem Leben zum Besseren gewendet.»

Und wie spricht Gott zu einem? «Durch Gedanken. Es sind Gedanken, von denen ich weiss, dass sie nicht von mir sind», sagt Timon.

Keinen Segen für Schwule und Lesben

Von aussen betrachtet wirkt der ICF modern und jung. Die Haltung gegenüber Schwulen und Lesben ist aber konservativ. Ob Homosexualität aus Sicht des ICF eine Sünde ist, will ich von Pastor Ralf Dörpfeld wissen.

Wir können und wollen Homosexualität als Kirche nicht verbieten, das wäre hirnverbrannt.
Autor: Ralf DörpfeldICF Pastor

«Homosexualität ist kein Tabu. Wir haben Menschen in der Kirche, die gleichgeschlechtlich empfinden. Manche leben es aus, andere nicht. Wir können und wollen Homosexualität als Kirche nicht verbieten, das wäre hirnverbrannt», sagt Pastor Ralf Dörpfeld.

ICF-Band auf der Bühne. Was das Bild nicht zeigt: Das Publikum singt laut mit.
Legende: Was das Bild nicht zeigt: Das Publikum singt laut mit. SRF

Klingt vernünftig, passt aber nicht zu dem, was ich über den ICF gelesen habe. Was sagt der Pastor dazu, dass dem ICF vorgeworfen wird, homophob zu sein?

«Wir sprechen hier für den ICF Basel und Baselland», betont Ralf Dörpfeld. Es gebe regelmässige Besucher, die gleichgeschlechtlich empfinden. «Gleichzeitig halten wir ein Bild von Ehe zwischen Mann und Frau hoch. So verstehen wir die Bibel. Wir trauen keine gleichgeschlechtlich empfindenden Paare. Die Ehe ist ein Privileg für Mann und Frau.» Wirkliche Gleichberechtigung sieht anders aus.

Wir trauen keine gleichgeschlechtlich empfindenden Paare. Die Ehe ist ein Privileg für Mann und Frau.
Autor: Ralf DörpfeldICF Pastor

Eine Frau als Pastorin

Anders als in der katholischen Kirche predigen beim ICF auch Frauen. Beim ICF Basel gebe es zurzeit leider nur eine Frau. «Ich würde gerne noch mehr Pastorinnen anstellen bei uns», sagt Pastor Ralf Dörpfeld.

Kirche aber anders

Anderthalb Stunden nach dem Start endet der Gottesdient kurz vor neun. Den Abschluss machen die Musikerinnen und Musiker von Gottpop.

Nach der Celebration gibt's für die einen noch was zu trinken an der Bar, andere hängen es in der Louge und wieder andere stehen draussen und rauchen.

Wie im Ausgang. Nur ist es Freikirche.

ICF

ICF (International Christian Fellowship) wurde 1996 in Zürich gegründet und hat Ableger in 7 weiteren Ländern. Sekten-Experte Hugo Stamm spricht von einem radikalen Glaubenssystem, die Konsumentenorganissation infosekta von einer evangelikalen Doktrin in modernem Gewand. ICF distanziert sich vom Vorwurf, eine Sekte zu sein.

Kompass

Nadine Nikkles und Ranja Kamal

In der Sendung «Kompass» beantworten Ranja Kamal und Nadine Nikles die grossen und kleinen Fragen rund um Job, Ausbildung und sonstige Lebensfragen.

2 Kommentare

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  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    Ich würde sagen, sie suchen die Grenzen die sie zu Hause nicht gezeigt bekommen haben. Deshalb können Freikirchen unsere Jugendlichen begeistern, wenn sie ihnen sagen, dass sie Gott mehr vertrauen können als den Eltern. Das Vertrauen (der Halt) der Eltern haben die Jugendlichen in diesem Moment bereits verloren, das Vertrauen zu Gott kann man nicht sehen oder spüren, daran muss man einfach glauben. Genau damit haben die Freikirchen Erfolg. Wahrscheinlich ist das immer noch besser als kein Halt!
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  • Kommentar von Denise Casagrande (begulide)
    Was für eine Einstellung als - angeblich, "gläubige" - Christen! Nach dem Motto, wir sind "coole" Kirchenleute, aber wir entscheiden, wer "Mensch" ist und liebenswürdig vor "unserem Gott"! Erschreckend, beschämend und armselig zugleich! Vor "Gott", sind alle Menschen gleich! Alles andere, sind Lügen!
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