«Musik hilft mir, den Wahnsinn des Krieges in Syrien auszuhalten»

Er packte seine Tasche und wollte nur für kurze Zeit in den Libanon, bis sich die Lage in Syrien entspannt. Aus einer kurzen Zeit sind nun Jahre geworden, in denen er seine Familie und seine Freunde nicht mehr gesehen hat. Der syrische Musiker Hello, Psychaleppo erzählt die Geschichte seiner Flucht.

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8:52 min, aus Musik+ vom 27.10.2015

Für einige Tage weg, bis das Gröbste vorbei ist - aber es kam anders

Seine Mutter nennt ihn Samer. An der Uni von Aleppo hat er Kunst studiert und war als Samer Saem Eldahr eingeschrieben: der syrische Musiker und Produzent Hello, Psychaleppo.

Freie Abende verbrachte er am liebsten auf der Zitadelle in der Altstadt Aleppos. Es ist eine der ältesten und grössten Festungen der Welt, die von der UNESCO unter Schutz gestellt wurde. Ein Glas Tee mit Freunden, Shisha rauchen, Musik hören. Mehr brauchte es nicht zum Glücklich-sein.

«  I was often sitting near the citadelle with friends, listening to some really good music. »

Hello, Psychaleppo

Wenn er nicht Musik gehört hat, hat er selber Musik gemacht. Angefangen hat er als Jugendlicher mit Rap. Später spielte er in Rockbands. Und dann begann er, orientalische Klänge seiner Heimat mit elektronischer Musik zu verweben.

Hello Psychaleppo - «Shahba»

Dann brach 2011 der Krieg aus. Eigentlich wollte er nur für eine kurze Zeit ins Nachbarland Libanon. Aber die Lage in Syrien wurde immer schlimmer. «Komm nicht zurück», rieten ihm seine Eltern, aus Angst um sein Leben.

Auf der Flucht findet er die Liebe seines Lebens

Im Libanon lernt er eine Frau kennen, die sein Leben verändert. Eine Amerikanerin aus Minesota. Ohne Job und ohne einen Platz an der Uni konnte er nicht im Libanon bleiben, sagt Hello, Psychaleppo. Also beschlossen sie, gemeinsam in ihre Heimat, in die USA, zu ziehen.

«  I met my wife, the love of my life. »

Seine Familie hat er seit seiner Flucht aus Syrien nicht mehr gesehen. Die Familie seiner Frau habe ihn warm empfangen. Er habe jetzt eine neue Familie, sagt er. Was nicht bedeutet, dass ihm seine Eltern, Verwandten und Freunde nicht fehlen. Oder seine Heimat Syrien. Kurz: Sein Leben wie es war, bevor der Krieg ausgebrochen ist.

Musik machen hilft ihm, den Wahnsinn des Krieges besser aushalten zu können, sagt er.

«  Music can help you psychologically, emotionally und mentally to stay sane. »

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