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«Mein Hirn war eine tickende Zeitbombe»
Aus Rehmann vom 15.03.2021.
abspielen. Laufzeit 51:19 Minuten.
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Rehmann «Mein Hirn war eine tickende Zeitbombe»

Erst mit 33 Jahren wird bei Simone eine angeborene Krankheit diagnostiziert. Die Wahrscheinlichkeit, eine Operation gesund zu überstehen, liegt bei 30 Prozent. Im Gespräch mit Robin Rehmann erzählt sie, wie sie mit ihrem plötzlichen Schicksalsschlag umgegangen ist.

Simone hat sich nie Sorgen um ihre Gesundheit gemacht. Sie arbeitet selbst im Pflegebereich und hatte immer die Einstellung, sie würde es ja wohl merken, wenn etwas nicht gut ist. So macht sich Simone auch keine Sorgen, als ihr an einem Freitag im August 2018 bei der Arbeit plötzlich schwindlig wird. «Ich fühlte mich, wie wenn ich auf Watte spazieren würde, ganz komisch». Simone denkt, das liegt am Stress bei der Arbeit. Im Spital war die letzten Tage viel los.

S.O.S. – Sick of Silence

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S.O.S. – Sick of Silence

Wie sieht das Leben junger Menschen aus, nachdem es durch eine chronische Krankheit ausgebremst wurde? Robin Rehmann leidet selbst an einer chronischen Krankheit und unterhält sich in seiner Sendung mit Betroffenen.

Jeden Dienstag, 18-19 Uhr bei SRF Virus oder hier als Podcast.

Doch dann kann Simone plötzlich nicht mehr gut sehen. Immer wieder kommt ihr ein schwarzer Balken ins Sichtfeld. «Wie ein Zensurbalken, der von rechts ins Bild reinfliegt». Simone wird so schwindlig, dass sie gegen die Wand fällt. «Das war der Moment, als ich gemerkt habe, dass das nicht mehr normal ist». Sie lässt sich von ihren Kolleg*innen im Notfall untersuchen. Die Blutentnahme zeigt keine Auffälligkeiten, doch ihr Blutdruck ist auf beiden Seiten unterschiedlich hoch. Es wird ein CT gemacht. Als Simone aus der Röhre kommt, sind alle schneeweiss im Gesicht. «Ich wusste: Jetzt haben sie etwas gefunden». Simone fühlt sich hundsmiserabel.

Gefahr eines lebensbedrohlichen Schlaganfalls

Simone hört den Begriff «zAVM» zum ersten Mal: zerebrale arteriovenöse Malformation. Es ist eine angeborene Fehlbildung der Blutgefässe innerhalb des Gehirns, bei der die Arterien direkt mit den Venen verbunden sind, ohne dazwischenliegenden Kapillaren. Bei Simone sind die Venen und die Arterien zu einem Osterei-grossen Punkt verwachsen. Das grösste Risiko geht von einer möglichen Hirnblutung aus. Innerhalb der AVM ist der Blutfluss erhöht, die Gefässwände sind gedehnt, dünner als üblich. Die Folge kann ein lebensbedrohlicher Schlaganfall sein. «Mein Hirn war eine tickende Zeitbombe».

Simone muss sich den Blutknäuel rausoperieren lassen. Die Wahrscheinlichkeit, dass Simone gesund aus der Operation rauskommt, liegt nur bei ca. 30 Prozent. «Mein Arzt hat gut auf mich eingeredet und gesagt, wir killen die Statistik». Vor der Operation füllt Simone ihre Patientenverfügung und Organspendeausweis aus. Simone nimmt Abschied von ihren Familienmitgliedern. Als sie in den Operationssaal geführt wird, ist nicht klar, ob dieser Abschied für immer ist.

Das Karma hat es gut mit mir gemeint

Heute ist die Operation zweieinhalb Jahre her. Simone hat den Eingriff gut überstanden und ist gesund. «Ich habe beim Einschlafen vor der Operation an meine Frau und an den Jakobsweg gedacht, das hat mir Kraft gegeben». Die ersten vier Monate nach der OP hatte Simone Probleme zu sprechen und zu schreiben. Doch heute steht sie wieder voll im Leben. «Der Arzt hat mir im Nachhinein gesagt, dass sie schwarzen Balken im Sichtfeld keine typischen Symptome einer AVM sind». Ohne diese Anzeichen, hätte Simone wohl nie gemerkt, dass etwas nicht stimmt. «Ich glaube das Karma hat es gut mit mir gemeint und hat mir diese Anzeichen geschickt».

Simone möchte anderen Menschen die in einer ähnlichen Situation sind, Mut machen: «Auch wenn die Wahrscheinlichkeit klein ist, sollte man die Hoffnung nie aufgeben.»

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Beat von Känel  (sgritheall)
    "Sie lässt sich von ihren Kolleg*innen im Notfall untersuchen". " Bitte, bitte, bitte hören Sie mit dem Unsinn auf.
    Antworten anwählen um auf den Kommentar zu antworten
    1. Antwort von SRF Virus (SRF)
      @Beat von Känel
      Wir richten uns primär an ein junges, diverses Publikum und erachten es als äusserst wichtig zu inkludieren statt zu exkludieren. Schreiben wir in männlicher oder weiblicher Form, vermitteln wir ein Bild, welches der binären Geschlechterordnung entspricht. Und diese ist unseres Erachtens nach nicht mehr zeitgemäss.
      Liebe Grüsse dein SRF-Virus-Team
    2. Antwort von Michel Nötzli  (micheli-9)
      Ich finde das *li wesentlich entspannter als "Kolleginnen und Kollegen".
    3. Antwort von Manu Meier  (Manuel Meier)
      «Ich habe beim Einschlafen vor der Operation an meine Frau und an den Jakobsweg gedacht, das hat mir Kraft gegeben». Das hat mich jetzt völlig verwirrt. Musste den Text noch 2 mal nachlesen um das ansatzweise zu verstehen. Bin mir aber immernoch nicht sicher ob ich das jetzt richtig verstanden habe.. Simon ist ein Mann? Oder doch Simone? Die Frau? Ich bin völlig verwirrt. Wer sagt jetzt diesen Satz? Der Arzt? Nein oder?
    4. Antwort von SRF Virus editor
      @Manu Meier
      Simone ist eine Frau. Und sie ist mit einer Frau verheiratet, deshalb dachte sie beim Einschlafen natürlich an ihre Frau.
    5. Antwort von Stefan Trasser  (chiggifan)
      @SRFVirus: und das ältere Publikum ist weniger divers? Warum denn das?
      Sie lässt sich im Notfall untersuchen hätte völlig gereicht. Weil das Sternchenzeug ist echt sehr nervig. Man kann das fast nicht lesen. Deshalb sollte man, aus meiner Sicht, möglichst so schreiben, dass es nicht mehr vorkommt.
  • Kommentar von Werner Gürr  (FrMu)
    @SRF Malformation, nicht "Malinformation". Malinformation wäre etwas anderes, das sich auf Medien beziehen könnte.
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    1. Antwort von SRF Virus (SRF)
      @Werner Gürr Oh, da haben Sie völlig recht, vielen Dank für den Hinweis, wurde korrigiert!