War die 7. «Game of Thrones»-Staffel die schlechteste der Serie?

Hurra, Winter ist endlich da – und Game of Thrones biegt auf die Zielgerade ein. Leider liess die soeben zu Ende gegangene siebte Staffel einiges zu Wünschen übrig. Ein Erklärungsversuch.

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Bildlegende: Der Night King. Er hat das wirkungsvolle Posieren definitiv drauf. HBO

SPOILER ALERT: der folgende Artikel bespricht Plotpunkte aus der siebten Staffel Game of Thrones.

Als letzten Sommer durchsickerte, dass Game of Thrones ein absehbares Ende erhalten würde – nur noch zwei Staffeln, dann ist fertig! – war der Aufschrei gross. Reichen dreizehn Episoden wirklich aus, um die epische Saga fertig zu erzählen?

Zwei Tage nach der Ausstrahlung der letzten Episode der zweitletzten Staffel sieht der Grundtenor – zumindest in dieser Ecke des Internets – anders aus: Vielleicht ist es gar nicht so schlecht, dass das Fantasy-Spektakel sein baldiges Ende finden wird. Denn die siebte Staffel blieb weit unter den Erwartungen. Gestört haben uns vor allem diese drei Dinge:

1. Seit wann hat Westeros die Grösse eines Bierdeckels?

Serien und Filme zu schauen, nur um anschliessend die kleinen Widersprüche aufzulisten, ist pedantisch. Gerade bei actionorientierten Hollywood-Blockbustern drücken wir gerne beide Augen zu. Klar, immer mal wieder tun sich Plotlöcher auf – aber wenn die Filmemacher geschickt vorgehen und dafür sorgen, dass die grossen Momente stimmen, sollte das dem Zuschauer nie, oder wenn überhaupt erst viel später auffallen.

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Bildlegende: Äusserst praktisch, dass Daenerys auch die nötige Wintergarderobe im Schrank hatte. HBO

Auch bei «Game of Thrones» stimmen die grossen Momente nach wie vor (Stichwort: Zombie-Drache!). Und trotzdem wurde in dieser Staffel storymässig so unsorgfältig gearbeitet wie noch nie zuvor. Vor allem bei der Geographie von Westeros hat die siebte Staffel zu oft alle etablierten Regeln gebrochen. Reisen, die einst mehrere Episoden oder sogar ganze Staffeln benötigten, dauerten in dieser Staffel plötzlich nur noch einen Bruchteil davon.

Bald musste man sich ernsthaft Fragen: Können die Figuren neuerdings teleportieren, oder was? Tiefpunkt war dabei die sechste Episode, in welcher Raben innert kürzester Zeit plötzlich enorme Distanzen zurücklegen und Daenerys auf ihrem Drachen in scheinbar wenigen Minuten über den ganzen Kontinent fliegen konnte.

2. Warum sind die übrig gebliebenen Figuren unverwundbar geworden?

Lange hatte Game of Thrones den Ruf, dass jede Figur – egal wie wichtig sie zu sein scheint – ersetzbar ist. Jeder kann sterben. Ned Stark, Robb Stark, Stannis Baratheon: alle sahen sie für einen gewissen Zeitraum wie Protagonisten aus, die es höchstwahrscheinlich bis zum Ende schaffen, dann wurden sie ohne mit der Wimper zu zucken beseitigt. Never forget: dieser Serie hat schon kleine unschuldige Mädchen bei lebendigem Leibe verbrannt!

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Bildlegende: Jamie Lannister: seine Rüstung besteht höchstwahrscheinlich aus ultraleichtem Metall. HBO

Damit ist es jetzt vorbei. In der siebten Staffel haben es zu viele Figuren aus brenzligen Situationen geschafft, die sie in früheren Staffeln niemals überlebt hätten. Jaime Lannister kann trotz metallener Rüstung kilometerweit tauchen, Tormund entkommt einer Horde von untoten Zombies. Und wenn das nicht reicht, taucht einfach ein längst vergessener Charaktere wie Benjen aus dem Nichts auf.

Vor der Staffel haben wir gefragt: wer wird Game of Thrones überleben? Die Antwort: ähm, alle?

3. Ist der Night King wirklich ein interessanter Gegner?

Mit dem Night King, der am Ende der letzten Folge die letzte Hürde Richtung Süden überwunden hat, haben unsere Hauptfiguren ihren übernatürlichen Endgegner gefunden. Er und seine Armee sind definitiv angsteinflössend und bedrohlich. Stellt sich nur noch die Frage: Wer genau ist eigentlich dieser Night King? Was motiviert ihn?

Was wir wissen: Der Night King sieht böse aus, er ist, ähm... Speerwurf-Experte... und, äh, hat wahrscheinlich die Unterjochung des lebendigen Teils der Welt zum Ziel. Das war's dann auch schon. Seine Persönlichkeit bleibt ein unbeschriebenes Blatt.

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Bildlegende: Zwischenfrage: Was war eigentlich Littlefingers Plan? (Wenn er Sansa und Arya wirklich auseinandergebracht hätte.) HBO

Natürlich kann man nun argumentieren, dass der Night King einfach die Manifestation des puren Bösen ist. Das macht ihn ihm Vergleich zu menschlichen und vielschichtigen Opponenten wie Littlefinger, Cersei oder Joffrey aber ziemlich uninteressant.

Wir müssen uns wohl damit abfinden, dass wir statt überraschenden Intrigen und Machtspielchen nun eine Materialschlacht gegen eine CGI-Armee erleben dürfen.

Diese drei Kritikpunkte machen Game of Thrones selbstverständlich noch lange nicht zur «sChlEchTesTen SerIe ever!!!!» – im Gegenteil: die Serie bietet nach wie vor haufenweise pompöse Unterhaltung. Trotzdem sind die Qualitätseinbussen in der aktuellen Staffel nicht von der Hand zu weisen. Vielleicht liegt es ja an der fehlenden starken Hand von George R.R. Martins Buchvorlagen, welche die Serie mittlerweile überholt hat?