Best-of 2016: Die 16 besten Schweizer Alben des Jahres

Die besten Schweizer Alben eines Jahres zu küren, stellt sich von Jahr zu Jahr als immer wie schwieriger werdende Aufgabe heraus. Wir haben es trotzdem getan – und präsentieren stolz unsere definitive Liste der 16 besten einheimischen Langspieler dieses ach so fruchtbaren Musikjahres.

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CH-Musik 2016: Die Playlist

Die 30 besten Schweizer Songs aus 2016: Hier geht's zur Playlist auf Spotify.

Vielleicht liegt es an unserer äusserst mangelhaften Entscheidungsfähigkeit, oder vielleicht hat doch die Schweizer Musikszene Schuld daran, weil sie Jahr für Jahr bessere Produkte abliefert. Wenn wir sagen, dass wir noch nie so viel Mühe hatten, uns für die besten Schweizer Alben eines Jahres zu entscheiden, dann ist das keine billige PR-Floskel, sondern die totale Wahrheit.

Schlussendlich mussten wir uns dann aber doch festlegen und haben uns jetzt – passend zu 2016 – für jene 16 Schweizer Alben entschieden, die uns dieses Jahr besonders beeindruckt haben.

Die Playlist mit den besten Schweizer Songs des Jahres

Weil uns die Nennung dieser 16 Alben aber nicht ausgereicht hat um das Schweizer Musikjahr 2016 vollständig abzudecken, liefern wir dieses Jahr eine Playlist (Link in der Box od. ganz unten in diesem Artikel) mit noch mehr Schweizer Musik.

In dieser Playlist gibt's neben den besten Songs aus unseren Lieblingsalben auch Songs von Künstlern, welche dieses Jahr tolle EPs oder Singles veröffentlicht haben. An dieser Stelle also «Big up» an: α=f/m, Annie Goodchild, Bonaparte, Buvette, Dachs, East Sister, Ella on the Run, Faber, Friend, Gaia, Laskaar, Loco Escrito, Mule & Man, Knor, Len Sander, Odd Beholder, OY und Ta'shan.

CBN «Tourist»

Das ist ein Werk für Connaisseure. Obschon es auf «Tourist» natürlich auch Radiotaugliches mit dabei hat (das Leduc-Featuring auf «Delfin» z.B.), bleibt CBN ein Rapper, den vor allem andere Rapper und nerdige Rapfans feiern.

Seine kryptischen Texte, sein Silben-verschleppender Pausenflow, seine hochgezogenen Mundwinkel, seine Attitüde von «isch mo scheissegal ob das öpper checkt»: all das macht ihn zu einem manchmal unfassbaren Musiker. Deshalb volles Verständnis, wenn du ihn nicht kennst – dem wird ja hier entgegen gewirkt. Die Produktionen gehen zu grossen Stücken auf die Kappe des Berner Produzenten und Sängers Levin. -- Pablo [mehr: Studio Session und Album-Review bei «SRF Bounce»]

Fai Baba «Sad and Horny»

Er ist der unbestrittene Indie-Rock-König der Schweiz – und hat auch mit seiner neusten Platte «Sad and Horny» wieder nicht enttäuscht. Im Gegenteil: Mit seinem fünften Studioalbum hievt sich Fai Baba auf ein neues Qualitätslevel. Laut, leise und Luftgitarren-hitverdächtig: der Zürcher ist und bleibt einer der wenigen Schweizer Indie-Rock-Strohhalme, an die es sich wirklich zu klammern lohnt. -- Luca [mehr: Studio Session und Album-Review]

GeilerAsDu «Turbo Mate & Kalaschnikow»

Viele Jahre musste man sich gedulden bis DJ Lui G, Mike & Luzi wieder eine LP droppen würden. Gelohnt hat es sich. Ich letztens zu einem Berner Rapfreund: «Das Album vo GeilerAsDu legitimiert met jedem Song 4 Jahr lang inhaltsbefreite Swaggerrap us Lozärn.»

Bei aller Liebe zum Aussagelosen: GAD fühlen die Zeit, den Schmerz und die Stimmung einer Menschheit im Wandel – bleiben dabei aber fern von Predigerfinger oder Langeweile. Im Gegenteil: das Ding ist sogar phasenweise tanz- und mitsingbar. Gross. Wichtig. -- Pablo [mehr: Studio Session und Album-Review bei «SRF Bounce» | Mike von GeilerAsDu am #Cypher16]

Göldin & Bit-Tuner «Schiiwerfer»

In einem Jahr, in dem auf der Welt einiges schief gelaufen ist, ist «Schiiwerfer» nicht nur das vermutliche beste, sondern auch das wichtigste Schweizer Album des Jahres. Nach viel zu langer Absenz kehrten «Journalist des Jahres» Göldin und Produzent Bit-Tuner dieses Jahr mit der Wut im Bauch zurück.

Säurehaltige, bitterböse und längst überfällige Gesellschaftskritik, die kein Blatt vor den Mund nimmt. Ein würdiger Soundtrack für 2016. -- Luca [mehr: Das ganze Album als Gratis-Download]

Hanreti «Cuetrigger»

Hanreti machen Indie-Rock/Pop mit stark rap-orientiertem Beatgerüst. Wie damals also, als meine Mutter in die Linsen Speck machen musste, damit ich sie freiwillig esse – um dann zu bemerken, dass ich unheimlich darauf stehe.

Die «Alternativ-Funk» Truppe rund um Chef Timo Keller hat sie: die Herzen der Indiefans im kleinen Zentralschweizer Kulturkuchen. Auf mehr ist zu hoffen, ist aber auch zu erwarten: so viel Groove, im Kontrast zu dieser fragilen, charmant schiefen Leadstimme, habe ich schon lange nicht mehr gehört. -- Pablo [mehr: Studio Session und Album-Review]

Klaus Johann Grobe «Spagat der Liebe»

Es läuft rund bei Klaus Johann Grobe. Blickt man nämlich auf den ausgefüllten internationalen Tourplan des Duos aus Zürich und Basel, stellt sich einem die Frage, wann und wo die beiden Jungs eigentlich Zeit hatten, eine so gute Platte aufzunehmen.

Was wir garantiert wissen: Mit «Spagat der Liebe» haben KJG ihr erstes Album «Im Sinne der Zeit» nochmals übertroffen: die neue Platte ist noch poporientierter, noch grooviger und mit «Geschichten aus einer Hand» hat es sogar eine waschechte Mini-Hymne mit dabei. Und jetzt alle: «C'mon Baby, lass uns tanzen!» -- Luca

Manillio «Kryptonit»

Smart. Dieser Manuel Liniger kann richtig protal rappen. Reicht nicht. Er hat CRAZY Taktgefühl. Reicht nicht. Er hat 1 Gespür für Melodie, vong Radiotauglichkeit her. Reicht nicht. Denn all das hatte der Solothurner auch schon auf vorhergehenden Releases. Jetzt hat er HITS geschrieben.

«Monbijou» ist Zeitgeist, tanzbar und lässt die Hooks frei von ablenkenden Lyrics. Genius. Und damit auch bestes Beispiel für ein intelligentes, komplett Potential-verwirklichendes Album, das sowohl Rapfans wie auch dem eher Mainstream-zugewandten Hörer Spass machen kann. Gratulation, Neezy, wir sind stolz auf dich. -- Pablo [mehr: Studio Session und Album-Review bei «SRF Bounce» | Manillio am #Cypher16]

Manuel Stahlberger «Kristalltunnel»

Manuel Stahlberger kann es auch alleine. Nach seinem grossartigen Mit-Band-aufgenommenen-Album «Die Gschicht isch besser» beglückte uns der St. Galler dieses Jahr mit einer phänomenal guten Solo-Platte. Ein bisschen ruhiger und reduzierter als seine Band-Alben, aber nicht minder gut. Die hiesige Musikszene kennt zurzeit keinen besseren Geschichtenerzähler. -- Luca [mehr: Studio Session und Album-Review]

Mimiks «C.R.A.C.K»

Was soll man sagen? Mimiks ist mit dem zweiten Album besser, schneller, deutlicher, melodiesicherer und einfach geiler geworden. Da er zuvor schon masslos geil war, stellt das Album einen weiteren Meilenstein in der CH-Hip-Hop-Landschaft dar. Er schafft es dieses Mal sogar, technische Skills wie Doubletime-Rap mit Tiefe und Aussage zu verbinden (siehe mein Lieblingsong «Fuck Fame» feat. Dave). Ja, es hat viele poppige Hooks. Beruhigt euch alle mal. Melodien sind nicht der Feind, wacke Musik ist es. -- Pablo [mehr: Album-Review von «SRF Bounce» | #Mimiks am #Cypher16]

MoreEats «Quality Time»

SRF Virus leistet Entwicklungsaufbau. Technisch gesehen ist «Quality Time», das zweite Album des in Triesenberg aufgewachsenen Liechtensteiner MoreEats, nämlich das «Liechtensteiner Album des Jahres». Allerdings wohnt und lebt MoreEats seit Jahren in der Schweiz und schreibt seine symphatisch-charmanten Schlafzimmer-Pop-Juwelen von Zürich aus. Mit «Quality Time» hat MoreEats sein ohnehin schon ziemlich schlagkräftiges Arsenal an Indie-Pophits nochmals ausgebaut. Spitze. -- Luca [mehr: Studio Session und Album-Review]

Pablo Nouvelle «All I Need»

Egal ob «Take Me To Place», «I Will» oder «Ice»: der Berner Produzent Pablo Nouvelle war auch dieses Jahr wieder Ohrwurm und Electro-Pop-Hitschreiber #1. Wer sich einmal auf die Reise durch «All I Need» begibt, wird regelrecht süchtig, entdeckt bei nachfolgenden Hördurchgängen immer wieder Neues und sinkt so noch tiefer in die Klangwelt von Pablo Nouvelle ein. Da musste selbst James Gruntz für einen Gastauftritt vorbeischauen. -- Luca [mehr: Studio Session und Album-Review]

Pink Flamingo «Escape»

Der Produzent aus Genf fiel mir auf, weil er die Beats von Baba Makala macht. Dieser Typ hat etwas: unbändige kreative Energie. Dass er riesiger Fan von N.E.R.D. ist, hört man bei seiner Neo-Funk-Soul-Hip-Hop-Trap-Scheibe.

Live wird dazu dann ge-pogo-t, ge-moshpit-et und zu zwanzigst auf der Bühne rumgesprungen. Sein Solodebüt erzählt die Geschichte von Chaha Adams, einer mörderischen Krankenschwester in einem Irrenhaus. Ya see: Boy crazy. Gut crazy. -- Pablo [mehr: Album-Review]

S.O.S. «Candomblé»

Dass sich Dawill und Nativ aus Bern per Zufall vor nicht allzu langer Zeit begegnet sind und sich entschieden haben, zusammen Musik zu machen, für das sollte man Geld sammeln. Und es ihnen rückwirkend auszahlen. Ihre Rohheit, ihre Energie und ihr Turn-up wurden dieses Jahr von keiner anderen Crew getoppt. Mühelosestens wechseln sie von Boom bap zu rüdestem Trap und live stehlen sie praktisch allen CH-Rap Acts die Show. (#neezyamfrauefeld). -- Pablo [mehr: Das ganze Album als Gratis-Download | Studio Session und Album-Review bei «SRF Bounce» | Nativ von S.O.S. am #Cypher16 | Dawill von S.O.S. am #Cypher16]

True «Wrapped In Air»

Als wir uns im Oktober vom Debütalbum des Berner Duos True bezirzen liessen, haben wir uns gleichzeitig gefragt, warum es dieses schier unersättliche Silo an Hits noch nicht in die Charts geschafft hat.

Nun – Stand: Dezember – das Album ist noch immer nicht in den Charts. Die Songs dieser grossen Electropop-Platte stecken aber noch immer in unseren Gehörgängen fest. 2017, it's your turn. -- Luca [mehr: Studio Session und Album-Review]

Wolfman «Modern Age»

Das sexieste Schweizer Album des Jahres. Falls du also aus irgendeinem Grund noch nicht den passenden Soundtrack für die zweisamen Stunden während der Weihnachtszeit gefunden hast: Hier wäre er.

Im Gegensatz zu ihrem Debütalbum haben Wolfman aus Zürich auf ihrem zweiten Album einen Gang zurückgeschaltet und erkunden stattdessen den Raum zwischen Bettdecke und Laken. Da sind wir gerne dabei. -- Luca [mehr: Studio Session und Album-Review]

Zeal & Ardor «Devil Is Fine»

Es war sein Jahr. Manuel Gagneux aus Basel vereint Black Metal und Blues auf seinem – ursprünglich als Joke entstandenen – Debütalbum als wär's «nothing», bringt mich zum Weinen damit und die Medienwelt international zum Eskalieren. Die berührendste und überraschendste Musik des Jahres – egal ob CH oder International. Nicht ganz einfach zum Anhören – aber wenn du drin bist, willst du nie mehr woanders hin. Auf Gott & meine Mutter geschworen. -- Pablo [mehr: Interview | Album-Review]

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