«Palast der Miserablen» von Abbas Khider

Zwei Abwärtsspiralen, gegeneinander geschnitten: hier ein junger Häftling in wechselnden Kerkern, dort seine Familie, die ein besseres Leben suchte und immer nur ein schlechteres fand. Abbas Khider zeichnet in «Palast der Miserablen» ein packendes Panorama irakischer Geschichte.

Mann mit langen, zusammengebundenen, schwarzen Haaren
Bildlegende: imago images / STAR-MEDIA

In seinem neuen Roman erzählt Abbas Khider vom Irak der späten achtziger und der neunziger Jahre. Es ist «ein Land der unterirdischen Kerker», gebeutelt von Diktatur, Kriegen, religiösen und sozialen Konflikten, dumpfer Angst und himmelschreiender Armut. Aus dem ländlichen Süden ziehen Shams Husseins Eltern mit Sohn und Tochter nach Bagdad und landen dort in einem der ärmsten Slums. Kaum haben sie sich etwas eingerichtet, bricht eine Katastrophe nach der anderen über sie herein. Und Shams, ein ganz normaler Teenager, entdeckt die Welt der Bücher und besiegelt damit seinen Untergang.

«Palast der Miserablen» kommt düster daher, ist aber auch voller Galgenhumor und Situationskomik. Mehr noch als eine Chronik des Schreckens ist der Roman eine Chronik des Alltags trotz aller Schrecken. Politik, Soziologie, Psychologie, Tradition und individuelle Hoffnungen und Wünsche verbinden sich zu einer grossen Erzählung über den Zustand des Irak in den Jahren vor dem Sturz Saddam Husseins.

Mit Abbas Khider spricht Franziska Hirsbrunner.

Buchhinweis: 
Abbas Khider. Palast der Miserablen. Carl Hanser Verlag, 2020. 

Autor/in: Franziska Hirsbrunner