«Schall und Wahn» von William Faulkner

Es war William Faulkners kühnstes und auch liebstes Buch. An der Oberfläche erzählt es eine Familiensaga. Im Untergrund übt es Zeit- und Gesellschaftskritik, die ein Schlaglicht noch in versteckteste Bereiche wirft. Und es ist von einer Experimentierlust, wie sie seinerzeit nur Joyce gewagt hatte.

William Faulkner raucht Pfeife auf einem Balkon, schwarz-weiss Aufnahme.
Bildlegende: William Faulkner (1897 - 1962) Getty Images/Time Life Images/Alfred Eriss

Faulkner zeichnet den Niedergang der einst mächtigen Familie Compson weder linear noch realistisch. Ähnlich einem kubistischen Bild, bricht er die Realität in Facetten auf. Und geht dabei so weit, uns streckenweise einen Erzähler zuzumuten, der nur grunzen und brüllen kann. Was sich an Innen- und Aussenwelt im Kopf des geisteskranken Benjamin mischt, spinnen seine Brüder in ihren Monologen dann weiter.

Allerdings sind Quentin und Jason nur scheinbar besser dran als Benjamin. Zusammen mit der Schwester Caddy stecken die vier eine Lebenshölle ab, die ihresgleichen sucht. «The Sound and the Fury» ist eine Wucht. Nun liegt der Roman von 1929 endlich in einer deutschen Neuübertragung vor. Das Gespräch mit dem Übersetzer Frank Heibert führt Franziska Hirsbrunner.

Buchhinweis: William Faulkner. Schall und Wahn. Aus dem Englischen von Frank Heibert. Rowohlt, 2014.

Autor/in: Franziska Hirsbrunner