Completer – Weissweinrarität aus der Bündner Herrschaft

«Totgesagte leben länger.» Dieses Sprichwort umschreibt auch kurz und prägnant die Geschichte und das Schicksal der ältesten Rebsorte Graubündens: des Completers.

Weisswein im Glas.
Bildlegende: Kräftiger Weisswein: Der Completer passt zu geräuchertem Fisch oder Fleisch, Pilzgerichten oder reifem Alpkäse. Colourbox

Die bereits im Mittelalter in Malans und Fläsch angebaute weisse Sorte des Completers galt um die Mitte des 20. Jahrhunderts als praktisch ausgestorben. In den letzten Jahren hat sie aber eine zaghafte Renaissance erlebt. Zurzeit beträgt die gesamte Anbaufläche zwischen Chur und Fläsch lediglich 3,6 Hektaren. Daraus resultiert eine Jahresproduktion von nur gerade 15'000 bis 18'000 Flaschen.

Der erstmals 1321 in einer Urkunde des Domkapitels Chur erwähnte Completer verdankt seinen Namen angeblich dem Umstand, dass die Chorherren des Churer Stifts den daraus gekelterten Wein nach dem Nachtgebet, dem Complet, als Schlummertrunk zu geniessen pflegten.

Anspruchsvolle Traubensorte

Der Completer macht es den Winzern nicht leicht. Er reift nur in besten Lagen und in guten Jahren voll aus, ist anfällig auf Fäulnis und unregelmässig im Ertrag. Viele Winzer verloren deshalb die Geduld mit dem Completer und rodeten die Rebstöcke, um sich pflegeleichteren Sorten zuzuwenden.

Der Completer ist das pure Gegenteil eines Mainstream-Weins: Kräftig von Statur, kantig-herb und säurereich im Gaumen sollte man diesem einzigartigen Wein unbedingt einige Jahre Flaschenreife gönnen. Dann passt er zu geräuchertem Fisch oder Fleisch, Pilzgerichten oder reifem Alpkäse.