Marsala – Mehr als nur ein Kochwein

Die Weine aus dem Gebiet der sizilianischen Stadt Marsala geniessen trotz ruhmreicher Vergangenheit heute keinen besonders guten Ruf. Doch im Meer der Belanglosigkeiten gibt es auch grossartige Tropfen.

Blick in eine Marsala-Kellerei.
Bildlegende: Die aus Tuffstein von Vincenzo Florio 1832 erbauten Kellereien lagert auch Marsala. Flickr / Davide D'Amico

Die Welt der Marsala-Weine ist kompliziert, denn es gibt ein geradezu babylonisches Wirrwarr von Bezeichnungen und Stilvarianten. Auch wenn es fast nicht möglich ist, den Bezeichnungswildwuchs zu entwirren, so kommt, wer sich auf die Suche von qualitativ hochstehenden Marsala-Weinen machen möchte, nicht darum herum, sich ein paar Grundbegriffe einzuprägen.

Da Marsala sowohl aus weissen wie aus roten Trauben hergestellt wird, werden die Farbnuancen des fertigen Weines als Unterscheidungsmerkmal verwendet.

  • Goldener (oro) und bernsteinfarbener (ambra) Marsala wird aus den beiden hochwertigen weissen Traubensorten Grillo und Inzolia sowie dem Massenträger Cataratto hergestellt.
  • Der eher seltene rote Marsala (rubino) dagegen wird aus den roten Rebsorten Nerello mascalese, Nero d'Avola und Perricone hergestellt, wobei auch die Zugabe von bis zu dreissig Prozent weissen Grundweinen erlaubt ist.

Als weiteres Unterscheidungsmerkmal dient der Zuckergehalt, der in drei Stufen von trocken (secco) über semisecco bis süss (dolce) angegeben wird. Und schliesslich gibt es noch die verschiedenen Qualitätsstufen, die sich in erster Linie auf das Mindestalter der Weine beziehen.

Hier reicht das Spektrum von:

  • Fine (Mindestalter 1 Jahr)
  • Superiore (2 Jahre)
  • Superiore riserva (4 Jahre)
  • Vergine (5 Jahre)
  • Vergine riserva (10 Jahre).

Die meisten dieser Bezeichnungen können miteinander kombiniert werden, wobei Vergine-Marsala und Vergine-Riserva-Marsala in der Regel trocken sind.

Da der Faktor Zeit die Aromentiefe des Marsala entscheidend prägt, bereiten Marsala-Weine, die weniger lang als fünf Jahre ausgebaut wurden, selten grossen Trinkspass.

Wirklich gross können Marsala-Weine sein, wenn sie zehn oder mehr Jahre alt sind. Leider sind diese Weine rar, aber glücklicherweise gibt es noch einige ambitionierte Produzenten, die auf Qualität setzen. Zu ihnen gehören das Haus Florio und Marco de Bartoli mit seinem Gut Vecchio Samperi. Sie deklinieren auf überzeugende Weise die besten Marsala-Stilvarianten durch.

Redaktion: Rudolf Trefzer