Die Magierin von Erdsee

Ursula K. Le Guin wird als Autorin von Science-Fiction und Fantasy geschätzt, aber selten gelesen. Dabei bieten ihre Romane von «Erdsee» einen zauberhaften Einstieg in ihre Welt. Zeit für eine Entdeckungsreise.

Ursula Le Guin hat mit «Erdsee» eine wunderbare Fantasy-Welt erschaffen
Bildlegende: Euan Monaghan/Structo

Erdsee ist ein Archipel im weiten Ozean: eine mythisch anmutende Inselwelt der Magie, der Drachen und der dunklen Kräfte, aber auch eine Welt der Poesie und der Naturgewalten. Wer hier zaubern will, muss die Dinge bei ihrem wahren Namen kennen. Eine grosse Magierin ist hier somit auch eine grosse Dichterin.

Ursula K. Le Guin ist zweifellos eine grosse Magierin. Wer ihre Zauberkraft erleben will, kann «Erdsee» nun in einer neu erschienenen Gesamtausgabe entdecken. Alle fünf Romane der Saga, die zwischen 1968 und 2001 entstanden, sind darin enthalten. Dazu kommen weitere Erzählungen und einsichtsreiche Kommentare der Autorin. Ursula Le Guin, die diesen Januar 88-jährig gestorben ist, hat seit den frühen 60er Jahren immer wieder an ihrem Grand Œuvre gearbeitet. Insgesamt warten nun über 1000 Seiten auf ihre Leserinnen und Leser.

Wer möchte da nicht eintauchen? Mit «Erdsee» hat die Autorin nicht nur eine Fantasy-Welt erschaffen, welche neben Tolkiens «Mittelerde» mühelos bestehen kann. Sie beweist auch in diesem Genre ihre Sensibilität für Kulturen und Geschlechter. Im Laufe ihrer Erzählungen entwickelt sie Frauenfiguren, die keine Superheldinnen sind und dennoch im Zentrum einer Geschichte bestehen können. In der Magie findet sie ein Bild für die poetische Kraft der menschlichen Seele. Sprache ist bei Le Guin nicht toter Buchstabe, sondern eine Kraft, die Inseln aus dem Ozean hebt.

Buchhinweise

Ursula K. Le Guin. Erdsee. Die illustrierte Gesamtausgabe. S Fischer, 2018.

Ursula K. Le Guin. Keine Zeit verlieren. Über Alter, Kunst, Kultur und Katzen. Golkonda, 2018.

Autor/in: Philipp Auchter