Ein Heldinnen-Epos, ein Schock-Roman – und ein Querdenker

Die Palette der heute am Literaturstammtisch vorgestellten Bücher ist gross. Ebenso die Fragen, die sie aufwerfen: Wie wichtig ist Ungehorsam? Wie lebt man nach einem traumatischen Erlebnis weiter? Wie stellt man sich einem globalen Problem wie dem Klimawandel?

Junge Frau mit schwarzen Haaren blickt in die Kamera
Bildlegende: Inès Bayard hat ein vielversprechendes Debüt geschrieben. (Bild: Deborah Morier)

Wie wichtig ist Ungehorsam? Sehr wichtig, denkt man, nachdem man das neue Werk der deutschen Autorin Anne Weber gelesen hat. Es heisst «Annette, ein Heldinnenepos». Felix Münger ist begeistert davon. Es erzählt die wahre Geschichte einer heute 96-jährigen Französin, die ihr Leben dem Widerstand gegen die Unmenschlichkeit gewidmet hat - und dadurch eine echte Heldin geworden ist.

Wie lebt man nach einem traumatischen Erlebnis weiter? Die junge französische Autorin Inès Bayard erzählt, wie ein Opfer zur Täterin wird: eine junge, erfolgreiche Frau löscht nach einer brutalen Vergewaltigung aus Scham ihre Familie aus. Der Roman mit dem Titel «Scham» ist ein Schocker. Esther Schneider bringt das psychologische Romandebut, das in Frankreich zu reden gab und jetzt auf Deutsch vorliegt, mit.

Wie stellt man sich einem globalen Problem wie dem Klimawandel? Man denkt quer. Der US-amerikanische Schriftsteller Jonathan Franzen schreibt in einem engagierten Essay, warum wir uns eingestehen sollten, dass wir die Klimakatastrohe nicht verhindern können. Und welche zum Teil unkonventionellen Massnahmen er in diesem Zusammenhang vorschlägt. Britta Spichiger findet, dass seine Ideen zumindest diskutiert werden sollten.

Buchhinweise:
Anne Weber. Annette – ein Heldinnenepos. Matthes&Seitz, 2020.
Inès Bayard. Scham. Zsolnay, 2020.
Jonathan Franzen. Wann hören wir auf, uns etwas vorzumachen? Rowohlt Taschenbuch, 2020.

Autor/in: Britta Spichiger