Salanders Comeback – oder die Frage: Was hätte Stieg Larsson dazu gesagt?

Als der schwedische Autor Stieg Larsson im November 2004 an einem Herzinfarkt starb, hatte er keine Ahnung, dass seine bereits beendete Millennium-Trilogie «Verblendung», «Verdammnis» und «Vergebung» dereinst weltweit für Furore sorgen und 80 Millionen mal verkauft würde. Noch weniger hätte er wohl vermutet, dass später ein Anderer, David Lagercrantz, die Serie fortsetzt. Auf der ganzen Welt erscheint diese Woche zeitgleich der 4. Band «Verschwörung». Was ist vom Buch und vom Vorgehen zu halten?

Beiträge

  • Intrigen, Paranoia, Verfolgung

    Mit seiner Millennium-Triologie «Verblendung», «Verdammnis» und «Vergebung» revolutionierte Stieg Larsson nicht nur das Krimigenre; er erfand auch ein völlig ungewöhnliches Ermittler-Duo: die geniale Hackerin Lisbeth Salander und den Journalisten Mikael Blomkvist.

    Jetzt lässt also ein anderer Autor, David Lagercrantz, die beiden wieder auferstehen und jagt sie auf der Suche nach dem Mörder bis ins Innere der NSA-Zentrale. Überzeugt die Story ? Und wie geschickt fügt sie sich inhaltlich in die Reihe der drei früheren Bände ? Luzia Stettler hat «Verschwörung» kritisch gelesen.

    Buchhinweis: David Lagercrantz. Verschwörung. Heyne, 2015.

    Luzia Stettler

  • Der Kampf um Stieg Larssons Erbe

    Stieg Larsson hatte seine Milleniumsserie jahrelang in der Freizeit meistens nachts geschrieben. Der Verlag war vom Resultat begeistert, und Stieg Larsson spürte, dass seine Zukunft finanziell gesichert war. Wegen seines frühen Todes profitieren dann allerdings andere vom Geldsegen.

    Und der Kampf um die Milliarden hinterliess auch eine böse Familenfehde unter den Erben: Stieg Larssons Lebenspartnerin, mit der er über dreissig Jahren verbunden war, ging weitgehend leer aus, weil das Paar nie geheiratet hatte. Sie hält denn auch wenig von der Idee der Familie, das Erfolgsrezept ihres verstorbenen Partners von einem anderen Journalisten fortzusetzen zu lassen.

    Bruno Kaufmann

  • «Eine gute Idee» findet der Nachfolger

    «Wenn ich über mich selber schreibe, bin ich am schlechtesten», gibt der 53jährige Autor und Journalist David Lagercrantz selbstkritisch zu Protokoll.

    Folgerichtig versetzt er sich am liebsten in die Rollen anderer Personen, wie etwa in den schwedischen Starfussballer Zlatan Ibrahimovic, dessen - von Lagercrantz erfundene - «Autobiographie» sich millionenfach seit 2011 verkauft hat. Mit dem Auftrag, eine Fortsetzung der mythenumwobenen Milleniumbücher zu schreiben, tat sich Lagercrantz anfänglich schwer, und kann auch heute, nach der Fertigstellung, kaum schlafen. Aber er sei trotzdem absolut überzeugt, dass der umstrittene Fortsetzungsband mit dem Titel «Verschwörung» eine gute Idee sei, erzählt David Lagercrantz im Gespräch mit SRF-Nordeuropakorrespondent Bruno Kaufmann.

    Bruno Kaufmann

  • Vergleichbar mit Sherlock Holmes?

    Kaum ist «Verschwörung» auf dem Markt, melden sich Prominente kritisch zu Wort: Der dänische Starautor Jussi Adler Olsen rief öffentlich zum Boykott auf.

    Diese Kommerzialisierung sei überhaupt nicht im Sinne von Stieg Larsson: «Damit nutzt man einen Mann aus, der Ausnutzung hasste» schrieb er in einer skandinavischen Tageszeitung.

    Gehört es aber nicht auch zum Schicksal von besonderen literarischen Figuren, dass sie sich verselbständigen? Sind nicht auch ein Sherlock Holmes oder ein James Bond schon x-fach kopiert und zum Allgemeingut geworden, ohne ihren Erfindern damit zu schaden?

    Luzia Stettler

Redaktion: Luzia Stettler