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DOK Armut in der reichen Schweiz sichtbar machen

Bestimmt sind Sie ihnen auch schon begegnet – den rot gekleideten Verkäufern des Strassenmagazins «Surprise». Reporter Marc Gieriet hat in Zürich vier von ihnen näher kennengelernt und ist beeindruckt, wie sich diese Männer Tag für Tag zurück ins Leben und in die Sichtbarkeit kämpfen.

Manchmal kaufe ich diesem Verkäufer eines dieser Hefte ab: «Surprise» – das Strassenmagazin. Manchmal haste ich an jenem Verkäufer vorbei und hoffe insgeheim, dass er mir das nicht übel nimmt. Manchmal, wenn ich grad einen Fünfliber im Hosensack habe, gebe ich ihm diesen und verzichte auf das Heft. Aber immer sehe ich ihn, rot gekleidet, auffällig und doch stets zurückhaltend. Egal, welche Person in dieser roten Jacke mit der Aufschrift «Surprise» steckt, ich weiss nichts über sie, nur, dass sie mich immer sehr freundlich grüsst und nie zum Kauf drängt. So war das bis zu diesem Frühling.

Während der Dreharbeiten zum Reportage «Die vergessenen Sehenswürdigkeiten» lernte ich ein paar dieser Verkäufer kennen. Genauer gesagt, ich traf vier der über 350 Verkäuferinnen und Verkäufer, welche in der Deutschschweiz fast jeden Tag an einer Ecke, bei einem Bahnhofsaufgang oder an einer Kreuzung stehen. Sie stehen da bei Hitze und Kälte, bei Schnee und Regen und scheinen stets zufrieden mit sich und der Welt zu sein.

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«Freundlichkeit zahlt sich aus»
Aus DOK vom 29.05.2016.
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Inzwischen kenne ich die Lebensgeschichten dieser vier Männer und bin beeindruckt. Sie, die in der «Leistungsgesellschaft» keinen Platz gefunden zu haben scheinen, beeindrucken mich durch ihre Leistung. Sie kämpfen sich Tag für Tag zurück. Nicht nur, um ihre zum Teil hohen Schulden abzubauen, sondern auch zurück in die Sichtbarkeit. Einer von ihnen ist Peter Conrath. Er bringt es auf den Punkt, wenn er von Obdachlosigkeit und Armut spricht. Beides ist ein Teil unserer Gesellschaft.

Video
«Wir zeigen das Zürich eines Obdachlosen»
Aus DOK vom 29.05.2016.
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Die Verkäufer gibt es seit 1997. In den Jahren 2013 (Basel) und 2014 (Zürich) kam zu den Strassenmagazinen der soziale Stadtrundgang dazu. Ausgewählte «Surprise»-Mitarbeiter führen Interessierte durch die Stadt von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit. Gassenküchen, Notschlafstellen, Obdachlosentreffpunkte, Hilfswerke – die Besucher werden an Orte geführt und dort über Einrichtungen aufgeklärt, von denen die meisten Menschen im Alltag nichts erfahren. Dazu erzählen sie interessante und berührende Geschichten aus ihrem Leben.

Video
Carmen Berchtold, Koordinatorin «Sozialer Stadtrundgang»
Aus DOK vom 29.05.2016.
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Zum Autor

Autor Marc Gieriet im Büro.

Marc Gieriet (*1967) arbeitet seit 2001 beim Schweizer Fernsehen. Er ist Autor diverser Reportagen und DOK-Serien

«Reporter»

«Reporter»

«Die vergessenen Sehenswürdigkeiten», Sonntag, 29. Mai 2016, 21.40 Uhr, SRF 1

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13 Kommentare

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  • Kommentar von Dani Sieber , Basel
    Und niemand liegt nur faul rum. Jeder Mensch will arbeiten und jeder Mensch soll eine ihm gemässe Tätigkeit finden können. Auch deshalb: JA zum Bedingungslosen Grundeinkkommen. Vertrauen in die Menschen und Vertrauen in die Menschlichkeit.
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  • Kommentar von Laura Brunner , Basel
    Erstklassiger Reporter - interessant von Anfang bis Schluss. Die positive Lebenseinstellung der Surprise-Verkäufer hat mich sehr beeindruckt. Auch ihre Lockerheit und ihr Humor liessen mich schmunzeln :-)
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  • Kommentar von Tom Duran , Basel
    Jetzt haben Sie die Chance den Armen und Obdachlosen etwas Gutes zu tun! Mit einem JA zum bedingungslosen Grundeinkommen würden viele Arme nicht mehr so arm sein! Nicht nur leere Worte des Mitleids von sich geben, aktiv etwas tun: das wünschte ich mir eigentlich von den Schweizern. Ein Grundeinkommen würde den Ärmsten ein würdiges Leben ermöglichen und den Arbeitslosen und Sozialhilfeempfänger den entwürdigenden Gang zu den Behörden. Geld bekommt heute ja auch jeder, warum dann nicht einfacher?
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    1. Antwort von M.Müller , Zürich
      Das Schweizer Volk ist noch nicht reif dazu, es muss zuerst selber noch mehr verarmen und sich aus der Wohlstandlethargie befreien. Das Schweizer Volk schenkt lieber den oberen 2% die Erbschaftssteuer, damit 98% nicht aus dem Hamsterrad ausbrechen können. Diese 2% werden durch Investitionen und nicht Arbeit reicher - begreift der Wöhler nicht! Auch legitimiert das Volk bedingungslose Millionen-Bonis. Ich nenne es Demokratie unwürdig, dieses Volk.