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«So, wie wir uns das erträumt haben.»
Aus DOK vom 08.12.2016.
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SRF DOK Der Traum vom eigenen Haus

Frischgebackene Hauseigentümer für einen «DOK» zu gewinnen, in dem es um Zersiedelung geht – nicht ganz einfach. Nach unendlich vielen Absagen wurden wir in einem Dorf im Mittelland doch noch fündig. Eindrücke eines Drehtags, an dem wir tief in die Seele der Schweizer Eigenheimbesitzer blickten.

Es ist früher Nachmittag im August. Die Sonne steht hoch am Himmel, es ist heiss, die Luft flirrt. Drehort: Beinwil, ein beschauliches 1000-Seelen-Dorf im aargauischen Freiamt. Vor uns die Familie Arnold, im Hintergrund ihr beinahe fertig gestelltes Einfamilienhaus. Die kleine Fabienne schläft im Arm von Mama. Die Bauherren wirken müde aber glücklich.

Lange hatten wir nach jemandem wie ihnen gesucht. Welcher Häuschenbauer will schon hinstehen und sich im Fernsehen erklären? In Zeiten, wo alle wissen, dass Einfamilienhäuser zur Zersiedelung beitragen. Arnolds hatten nach anfänglichem Zögern eingewilligt.

Die Sehnsucht nach dem Land

Umgeben von Staub und Baustellenlärm, führt uns das junge Ehepaar durch ihre neu errichtete Immobilie. «All unsere Wünsche haben wir hier eingebracht und das Haus so realisiert, wie wir es uns erträumten!», schwärmt Nadja Arnold. Und ihr Mann Ernst ergänzt:

«Wir haben alles zusammen geplant, wo wir was gerne haben möchten – innen und aussen.» In einigen Wochen werden sie ihr zweistöckiges Haus beziehen können. Nur der Garten gleicht noch einer Mondlandschaft. Er wird erst im nächsten Jahr fertig sein.

Jüngste Umfragen zeigen: Der Traum vom Einfamilienhaus ist ungebrochen. Die überwiegende Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer sehnt sich nach einem eigenen Haus, am liebsten auf dem Land. Für die meisten Schweizer bleibt dies Wunschdenken: Laut dem Bundesamt für Statistik lebt die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung im städtischen Raum, gut ein Drittel in seinen eigenen vier Wänden. Was nicht heisst, dass sie ein Haus ihr eigen nennen können.

Für Ernst und Nadja Arnold sind alle Schweizer Wohnträume in Erfüllung gegangen.

Kindheitserinnerungen

Woher die Sehnsucht nach dem Leben im Haus auf dem Land kommt, ist für beide klar: «Wir hatten selber eine schöne Kindheit im Dorf. Warum sollen das unsere Kinder nicht auch erleben dürfen?» Sie seien keine Stadtmenschen, meint Ernst Arnold. Arbeiten tun sie allerdings, wie so viele, die auf dem Land wohnen, in Stadtnähe. Beide werden mit dem Auto pendeln.

Dass ihr Wunsch nach Naturnähe und gleichzeitigem Anschluss an die Ballungszentren die Zersiedelung fördert, lassen sie nicht gelten: «Wir haben uns bewusst für eine Bauparzelle in der Nähe des Dorfzentrums entschieden und nicht für ein alleinstehendes Haus im Grünen», rechtfertigt sich Ernst Arnold.

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«Wir haben ja bald kein Land mehr.»
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Sepp, der Nachbar

Die feste Absicht von Arnolds ist es, sich ins Dorf zu integrieren. Sie wollen in Beinwil Wurzeln schlagen. In der Dorfbeiz einkehren, Vereine besuchen und im Dorfladen einkaufen. Mit Sepp Leuthard, dem unmittelbaren Nachbarn, haben sie schon Kontakt geknüpft. Dass just die Parzelle von Arnolds die Aussicht von Sepp schmälert, nimmt der ehemalige Bauchef der Gemeinde gelassen. «Ich konnte vor 40 Jahren auch bauen, also sollen andere das Recht auch haben.»

Natürlich müsse man heute verdichtet bauen, weil es bald kein Land mehr habe, fügt er hinzu. «Aber die Landschaft hier und die Häuser sind doch schön!» Das sei auch ein Kapital.

Dass dieser Traum vom eigenen Haus auf dem Land möglicherweise dereinst ausgeträumt sein wird, dessen ist sich Ernst Arnold bewusst. «Für uns hat’s jetzt noch gerade gereicht», meint der frischgebackene Hausbesitzer.

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Kathrin Winzenried arbeitet seit 2001 als Redaktorin und Moderatorin für «Kassensturz», «DOK» und «Reporter».

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20 Kommentare

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  • Kommentar von Tom Duran  (Tom Duran)
    Für das Geld bekomme ich in der Schweiz einen Hasenstall, in Italien eine Villa am Meer!
    Wer hier baut muss entweder stinkreich oder noch nie verreist sein.
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  • Kommentar von Pascal Gienger  (Pascal Gienger)
    Jede Diskussion in der Schweiz landet in kürzester Zeit bei Ausländern, Einwanderung oder Islam. Es ist leider ein Ausblick darauf was Deutschland mit der AfD blüht.
    Einwanderer sind grossenteils nicht die, die in der Hüslischweiz wohnen. Nein, die wohnen verdichtet in Wohnungen.
    Der Schuldige am Flächenfrass ist nicht der Ausländer. Sondern der Urtyp Schweizer.
    Es ist nur noch eine Qual anzusehen wie in CH immer die Ausländer als Problem dargestellt werden, auch hier in den Kommentaren.
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    1. Antwort von Konrad Schläpfer  (Koni)
      Pascal Gienger, 8.5 Millionen Menschen brauche nun mal mehr Platz als 6 Millionen, ganz zu schweigen von den Emissionen, das ist doch eine Tatsache.
    2. Antwort von Pascal Gienger  (Pascal Gienger)
      Das "wir" gegen "ihr" braucht ihr, nicht wahr? Ich sah nie einen Grund zwischen "den 6 Millionen" und"den 2.5 Millionen" zu unterscheiden. Ihr aber schon. In jeder Situation war ich "der Uusländer". Gebrandmarkt in jeder Gruppe. Teils leicht, teils sehr stark.
      Das habt ihr fünf Jahre erfolgreich versucht in mich reinzudrücken dass ich nach fünf Jahren aufgegeben habe und gegangen bin. Ohne Hüsli in der Hüslischweiz.
      Und dennoch seid es "ihr" Schweizer die "Euer" Land zubauen! Nicht "wir".
    3. Antwort von marc rist  (mcrist)
      @PG: Leider gibt es hierzulande mittlerweile zwei Kategorien von Schweizern. Die einen, wie etwa KS, begreifen das Offensichtliche und die anderen suchen nach Ausreden. Letztere werden auch Ideologen genannt.
  • Kommentar von jean-claude albert heusser  (jeani)
    Man könnte auch sagen des "Schweizers Hirngespinnst" vom eigen Häuschen! Die "Zersiedelung lässt grüssen" oder nach dem Moto warum "verdichtet und in die Höhe bauen", wenn es in fie Breite auch geht!
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